Hi Ihr Lieben Leidensgenossen/innen,
Ich möchte mich euch offenbaren und hoffe von euch insbesondere seelische Unterstützung zu bekommen, denn in den letzten Tagen nach dem erwachen, sehe ich wirklich schwarz für mein Leben und meine Zukunft.
Also begonnen hat alles vor 3 Jahren mit der Geburt meines Sohnes und dem Drang finanziell besser dazustehen. Ich bin 30 Jahre alt und mittlerweile 40.000€ in der Kreide. Für Glücksspiel hatte ich immer schon eine Neigung, aber hatte es immer im Griff. Dann ist innerhalb von 2 Jahren mein Vater sehr plötzlich gestorben, meine Mutter an Krebs erkrankt und meine Freundin und Mutter meines Sohnes hat sich von mir getrennt, da ihr das Leben mit Kind und mir zu viel wurde bzw. Emotional nicht mehr in der Lage war, etwas für die Beziehung zu machen. Ich habe immer gedacht, ich kann das alles irgendwie alleine verarbeiten und habe nie wirklich mit jemanden darüber gesprochen wie traurig mich das alles gemacht hat und welche Zukunftsängste sich durch das alles in mir entwickelt haben, bzw. habe ich es selber lange verdrängt mit kurzfristigen Ablenkungen und gut gelernt meine Gefühle vor mir selbst und allen anderen zu verstecken. In dieser Zeit habe ich leider öfter versucht mit Glücksspiel Glückshormone zu bekommen, und habe insbesondere beim Derivatehandel sehr gierig und mit FOMO agiert. Naja schlussendlich bin ich vor knapp einer Woche mental so am Boden gewesen, dass ich es meinen 2 besten Freunden und meiner Mutter und ihrem Partner alles gebeichtet habe. Alle sind natürlich aus allen Wolken gefallen, haben mir aber keine vorwürfe gemacht und mir gesagt, dass sie für mich da sind und mich bei dem nun bevorstehenden Weg mental unterstützen. Ich habe es mir vor lauter Scham nie getraut den Mund aufzumachen, aber bin froh es nun geschafft zu haben, auch wenn mir erst jetzt dadurch bewusst wurde was ich mir und meinem Sohn angetan habe. Meinen Sohn habe ich jede zweite Woche bei mir und es war immer mein größter Wunsch eine funktionierende Beziehung für ihn mit seiner Mutter führen zu können, da ich mit 7 Jahren selbst Trennungskind wurde und mir nichts mehr gewünscht habe, als dies meinem Sohn zu ersparen. Naja, nun bleibt mir nur mein mich recht stark fordernder Job mit Personalverantwortung und der Aussicht die nächsten 10 Jahre kaum irgendwas für mich leisten zu können und mir wird schlecht und schwindelig sobald ich Zuviel darüber nachdenke, was leider sehr sehr oft vorkommt. Ich habe Horrorszenarien in meinem Kopf, wenn ich daran denke was passieren würde, sollte mein Auto nun kaputt gehen oder irgendwas anderes spontan ersetzt werden müssen, da ich mich finanziell so sehr ruiniert habe.
Ich habe wirklich komplett blind gehandelt und diese ganze scheiße hauptsächlich innerhalb der letzten 4/5 Monate produziert. Ich habe es nach den ersten 10k nicht mehr aus Lust und Laune gemacht, sondern unter Panik und in der Hoffnung irgendwie aus diese abwärtsspirale rauszukommen, was richtig dolle schief gegangen ist.
Nun bin ich alleine, fühle mich wie der aller allerletzte Dreck und sehe kaum noch Hoffnung jemals mal wieder halbwegs finanziell stabil zu werden. Ich habe meinem Sohn gegenüber so große Schuldgefühle, dass ich ihm dadurch eventuell nicht den „Luxus“ bieten kann, den ich mir immer für ihn gewünscht habe. Ich selbst bin mir mittlerweile egal geworden und gebe mich nur nicht auf, da ich ihm und meinem Umfeld das niemals antun könnte, aber es verlangt mir viel Kraft ab, das hätte ich nie gedacht. Wie kann ich mir das jemals alles nur selbst verzeihen?
Ich habe mich komplett ruiniert und der Selbsthass ist nur schwer zu überstehen. Ich war vor einigen Jahren noch der positivste und zufriedenste und motivierendste Mensch den ich kannte, und nun erkenne ich mich selbst nicht mehr. Ich habe so verantwortungslos gehandelt und kann es nicht nachvollziehen, wie ich nur so unbedacht handeln konnte. Verlangen zu spielen habe ich garnicht, auch wenn ich mich trotzdem ohne Fragen und definitiv als spielsüchtig bezeichne und auch ohne Therapie oder SHG da langfristig nicht rauskomme, ich habe nur irgendwie versucht schadensbegrenzung zu betreiben und dabei immer mehr Mist gebaut.
Was könnt ihr mir empfehlen, wie kann ich das alles mental besser verarbeiten und lernen mich mit dieser Situation nun abzufinden. Privatinsolvenz wäre der letzte ausweg, natürliche erst möglich, sobald eine Therapie abgeschlossen wäre, aber ich möchte das eigentlich nicht und mich selbst daraus arbeiten mit einkommenssteigerungen und nebenjobs wenn ich den kleinen nicht habe, aber ein berufsbegleitendes Studium habe ich auch noch an der Backe und bin ehrlich gesagt mit meinem Leben einfach nur noch überfordert.
Ich habe in den letzten Wochen nahezu jeden Artikel hier gelesen und auch im schuldnerfoum sehr viel mitgelesen.
Ich habe den allergrößten Respekt für euch alle und hoffe auf viele neue Bekanntschaften, von denen ich hoffentlich bessere mentale Stabilität erlangen kann und nützliche Tipps mitnehmen kann, wie ich mit meinem Leben und mit mir besser zurecht kommen kann.
Lasst mich wissen, was euch evtl. noch interessiert und von heute an, möchte ich mich gerne langfristig in diesem Forum einbringen, um eventuell ähnliches Leid anderen etwas ersparen zu können.
Beste Grüße.