ONLINE-Selbsthilfegruppe | Samstags von 19 Uhr bis 21 Uhr

Vorstellung meiner Person

Begonnen von Chrisbvb09, 25 Februar 2026, 14:45:56

Vorheriges Thema - Nächstes Thema
Hallo ihr lieben, ich bin Chris. 31 Jahre alt. Leidenschaftlicher Zocker seit jetzt 7 Jahren. Angefangen habe ich aus Spaß im Bowling Center mit 2 € die ich im Portemonnaie übrig hatte. Und was soll ich sagen, ich habe aus den 2€ 200€ am Automaten gemacht. Da fing es an mit meiner sucht. Dann habe ich eine Zeitlang Sportwetten gemacht. Keine großen Beträge nur so 1-2€ pro Wette, aber nie wirklich etwas gewonnen. Also habe ich dann angefangen im Online Casino mit Blackjack und Roulette, wobei ich sagen muss das mich der Reiz beim Blackjack mehr beeinflusst hat. Gerade die Option auf sidebets zu wetten hat mich irgendwie glücklich gemacht. Ich habe in den letzten Jahren häufig gewonnen. In den letzten Monaten war ich auf dem Höhepunkt meiner Sucht. Viele Schicksalsschläge haben mich dazu gebracht. Wohnung aufgrund von Schimmel verloren, Job gewechselt aufgrund von Burn-out.. usw.
Letzte Woche habe ich dann mein letztes Geld ins Casino eingezahlt.. 50€ und war wenige Zeit später bei über 6000€. Ich habe mir geschworen diese Auszahlung vorzunehmen. Ich also alles eingetippt, Handy für 2 Stunden zur Seite gelegt.. versucht mich abzulenken. Falsch gedacht.. nachts schlaflos gewesen. Gedanken kreisten nur um das Geld was da aufm Konto ist..
Am nächsten Tag weitergezockt.. alles verloren.. keine einzige Wette gewonnen, als wäre die ganze Welt gegen einem. Jetzt plagen mich Schuldgefühle und negative Gedanken. Wem geht es ähnlich? Wer hat sowas auch schon erlebt? Wer teilt die gleichen Erfahrungen? Das schlimmste meine ganzen Gewinne habe ich per Screenshot aufm Handy gespeichert und  mir die immer wieder an..

Hallo zusammen,

ich erkenne mich in deiner Geschichte so krass wieder. Ich bin Anfang 30 und bei mir hat es ganz ähnlich angefangen – nur dass die Dimensionen irgendwann komplett eskaliert sind.

Bei mir war es auch dieser erste ,,magische" Gewinn. Ein kleiner Einsatz, riesiger Output. Dieses Gefühl von: Ich habe es verstanden. Ich kann das. Ich bin anders als die anderen. Dieser erste Kick war wie ein Brandbeschleuniger.

Anfangs waren es auch nur kleine Beträge. 5 €, 10 €, hier und da mal 50 €. Sportwetten, dann Online-Casino. Und dann kam Blackjack. Genau wie bei dir – diese Sidebets. Dieses ,,Vielleicht passiert jetzt das Unwahrscheinliche". Dieses kurze Aufleuchten, wenn zwei Karten passen könnten. Dieses Adrenalin in Sekunden.

Ich habe auch oft gewonnen. Und genau das war mein größter Fehler. Ich habe über Jahre immer wieder hohe vierstellige Gewinne gemacht. Ich dachte irgendwann, ich sei im Plus. Ich dachte, ich hätte ein System.

Aber die Realität?

Ich habe insgesamt einen Betrag im sechsstelligen Bereich verzockt. Über 100.000 €. Wenn ich das heute schreibe, fühlt es sich nicht real an.

Bei mir kam der Absturz auch in einer Phase, in der privat alles zusammenbrach. Beziehung kaputt. Job verloren. Schulden. Druck. Und das Casino war plötzlich nicht mehr ,,Spaß", sondern Flucht. Betäubung. Hoffnung. Kontrolle.

