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Yamans Geschichte

Begonnen von Yaman, 09 Juni 2026, 22:10:09

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Hallo zusammen,
ich lese seit einiger Zeit still die Beiträge der anderen mit und habe den Entschluss gefasst jetzt auch mal meine Geschichte aufzuschreiben.
Ich bin 26 Jahre alt und in einem halben Jahr fertig mit meinem Lehramtsstudium.
Angefangen mit dem Spielen habe ich vor ca. 10 Jahren. Damals noch mit sehr kleinen Beträgen und gelegentlich mit Fruenden in Spielotheken oder Online. Die erste Erinnerung die ich allerdings mit dem Glücksspiel habe ist schon länger her. Da war ich noch relativ jung und mein Vater erstelle mir mir Wettscheine und ging dann ins Wettbüro um sie einzulösen. Da fang meine Faszination mit dem Ganzen an.

Mit der Zeit spielte ich immer mehr und gewann teilweise auch höhere Beträge, aber verspielte mit der Zeit die Gewinne. Zu dem Zeitpunkt hatte ich aber auch nicht so viel Geld um die Spielerei zu finanzieren.

Irgendwann kam es dazu, dass ich mich bei OASIS sperren lassen habe, was mir zu dem Zeitpunkt und bis heute sehr gut getan hat.
Trotzdem hörten die Sportwetten immer noch nicht komplett auf. Vor allem in der Corona Zeit wurde es exzessiver und spielte bei vielen nicht linzenzierten Casinos.
Da ich teilweise wirklich die Kontrolle verlor und viel Geld in kurzer Zeit verspielte, weihte  ich irgendwann meine Freundin ein. Sie wusste zu dem Zeitpunkt schon ein bisschen Bescheid, aber ich bat sie explizit darum meine Überweisungen und Finanzen irgendwie zu kontrollieren. Das Ganze sah dann so aus, dass sie von meiner Banking App den Pin für Überweisungen bestimmte.
Außerdem legten wir ein gemeinsames Konto an und der größte Teil meiner Einnahmen geht größtenteils über das Konto.
Ich habe bis heute nicht von diesem Konto Geld in Online Casinos eingezahlt.
Die Maßnahmen haben also relativ gut geholfen und ich konnte auch psychisch alles besser aufarbeiten und mir einen gesunden Lifestyle aufbauen.
Ich würde mich mittlerweile als sehr diszipliniert einschätzen. Die "süchtige" Ader in mir konnte ich gut in meinen Sport stecken. Ich mache täglich 1-2 mal Sport in Form von Laufen oder Krafttraining und das seit über 1,5 Jahren jetzt.

Das Problem ist nur, dass ich bis jetzt immernoch nicht ganz vom Spielen los bin.
Ich habe auch schon längere Phasen ohne zu Spielen geschafft so 2-4 Monate immer mal wieder. Irgendwann fand ich heraus, dass einige Casinos auch Paysafecard als Einzahlung anbieten. Das ganze konnte ich dann mit meinem Paypal und oft mit dem Bezahlen nach 30 Tagen finanzieren. Aus diesem Grund hatte ich in den letzten 1-2 Jahren alle paar Monate wieder Rückfälle und ich frage mich wann endlich mal der letzte Vorfall auftritt. Der nächste und hoffentlich letzte Schritt wird jetzt sein mein Paypal konto zu sperren, dazu muss ich noch etwas warten, bis ich die Bezahlen nach 30 Tagen Transaktionen abbezahle.
Ich konnte mir die letzten 2 Jahre immer mal wieder was beiseite legen, was aber nie lang gehalten hat und jetzt nach dem Rückfall auch schon wieder weg ist.
Nichtsdestotrotz komme ich immer besser mit den Rückfällen zurecht und es schmerzt mit weniger am Geld, als dass ich meinen Vorsatz breche und meine Zeit verschwende.
Mir ist aufgefallen, dass die Phasen wo ich schwach werde, oft gute Lebensphasen sind wo vieles gut läuft. Irgendwas in meinem Kopf denkt dann, dass es gut wäre sich mal was zu "gönnen" was nur dazu führt, dass die gute Phase zerstört wird und ich mein erspartes Geld verspiele.
Und oft sind es Situationen bei denen ich aus der Routine komme durch Feiertage, Krankheit etc.
Ich hoffe durch das Reflektieren meiner Rückfälle fällt es mir in Zukunft einfacher sofort zu handlen, wenn sich etwas anbahnt.
Auch hoffe ich, dass ich durch das Aufschreiben und Teilen meiner Situation noch mehr Klarheit kriege und das der letzte Schritt Richtung endgültige Abstinenz ist.
Oder brauche ich dafür doch eine Therapie?

