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Ganz unten angekommen und endlich aufgewacht

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Ganz unten angekommen und endlich aufgewacht
« am: 09 Januar 2026, 17:49:13 »
Hi Ihr Lieben Leidensgenossen/innen,

Ich möchte mich euch offenbaren und hoffe von euch insbesondere seelische Unterstützung zu bekommen, denn in den letzten Tagen nach dem erwachen, sehe ich wirklich schwarz für mein Leben und meine Zukunft.

Also begonnen hat alles vor 3 Jahren mit der Geburt meines Sohnes und dem Drang finanziell besser dazustehen. Ich bin 30 Jahre alt und mittlerweile 40.000€ in der Kreide. Für Glücksspiel hatte ich immer schon eine Neigung, aber hatte es immer im Griff. Dann ist innerhalb von 2 Jahren mein Vater sehr plötzlich gestorben, meine Mutter an Krebs erkrankt und meine Freundin und Mutter meines Sohnes hat sich von mir getrennt, da ihr das Leben mit Kind und mir zu viel wurde bzw. Emotional nicht mehr in der Lage war, etwas für die Beziehung zu machen. Ich habe immer gedacht, ich kann das alles irgendwie alleine verarbeiten und habe nie wirklich mit jemanden darüber gesprochen wie traurig mich das alles gemacht hat und welche Zukunftsängste sich durch das alles in mir entwickelt haben, bzw. habe ich es selber lange verdrängt mit kurzfristigen Ablenkungen und gut gelernt meine Gefühle vor mir selbst und allen anderen zu verstecken. In dieser Zeit habe ich leider öfter versucht mit Glücksspiel Glückshormone zu bekommen, und habe insbesondere beim Derivatehandel sehr gierig und mit FOMO agiert. Naja schlussendlich bin ich vor knapp einer Woche mental so am Boden gewesen, dass ich es meinen 2 besten Freunden und meiner Mutter und ihrem Partner alles gebeichtet habe. Alle sind natürlich aus allen Wolken gefallen, haben mir aber keine vorwürfe gemacht und mir gesagt, dass sie für mich da sind und mich bei dem nun bevorstehenden Weg mental unterstützen. Ich habe es mir vor lauter Scham nie getraut den Mund aufzumachen, aber bin froh es nun geschafft zu haben, auch wenn mir erst jetzt dadurch bewusst wurde was ich mir und meinem Sohn angetan habe. Meinen Sohn habe ich jede zweite Woche bei mir und es war immer mein größter Wunsch eine funktionierende Beziehung für ihn mit seiner Mutter führen zu können, da ich mit 7 Jahren selbst Trennungskind wurde und mir nichts mehr gewünscht habe, als dies meinem Sohn zu ersparen. Naja, nun bleibt mir nur mein mich recht stark fordernder Job mit Personalverantwortung und der Aussicht die nächsten 10 Jahre kaum irgendwas für mich leisten zu können und mir wird schlecht und schwindelig sobald ich Zuviel darüber nachdenke, was leider sehr sehr oft vorkommt. Ich habe Horrorszenarien in meinem Kopf, wenn ich daran denke was passieren würde, sollte mein Auto nun kaputt gehen oder irgendwas anderes spontan ersetzt werden müssen, da ich mich finanziell so sehr ruiniert habe.

Ich habe wirklich komplett blind gehandelt und diese ganze scheiße hauptsächlich innerhalb der letzten 4/5 Monate produziert. Ich habe es nach den ersten 10k nicht mehr aus Lust und Laune gemacht, sondern unter Panik und in der Hoffnung irgendwie aus diese abwärtsspirale rauszukommen, was richtig dolle schief gegangen ist.

Nun bin ich alleine, fühle mich wie der aller allerletzte Dreck und sehe kaum noch Hoffnung jemals mal wieder halbwegs finanziell stabil zu werden. Ich habe meinem Sohn gegenüber so große Schuldgefühle, dass ich ihm dadurch eventuell nicht den „Luxus“ bieten kann, den ich mir immer für ihn gewünscht habe. Ich selbst bin mir mittlerweile egal geworden und gebe mich nur nicht auf, da ich ihm und meinem Umfeld das niemals antun könnte, aber es verlangt mir viel Kraft ab, das hätte ich nie gedacht. Wie kann ich mir das jemals alles nur selbst verzeihen?
Ich habe mich komplett ruiniert und der Selbsthass ist nur schwer zu überstehen. Ich war vor einigen Jahren noch der positivste und zufriedenste und motivierendste Mensch den ich kannte, und nun erkenne ich mich selbst nicht mehr. Ich habe so verantwortungslos gehandelt und kann es nicht nachvollziehen, wie ich nur so unbedacht handeln konnte. Verlangen zu spielen habe ich garnicht, auch wenn ich mich trotzdem ohne Fragen und definitiv als spielsüchtig bezeichne und auch ohne Therapie oder SHG da langfristig nicht rauskomme, ich habe nur irgendwie versucht schadensbegrenzung zu betreiben und dabei immer mehr Mist gebaut.

