ONLINE-Selbsthilfegruppe | Samstags von 19 Uhr bis 21 Uhr

Die Sucht, die nicht besiegt werden kann - Oder doch?

Begonnen von NRWler1988, 28 Januar 2026, 19:18:54

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Hallo Zusammen,

ich war bereits häufig stiller Mitleser, habe für mich selbst erkannt, dass es mittlerweile an der Zeit ist, Dinge nachhaltig und für immer zu verändern - in der Hoffnung, dass dies überhaupt möglich ist.

Ich weiss nicht, wie ich anfangen soll, da ich nie in meinem Leben Tagebuch geschrieben habe und auch von therapeutischen Maßnahmen wie z.B. Psychologen nichts gehalten haben - Rückblickend betrachtet gewiss ein Fehler. Glücksspiel ist vermutlich gar nicht das Problem in mir, sondern eher die Spitze des Eisbergs - Das wahre Problem liegt vermutlich tiefer.

Zu mir: ich bin 37 Jahre alt, Vater einer Tochter. Doppelt getrennt (dazu im Verlauf mehr).


Mit ca. Anfang 20 begann meine "Karriere" als Spieler. Erst aus Spaß - mal 20 Euro in der Kneipe, mal 10 Euro online. Einfach nur aus Spaß - relativ schnell wurde aber daraus bitterer Ernst: Finanziell war ich zu diesem Zeitpunkt nicht auf Rosen gebettet und habe versucht, dies durch Gewinne zu verbessern. Hat natürlich nicht geklappt - Der Teufel hat trotzdem weiter zugeschlagen.

Mitte 20 habe ich meine spätere Ehefrau und die Mutter meiner Tochter kennen gelernt, anfangs tolerierte sie das Spielen - Allerdings auch nur deshalb, weil ich das krankhafte Verhalten und die wahren Ausmaße verschwiegen habe. Mit den Jahren, spätestens mit der Geburt unserer Tochter verschwieg ich das Thema Glücksspiel vollkommen, alles lief heimlich - meist am Handy - ab.
Auch wenn ich nach außen für viele Menschen wie ein Eisblock wirkte, so sieht es in mir komplett anders aus: ich denke über vieles nach, habe viele Ängste und zweifel stark an mir selbst. Für außenstehende Menschen - selbst Personen meines engeren Umfelds - will ich das allerdings verheimlichen und verstecken.
Ein kritischer Gesundheitszustand meiner Tochter, der Kriegsbeginn in der Ukraine, durch den ich das Gefühl hatte, "Weltschmerz" auf mir zu haben, waren letztendlich das Gemisch, das dazu führte, dass nur noch das Spielen mich abgelenkt hat. Dies nahm dann Ausmaße an, durch die auch massiv Schulden aufgebaut habe.
Ende 2024 fiel meine Lügengerüst in sich zusammen: Ein Brief vom Gericht, Teilnahme an illegalem Glücksspiel. Ich musste und wollte reinen Tisch machen: Habe mit meiner Frau gesprochen und ihr und mir geschworen dem Glücksspiel abzuschwören. Der Wille war derart groß, dass es ohne jegliche außenstehende Hilfe geklappt hat - für meine Frau, für meine Tochter, aber auch für mich und meine Finanzen.
Online war ich überall gesperrt, OASIS-gesperrt sowieso.

So weit - so heil. Ich war endlich glücklich, ich war frei. Ich konnte endlich wieder frei und selbstbestimmt leben.

Nicht nur diese Sache, aber unter anderem diese Sache, hat allerdings die Ehe in dem Abgrund getrieben. Ich habe eine neue, tolle Frau kennen gelernt, ihr von all meinen Problemen der Vergangenheit erzählt.

Im Sommer 2025 folgte der Auszug aus der ehelichen Wohnung.
Auch wenn ich es nicht kommen befürchtet hatte, war der Spielteufel sofort wieder da. Mit dem Tag des Auszugs, waren die Gedanken und das Verlangen sofort wieder da. Anfangs konnte ich wiederstehen, es ging ja auch nicht: OASIS sei dank, mit dem Gesetz wollte ich auch nicht nochmal in Konflikt kommen.
Leider fand ich sehr schnell eine Lösung, OASIS in verschiedenen Kneipen zu umgehen. Endlich konnte ich wieder spielen, endlich konnte ich alles vergessen. Die Leere der Wohnung, der Schmerz nicht mehr jeden Tag meine Tochter leibhaftig zu sehen - ich hatte endlich eine Möglichkeit, all das zu vergessen und zu verdrängen.
Die Treffen mit meiner Tochter habe ich jedes Mal wahr genommen, meine restliches Privatleben zerstört.

Verheimlichen musste und wollte ich es nur vor meiner neuen Freundin. Sehr oft habe ich sie auf übelste abgewiesen, sie jeglichen Frust über meine innere Wut des "wieder-Spielens" abbekommen lassen. Reden über mein Problem? Ging nicht, denn Gefühle zulassen und zeigen, zeigen ja Schwäche - Ein Witz, wenn ich darüber heute nachdenke.

Das Spielen war wieder das, was es schonmal war: mein Leben. Alles andere musste hinten angestellt werden - abgesehen von meiner Tochter.

Die gerade geheilten Finanzen gerieten wieder in Schieflage, dieses Mal aber auch gleich mein Arbeitsleben mit und mein restliches Privatleben.

Ein halbes Jahr ist es her und ich stehe - das sage ich bewusst in dieser Art des Selbstmitleids, denn darin kann ich mich zu all meinen anderen Problemen noch perfekt drin vergraben: Vor dem Trümmern meines Lebens.