Yaman

Hallo Yaman ,
ich bin noch recht neu hier , daher kommen von mir noch keine guten Tipps , dafür sind andere zuständig 😉

Trotzdem möchte ich ein paar Worte hier lassen .
Erstmal Willkommen hier im Forum !

Ob du eine Therapie brauchst , kann dir wahrscheinlich niemand beantworten, aber was spricht dagegen? Sich Hilfe zu holen kann nie falsch sein, würde ich sagen.

Du willst dir durch das Sperren deines Paypalaccounts , die Möglichkeit zum Spielen nehmen - das hört sich erstmal gut und sinnvoll an.
Wenn du die "In 30 Tagen Zahlungen" jetzt noch nicht begleichen kannst und dadurch noch Warten musst , bis du den Account löschen kannst , würde ich dir empfehlen , deine Zugangsdaten an deine Freundin zu übergeben.
Sie soll das Passwort ändern und kann dann nach den letzten Buchungen das Konto dort schließen .
30 Tage können lang werden , wer weiß , ob dein Suchtteufel nicht vorher nochmal versucht zuzuschlagen .


Ich wünsch dir alles Gute für deinen Weg und werde diesen hier gerne verfolgen !
Wer immer tut, was er schon kann ,
 bleibt immer das, was er schon ist .

Hallo und willkommen Yaman!

Deine letzte Frage klingt ein wenig verkrampft, kann das sein? Nun, ich habe auch keine Therapie gemacht und bin bald 2 Jahrzehnte spielfrei. Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich mir die Suche nach dem Warum dadurch auch deutlich erschwert habe. Aus heutiger Sicht würde ich, könnte ich in der Zeit zurück reisen, mir selbst raten: Mache eine Therapie!
All meine damaligen Wiederstände beruhten auf der Tatsache, dass mein Selbstwert so tief im Keller war. Ich befürchtete, mit den Erkenntnissen eines Profis mein grottenschlechtes Selbstbild bestätigt zu bekommen. Damit haben mich meine Ängste eindeutig blockiert.
Mittlerweile habe ich so einige Therapeuten kennengelernt und meine Scheu verloren, daher auch mein Sinneswandel.

Vielleicht betrachtest Du eine Therapie oder einen SHG-Besuch eher als Unterstptzung Deines Vorhabens, ein erfülltes und spielfreies Leben zu führen?
Nun, Du weisst, was es für Schmerzen bringt, wenn Du spielst. Die Vorwürfe, die Einschränkungen ... aber Du tust es trotzdem. Muss es da nicht etwas geben, was für Dich so positiv besetzt ist, dass Du das alles in dem Moment vergisst?

ZitatMir ist aufgefallen, dass die Phasen wo ich schwach werde, oft gute Lebensphasen sind wo vieles gut läuft. Irgendwas in meinem Kopf denkt dann, dass es gut wäre sich mal was zu "gönnen" was nur dazu führt, dass die gute Phase zerstört wird und ich mein erspartes Geld verspiele.
Und oft sind es Situationen bei denen ich aus der Routine komme durch Feiertage, Krankheit etc.