Ich erinnere mich noch an den schlimmsten Moment:
Ich hatte mich hochgespielt von ein paar Hundert Euro auf über 40.000 €. Ich war wie im Rausch. Ich habe mir geschworen: ,,Wenn ich 50.000 erreiche, höre ich auf."

Ich war so nah dran.

Dann kamen ein paar verlorene Hände. Dann wollte ich nur das zurückholen, was ich gerade verloren hatte. Dann war ich wütend. Dann war ich überzeugt, dass ,,jetzt" wieder der Turn kommt.

Am Ende war alles weg. Nicht nur der Gewinn – auch mein eigenes eingezahltes Geld. Und ich habe weiter eingezahlt. Und weiter.

Das Schlimmste?
Nicht mal der Verlust selbst.

Sondern dieses Gefühl danach. Diese Leere. Diese Schuld. Diese Gedanken:
,,Wie konntest du nur?"
,,Mit dem Geld hättest du Schulden zahlen können."
,,Du hättest dein Leben verändern können."

Und ja – ich habe auch Screenshots gespeichert. Ganze Ordner voll mit Gewinnen. 5-stellige Beträge. 20.000 hier, 12.000 da. Ich habe sie mir immer wieder angeschaut. Als Beweis, dass ich es ,,kann".

Aber in Wahrheit waren diese Bilder nur Trigger. Sie haben mich zurückgezogen. Immer wieder.

Dieses Grübeln nachts, dieses Kopfkino mit dem Kontostand – ich kenne das. Dieses ,,Es war da. Es war wirklich da." Und gleichzeitig das Gefühl, als wäre man selbst sein schlimmster Feind gewesen.

Du bist damit nicht allein. Viele von uns hatten diesen Moment, wo wir ganz oben waren – und dann alles verloren haben. Und paradoxerweise tut der Verlust eines hohen Gewinns manchmal mehr weh als echtes eigenes Geld.

Was ich gelernt habe:
Der Schmerz kommt nicht nur vom Geld.
Er kommt vom verpassten Ausstieg.
Von der Illusion, man hätte es diesmal geschafft.

Aber das Problem ist nicht dieser eine Tag.
Das Problem ist das System dahinter – und die Sucht, die uns glauben lässt, der nächste Klick macht alles wieder gut.

Wenn du gerade Schuldgefühle hast: Das zeigt immerhin, dass dir klar ist, was passiert ist. Das ist kein Charakterfehler. Das ist eine Suchtdynamik.

Und die Screenshots?
Ich habe meine irgendwann gelöscht. Es war brutal. Aber befreiend.

Du bist nicht verrückt.
Du bist nicht dumm.
Du bist in einem Kreislauf gelandet, der genau so funktioniert.

Wenn du willst, können wir auch darüber sprechen, wie man da konkret rauskommt.

Von mir nur kurz eines, lösche sofort diese Screenshots. Du musst jetzt sowieso nach und nach von den alten Routinen ablassen. Und es bringt dir rein gar nichts dich fortlaufend als Depp mit Schuld zu bezeichnen weil du alles verzockt hast. Alle Süchtigen verzocken ihre Gewinne wieder, selbst bei gelungenen Auszahlungen hättest du es nach und nach reinvestiert. Geld abschreiben und daran arbeiten dass nicht noch mehr gutes Geld dem schlechten hinterherläuft.
Woher ich das weiß? Weil ich die Bremse auch nie fand, bei 40.000 nicht, bei 100.000 nicht und bei viel mehr auch nicht. Weil es im Endeffekt nicht um diese Zahlen geht sondern rein ums spielen.
Zahlen sind nur der Anreiz, die Aufmunterung vom inneren Teufel weiterzumachen und alles zurückzuholen.
Bei jedem muss irgendein Knall kommen der sagt, Schluss aus fertig. Mit mir nicht mehr. Bei mir bei Sportwetten vor knapp 4 Jahren und bei Casino vor über drei Jahren. Und ich verspreche dir es geht auch ohne!
Da ich kein Anwalt bin spiegeln meine Posts lediglich meine eigene Meinung wieder.