Was könnt ihr mir empfehlen, wie kann ich das alles mental besser verarbeiten und lernen mich mit dieser Situation nun abzufinden. Privatinsolvenz wäre der letzte ausweg, natürliche erst möglich, sobald eine Therapie abgeschlossen wäre, aber ich möchte das eigentlich nicht und mich selbst daraus arbeiten mit einkommenssteigerungen und nebenjobs wenn ich den kleinen nicht habe, aber ein berufsbegleitendes Studium habe ich auch noch an der Backe und bin ehrlich gesagt mit meinem Leben einfach nur noch überfordert.


Ich habe in den letzten Wochen nahezu jeden Artikel hier gelesen und auch im schuldnerfoum sehr viel mitgelesen.

Ich habe den allergrößten Respekt für euch alle und hoffe auf viele neue Bekanntschaften, von denen ich hoffentlich bessere mentale Stabilität erlangen kann und nützliche Tipps mitnehmen kann, wie ich mit meinem Leben und mit mir besser zurecht kommen kann.

Lasst mich wissen, was euch evtl. noch interessiert und von heute an, möchte ich mich gerne langfristig in diesem Forum einbringen, um eventuell ähnliches Leid anderen etwas ersparen zu können.

Beste Grüße.






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Offline Olli

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Re: Ganz unten angekommen und endlich aufgewacht
« Antwort #1 am: 09 Januar 2026, 18:41:05 »
Hallo und willkommen!

Egal was ab heute noch so alles passiert, Dein Sohn wird sicherlich irgendwann in die Vergangenheit blicken und sich sagen: Ich bin stolz auf meinen Papa!

Weisst Du wieso? Weil Du handelst! Weil Du nun endlich aktiv geworden bist. Bei den meisten Spielern braucht das Jahre, bei mir sage und schreibe 20.

Da ich nicht weiss, wie lange ich noch fürs Schreiben benötige, hier schon einmal vorweg, damit ich es nicht vergesse: Installiere Dir den kostenlosen Zoom-Client und komme morgen abend um Punkt 19 Uhr ins Webmeeting, indem Du auf den Link in meiner Signatur klickst. Ich bin auf´m Sprung ...

Manche Zufälle sind schon komisch ... da schaue ich mir Videos auf YT an und da wird das Grübeln kurz angerissen. Ich selbst mache es gerade beim Thema Straßenbau und auch hier im Forum bist Du jetzt nicht der Erste, der davon berichtet.
Was dahinter steckt ist ganz einfach: Du suchst Sicherheit und gehst alle möglichen Varianten durch, was Du in Deiner eigentlichen Hilflosigkeit sagen oder wie handeln könntest. Es kommt aber immer anders, als man selbst denkt.
Ich werde also morgen auf das Schreiben der Kommune so reagieren, dass ich mir ein Parteiengutachten schnappe und parallel dazu meine Argumentation zu Papier bringe. So habe ich immer alles auf einen Blick parat und werde dies dem Planungsausschuss am 21. präsentieren. Sollte dies nichts bringen, dann muss ich auf den Leistungsbescheid warten, um dann die komplette Angelegenheit in die Hände eines Anwalts zu geben. Ich kann noch nicht sagen, ob ich mich wirklich heraushalten kann, wenn nicht, dann muss ich darauf achten halbwegs ausgeglichen zu bleiben.

Wenn ich sehe, was Du hier an "Gründen" für emotionale Belastungen angibst, dann ist das schon schwerer Stoff. Hattest Du vorher schon mal Verluste erlebt und wie seid ihr als Familie damit umgegangen? Gab es vielleicht einen Lernprozess im Umgang mit den negativen Gefühlen? Wahrscheinlich nicht, nicht wahr? Der Mensch möchte aber nicht permanent in negativen Gefühlen verweilen. Er sucht sich einen Ausgleich! Leider war die Wahl nicht so prickelnd für Dich! Dies möchtest Du nun ändern.