Was ist denn "Langeweile" für Dich? Ist es nicht die Phase, wo Du mal nicht beschäftigt bist und Du dadurch mit Dir selbst beschäftigst bist? Mit Deinen Gedanken und auch Gefühlen?
Teste es doch mal aus ... "Begeben Sie sich sofort in Langeweile, bewegen Sie sich nicht über anderweitige Beschäftigungen und ziehen Sie keine Ablenkung ein ..." - eine moderne "Gefängniskarte". Achte einmal darauf, was da in Dir los ist.

Langeweile ist nichts Schlimmes. Sich seinen Gedanken und Gefühlen hinzugeben ist kein Teufelswerk! Manchmal fehlt einfach die Erfahrung im Umgang mit uns selbst.

So wurde ich z.B. getrichtert, dass man nur etwas "wird", wenn man die Fingerchen gehen lässt. Sprich: sei fleissig und nicht etwa müßig! Und so knallte ich mir meine Zeit so voll, dass eben für die Muße keine Zeit mehr blieb. Als ich dann in der Halle oder Kneipe vorm Automaten saß, da machte ich damit nichts anderes. Ich lebte den Stress ...

Heute erlaube ich mir die Langeweile. Lasse sie zu und gehe meinen Gedanken nach. Sollen sie doch ruhig einmal verquer sein und meine Emotionen bedienen. Sie gehören mir alleine. Wenn ich z.B. an das Suchtgedächtnis denke, dann sind dies Erinnerungen, die aufkommen, wenn ich Sinneswahrnehmungen erhalte, die mit meiner Glücksspielzeit verknüpft sind. Das heisst aber noch lange nicht, dass ich nun auch spielen will.
Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

#3
Hallo Yaman
willkommen in unserem Forum und Glückwunsch zu dem Entschluss herzukommen und zu deiner Freundin.
Eure gute Beziehung verhilft dir zu der Erkenntnis, dass du es schaffst,
Über einige Zeiträume -2 bis 3 Monate immerhin- nicht zu spielen.

Wenn du es jetzt schaffst, ihr zu erzählen, dass du sie zwischendurch austrickst und illegal spielst, wäre das ein weiterer Schritt nach vorn für dich.
Denk darüber bitte gründlich nach. Tust du es nicht - und sie kriegt es selbst raus - fühlt sie sich veräppelt, verliert wahrscheinlich die Achtung vor dir (wer wird schon gern angelogen?) und du verspielst die Beziehung auf kurz oder lang.
Alles Gute!
Ilona

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Bluesky@gluecksspielsucht.bsky.social

Hallo Yaman!

Mir kommt das extrem bekannt vor. Wenn es mir gut geht im Leben, egal, was der Grund dafür sein mag, bin ich anfälliger für die Sucht. Fast so, als ob ein kleiner Junge in meinem Kopf oder in meiner Seele sagen will, zerstör das wieder. "Das hast du nicht verdient."

Ich verstehe es bis heute nicht vollständig, aber das Kind in dir meldet sich ein Leben lang. Egal, wie alt du bist.

Ich freue mich schon auf deinen nächsten Eintrag hier,
Markus
La vita e bella...

Hallo ihr Lieben,

erstmal vielen Dank für eure Eindrücke und Kommentare. Leider ist es nicht bei dem einen Rückfall geblieben. Eine Woche später habe ich wieder Geld eingezahlt und auch gewonnen und dann innerhalb einer Woche verspielt.
Es ist sehr frustrierend das Ganze nochmal durchmachen zu müssen.
Ich wünschte die Emotionen von Selbsthass nach dem es vorbei ist, könnte ich immer wieder hervorrufen, sodass ich nie mehr wieder zocke. Aber so einfach ist es nicht.

Jetzt wird wieder von neu angefangen.
Und ich schau mal was sich hinsichtlich einer Therapie machen lässt.

Hallo Yaman ,
was hast du in den letzten 10 Tagen verändert ? Hast du mit deiner Freundin gesprochen? "Von alleine" passiert leider nicht viel .
Wie wäre es , wenn du nächsten Samstag in die Online-SHG kommst ?
Der Austausch dort könnte dir gut tun.
Wer immer tut, was er schon kann ,
 bleibt immer das, was er schon ist .

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