#3
Hi Chris!

Vielen Dank für Deine Vorstellung.

Ja, lösche bitte umgehend diese Screenshots! Da Du ja bisher auch schon mitgelesen hast, weisst Du ja, dass ich vor über 4 Jahren mit dem Rauchen aufgehört habe. Dabei war ich doch überzeugter Raucher. Nach über 40 Jahren Nikotinkonsum hatte ich so langsam aber doch meine Beschwerden. Morgens wachte ich auf und hustete mir die Lunge aus dem Leib, um sie dann per Nikotin wieder zu inhalieren.
Als ich auf der Gruppenleiterschulung dann von Jörg angesprochen wurde, einem Psychologischen Psychotherapeuten, ob wir drei Raucher in der Schulung uns nicht bei ihm zur Raucherentwöhnung melden wollten, da schlug ich zu.
Um es kurz zu machen :) , ich fragte nach, ob ich denn nicht weiter dampfen dürfe. selbstredend ohne Nikotin. Die Antwort war ein klares Nein, denn wenn Du Dich von einer Gewöhnung entwöhnen möchtest, dann musst Du alles ablegen, was damit zu tun hat. Wenn ich weiter gedampft hätte, dann hätte ich auch die damit verbundenen Rituale weiter genutzt - und die basierten ja auf dem Rauchen.

Es ist für mich klar, dass ich aus mehreren Gründen damals gespielt habe. Einer davon: Ich wollte mich fühlen! Und da war es mir auch egal, ob ich positive oder negative Emotionen verspürte. Die Emotionen mussten nur extrem sein!
Passiert nicht auch so etwas bei Dir, wenn Du Dir die Screenshots anschaust? "Du Versager, Du Lusche, Du warst doch so nahe dran und dann ..."

War es nicht in Sakrileg – Der Da Vinci Code, als sich jemand mit einem Dornenband selbst geißelte?
Verursacht nicht das Anschauen der Bilder fast genau solche Schmerzen? Nur eben im Herzen?

Wir werden heute so durch Werbung geimpft, dass Glücksspiel etwas "Normales" sei, dass so mancher aus unserer Gesellschaft auch irgendwann damit Kontakt bekommt und sich dabei gar nichts denkt.
Doch die verschiedenen Glücksspielarten sind all darauf ausgerichtet, Dich zu binden und Dein internes Glücklichmachersystem anzusprechen. Da werden dann schnell ähnliche Aktivitäten ausprobiert und die Investitionen von Zeit und Geld werden erhöht. Wir merken gar nicht, dass wir die Normalität in unserem Denken und Handeln verlassen und in der Problematik landen, wenn nicht sogar in der Pathologie.

Aber ... wir Menschen machen Fehler! Das ist vollkommen natürlich. Ich muss mir Fehler aber nicht mein ganzes Leben selbst immer wieder vorhalten. Sie sind gemacht worden, ich lerne daraus und vermeide sie in Zukunft. Wenn ich sie mir vorhalten, dann lebe ich in der Vergangenheit ... und vergeude weitere wertvolle Lebenszeit!

Es ist mir in Deinem ersten Beitrag schon aufgefallen ... und hier wiederholst Du das Wort auch wieder. Was verbindest Du heute mit dem Begriff des Zockers? Womit identifizierst Du Dich da?
Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Guten Abend,

Update von mir sämtliche Screenshots sind von mir jetzt gelöscht worden. Es fühlt sich an wie eine erste kleine Befreiung.
Das Verlangen nach Spielen ist jetzt auch ein wenig geringer geworden.

Danke für eure Antworten und eure Tipps.

Hi Chris!

Da ich gerade selbst einen Burnout hatte (Mode-Krankheit unserer Gesellschaft) und ebenfalls süchtig war/bin: Der Burnout war schon ein Signal deines Körper und deiner Seele, dass du dringend Dysbalancen in Ordnung bringen musst.