Beweist es nicht wieder einmal die Aussage: Wir sind weitaus mehr als unsere Sucht!

Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)
Hier geht es zum Samstagsmeeting_ https://us02web.zoom.us/j/87305340826?pwd=UnFyMlB6bkwyTHU3NGVISWFGNSs2

Re: Ganz unten angekommen und endlich aufgewacht
« Antwort #2 am: 09 Januar 2026, 20:03:30 »
Hallo Olli, vielen Dank für deine Antwort und deine Perspektive. Ich drücke dir die Daumen bzgl. Deiner Angelegenheit mit dem Straßenbau und bin mir sicher du wirst es bestmöglich handhaben.

Das Angebot mit dem Zoom-Meeting nehme ich gerne in Anspruch, nur morgen 19 Uhr werde ich meinen sohnemann ins Bettchen bringen, da könnte ich erst später hinzustoßen.

Und Ja, diese fortlaufenden Negativ-Events mit derartigen Verlusten haben mich gebrochen ohne das ich es wahr haben wollte - vorher hatte ich mit Verlusten oder Todesfällen nie wirklich Berührung.
Ja meine Unfähigkeit damit richtig umzugehen kommt mir nun Teuer zu stehen, aber es ist der Beginn eines neuen Lebens. Und in diesem Leben werde ich mich nicht mehr selbst belügen und die Zeit dafür nutzen, meine Fehler gut zu machen - in erster Linie für meine Nahestehenden und meinen Seelenfrieden und es wird dauern bis ich mir selbst wieder vertrauen kann, bzw. mich selbst wieder mit mir alleine wohlfühlen werde, aber es wird hoffentlich jeden Tag ein ganz kleines bisschen besser werden.
Ich danke dir und euch allen hier, durch eure Erfahrungen und Geschichten und Anteilnahme lerne ich eine andere Seite unserer Gesellschaft kennen in der mich identifizieren kann und welche leider viel zu sehr in der Öffentlichkeit verschwiegen und überspielt wird.

Re: Ganz unten angekommen und endlich aufgewacht
« Antwort #3 am: 09 Januar 2026, 21:16:48 »
Moin Lonellio,
auch von mir ein herzliches Willkommen.

Diese völlige Verzweiflung kennen wohl recht viele hier.
Meist ist das ein guter Ansatzpunkt, das Leben umzukrempeln und durchzustarten in eine spielfreie Zukunft.

Nutze den Elan und leite notwendige Dinge direkt in die Wege.
Kümmere dich um eine Selbsthilfegruppe und / oder Gesprächstermine zum Beispiel bei der Caritas.

Auf jeden Fall bist du es, der etwas machen muss. Und zwar jetzt.
Das kann dir niemand abnehmen.

Schön dass du es jetzt angehst

Re: Ganz unten angekommen und endlich aufgewacht
« Antwort #4 am: 09 Januar 2026, 23:17:17 »
Hallo FredHH,

Vielen Dank für deine Antwort.

Ja, das wird nun endgültig der Wendepunkt für mich und nichts anderes wird mehr zugelassen meinerseits, lange genug habe ich mich selbst belogen bzw. es einfach verdrängt ohne mich mal intensiv dazu mit mir selbst auseinanderzusetzen.

Ich musste mich nur endlich bei jemanden dazu öffnen, gegenüber meinen Nahestehenden, habe ich es leider viel zu lange nicht getan und das bereue ich am meisten denke ich. Diese Schwäche es nicht früher zugegeben zu haben, bzw. habe ich es leider selbst nicht früh genug erkannt, welche Anziehung dies in sehr verwundbaren Lebenslagen auf mich haben kann und daher vermutlich auch sehr gut verbergen können. Den Preis dafür zahle ich jetzt und muss daraus stärker hervorkommen als zuvor.

Nun werde ich den maximalen Schwung dieses Gefühlchaos und Selbsthasses so positiv wie nur möglich umwandeln und effektiv alles nur Mögliche zur Heilung und Prävention und Verarbeitung dessen unternehmen.

Diese Positivitöt erhalte ich zusätzlich durch Feedback von Menschen wie hier bzw. den Kontakt, insbesondere mit denen die ähnliches selbst durchlebt haben.

Daher bin ich für jede Antwort und Beitrag extrem dankbar und habe am meisten verlernt in der Zeit, wie wichtig der Austausch mit anderen Menschen zu vorallem solchen Themen ist.

Ich wünsche einen angenehmen Start in das Wochenende.

LG

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