Kontakt zu meinen Eltern?! Nicht mehr vorhanden
Kontakt zu Freunden?! Nicht mehr vorhanden
Meine Freundin? Verloren...zu groß waren meine emotionalen Ausbrüche - Wut, Abweisung und was der innere Druck des Spielens nicht noch so für schlechte Eigenschaften hervorbringt.


Ich kann nicht drum herum reden: Das Spielen ist mein Betäubungsmittel, nur so kann ich alles um mich herum ertragen. Aufhören würde ich gerne, aber zu groß ist die Angst: was mache ich mit meinem Leben? Wie soll ich es überhaupt gestalten?   

Geöffnet in Hinblick auf meine Spielsucht habe ich mich meiner - nun, wie sollte es anders enden - Ex-Freundin, meiner großen Liebe - Hilfe würde ich sicherlich bekommen können, aber zu groß ist meine Wut auf mich - nach all den Lügen Hilfe annehmen? Das wäre falsch.

Also bleibt mir nur eines: Diesen Beitrag schreiben, hoffen, dass es ein zweites Mal "Klick" macht.. Muss es "Klick" machen, wenn nur das Spielen es noch schafft, die Gedanken daran, wie es wäre, all dem Schmerz ein Ende zu setzen, verschwinden zu lassen? Ja...

To be continue...

Hi und herzlich willkommen!

Und wieder jemand Ende 30, der den Mut aufbringt zu "reden". Hier in einem Forum, geschützt in der wohligen Wärme der Anonymität. Hier kannst Du schreiben und Dich auch verdrücken, so wie es Dir beliebt. Dir schmeckt eine Antwort nicht, dann wird eben die Seite verlassen und das Handy in die Ecke gefeuert. Die Schamesröte in Deinem Gesicht sieht niemand. Mit der Wut auf Dich selbst bleibst Du alleine.

Ich sehe nicht nur in Deinem Geschriebenen die Vergangenheit - logisch, weil Du eben Deinen Werdegang beschrieben hast. Doch auch in Deinem Denken steckst Du in der Vergangenheit fest. Ändert sich dadurch irgendwas? Wohl kaum ...

Wenn Du hier fleissig mitgelesen hast, auch sporadisch, dann weisst Du, wo wir uns Samstags treffen. Zeige Gesicht und fange an im Jetzt zu leben. Du willst wissen, wer Du bist? Dann schnappe Dir das Internet und suche nach Eigenschaften, Du wirst schnell ein alphabetisch sortiertes Verzeichnis finden. Mache Dir eine Liste ... passt die Eigenschaft auf Dich? Siehst Du hier und da einen Punkt kritisch? Manche wischst Du in Gedanken einfach beiseite? Egal ... mache weiter.
Das Ganze wird eine schöne Zeitspanne dauern. Und weisst Du, was Du feststellen wirst? Du bist "komplex"! Du bist weit mehr als Deine Sucht!
Vielleicht bekommst Du eine Vertrauensperson ja auch dazu Dich zu beschreiben? Versuche es ...

Ich habe in meiner Familie auch nicht gelernt über Gefühle zu reden, doch das heißt doch nicht, dass das "Hänschen" das niemals lernt. Wenn Du es versuchen willst, dann musst Du eben auch damit anfangen. In der Gruppe kannst Du schnell die Scham ablegen. Wir wissen doch, wie es ist, in diesem Stadium zu sein. Uns brauchst Du das nicht erklären.

Von Peter K., einem psychologischen Psychotherapeuten, den ich schon auf mehreren Seminaren und Schulungen genießen durfte, zitiert regelmäßig: Das Rezept für Erfolg ist Tun!

Du bekommst das hin. Wir alle tragen das, was wir für eine Genesung benötigen, längst in uns selbst drin. Es braucht nur hervorgekitzelt zu werden. Das funktioniert prima schlicht über "andere Sichtweisen".

Also komme in die Gruppe. Und wenn Du Vertrauen gefunden hast, dann suche Dir eine reale Gruppe in Deiner Nähe, suche eine Beratungsstelle auf oder einen Therapeuten.

Keiner wird Dich verurteilen.
Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Hi NRWLER,

hmmm was dein Titel betrifft ,, Die Sucht, die nicht besiegt werden kann – oder?" - da kann ich mitreden. 

Also diesbezüglich dann mal zu den Fakten und aus meinen Werdegang.
Nein es war nicht immer leicht, und schnell verlassen möchte sie dich auch nicht, - aber ja es geht.

Ich habe selbst Jahrzehnte in dieser Sucht verbracht – und wenn ich eins was diese Sucht betrifft gelernt habe, solang du diese ausübst, wird sie dich Stück für Stück zerstören/auffressen/zerfressen...jeden Tag etwas mehr - und überwiegend nicht nur dich.

Das zweite –und  um deinen Titel mal zu beantworten: JA
sie ist definitiv nicht unbesiegbar!

Und noch etwas zu deinem Satz:  ,,Hoffen das es ein zweites mal klickt macht" 
Ich glaube nicht das es ein Klick braucht.
Also wenn du ein magischer Schalter suchst, dann bitteschön - allerdings kannst du da lange nach suchen, zumindest ich habe ihn nie gefunden.

Wie dem auch sei, bei mir war es auch kein ,,Klick" - einer Art der Erleuchtung  - und auch nicht sowas ähnliches.
Eher wie du in deiner momentane Lage – ein schmerzhaftes eingestehen, dass ich so nicht weiter machen kann.

Und genau deshalb,

Ja - die Sucht ist besiegbar – nicht durch einen Klick, sondern durch Schritte.
Kleine - manchmal etwas größere – wacklige – EGAL -  Hauptsache Schritte. 

Alles Gute für dich

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