Glücksspiel, Alkohol, bei manchen Drogen, Social Media...All das ist schnelles Dopamin. Wir haben schon lange verlernt, wie man ohne dieses Zeug entspannen und Glück verspüren kann.

Im Grunde flüchtest du ständig davor, dich mit dem echten Chris auseinanderzusetzen. Du flüchtest vor dir selbst.

Warum sage ich das?

Weil ich selbst zunächst mit GS angefangen habe an mir zu arbeiten und mittlerweile in die nächste Krise geschlittert bin und jetzt sehe, dass es etwas mit der Persönlichkeit zu tun hat.

Wenn ich dir etwas empfehlen darf: Die GS-Sucht zu therapieren ist das Eine. Aber du solltest auch mal tiefenpsychologisch arbeiten. Ich bin sicher, dass du (wie ich auch) irgendwann mal d in Belohnungssystem im Gehirn falsch programmiert wurde.

Bleib dran und bleib ehrlich mit dir selbst!

Alles Liebe

ZitatEs ist mir in Deinem ersten Beitrag schon aufgefallen ... und hier wiederholst Du das Wort auch wieder. Was verbindest Du heute mit dem Begriff des Zockers? Womit identifizierst Du Dich da?

Da Du darauf nicht antwortest ...

Nun, mit 18 öffnete in unserem Ort eine Spielhalle. Wir, die wir vorher schon an Telespielen unser "Können" gemessen hatten, fanden uns nun in dieser neuen Halle ein. Wir trafen uns auch im "Bistro", welches neben 5 Dart- auch 2 Geldspielautomaten aufwies.

Für uns war das Glücksspiel neu, es hatte schon etwas Verruchtes, doch gleichzeitig bot es auch jede Menge Reize.

Wir bildeten eine Clique und wir sahen uns selbst der Gilde der "Zocker" zugehörig. Wir waren jung und wir waren unerfahren. Wir wussten es nicht besser.

Selbst als ich meinen Eltern sagte, dass ich ein "Zocker" wäre und ihre erschrockenen Gesichter erblickte, beirrte mich das nicht.

Doch die Zeiten wandeln sich nun mal. Die Clique war ich irgendwann alleine. Ich hatte immer dutzende Bekannte, doch Freunde waren bei mir immer rar gesät. Das, was nun folgte, das waren keine Freunde mehr, es waren Zockerkumpane.
Das für Zocker typische Verhalten, welches ich heute bei Helmut sehe, das hatte ich früher auch drauf und es war mir gar nicht bewusst. Selbst wenn es mir auffiel, so legte ich es doch nicht ab. Was blieb mir denn, wenn ich mein Zockerdasein aufgegeben hätte? Wollte man mir wirklich diesen letzten Strohhalm auch noch nehmen?
Ich gehörte dazu ... wir hatten Spaß ... was kümmerte uns das Morgen?

Heute verbinde ich mein Zockerdasein von einst mit einem "dunklen Zeitalter". Ich will heute kein Zocker mehr sein. Mein Dasein war ein Gefängnis, aus dem ich nie ausbrechen wollte, weil es mir scheinbar darin gut ging. Die Betonung liegt aber auf scheinbar. Ich habe erkannt, dass ich mir damit am meisten schade.
Das Aufgeben des Zockerdaseins war trotzdem nicht einfach. Es war aber trotzdem machbar. Ich habe mich dabei mehr als einmal selbst überrascht.

Trotz alledem bin ich der, der ich heute bin, weil diese Ära auch zu meinem Leben gehört. Manchmal werde ich wehmütig, was ich damals alles so angestellt hatte, um meine Sucht zu befriedigen. Doch meine Abstinenz gehört zu meinem Leben. Und dies empfinde ich so erfreulich, dass ich sie gerne weiter ausbauen werde, so es die Umstände und auch ich es zulassen werde.

Wie ist das gerade bei Dir?
Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Wir danken dem AOK Bundesverband für die Finanzierung des technischen Updates dieses Forums