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Spielsucht

Begonnen von Toppsle14, 20 Februar 2026, 07:36:14

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Hallo zusammen,

ich bin neu hier und möchte meine aktuelle Erfahrung teilen und um Hilfe bitten.

Aktuell bin ich seit zwei Wochen spielfrei und habe die Kontrolle über mein Bankkonto an meinen besten Kumpel abgegeben.

Ich bin schon sehr lange spielsüchtig und war immer offen gegenüber meiner Bank.
Bei meiner letzten Auszahlung kam die Bank auf mich zu und wollte wissen woher die Gutschrift kommt und ich habe ehrlich geantwortet "Na, DER Anbieter". Daraufhin kam die Antwort, dass das Glücksspiel auf der Seite illegal ist und zwei Tage später die Kündigung, dass alle meine Konten im April gekündigt werden, das Geld der Auszahlung hat die Bank bisher einbehalten. Muss ich mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen?
Freundliche Grüße

Die Frage wird öfters hier gestellt. Am Besten mal hier im Forum danach suchen.

Hi Toppsie!

Herzlich willkommen!

Nun, da brauche ich auf die PN ja gar nicht mehr antworten ... :)

Zu Deiner Frage ...

Zunächst einmal hast Du bei Deiner Bank gegen die AGB verstoßen, da Du illegales Glücksspiel betrieben hast. Die Kündigung ist also rechtens. Nun hängt es von der Bank ab, ob sie den Vorfall zur Anzeige bringen.
Was kann nun passieren, wenn sie es machen?
1. Du bekommst Post/wirst angerufen von der Polizei:
Nicht reagieren ... Du brauchst nicht bei Ermittlungen GEGEN Dich mithelfen. Und da Du kein Jurist bist, kannst Du Dir bei Antworten nur selbst schaden. Es kann sein, dass sie Dir erst einen Brief schicken und Dich dann irgendwann anrufen, damit Du nur "kurz" vorbeikommst, um etwas zu unterschreiben ...
Lasse es ... es ist eine Falle ...
2. Du bekommst Post von der Staatsanwaltschaft:
Du suchst Dir sofort einen Anwalt und besprichst mit ihm alles. Er wird Akteneinsicht verlangen und Dir sagen, dass Du den Mund zu halten hast. Den Termin musst Du - mit Anwalt - wahrnehmen!

Oft ist es in Strafsachen so, dass Unwissenheit nicht vor Strafe schützt. Dies ist im Glückaapielrecht anders! Hier braucht es den Vorsatz, um strafrechtlich belangt werden zu können.
Wenn Du z.B. vor Spielaufnahme wusstest, dass das Angebot illegal war, dann hast Du mit Vorsatz gehandelt.
In diesem Falle wäre eine Strafe angebracht. Wusstest Du es aber nicht, so gibt es keinen Vorsatz und damit auch keine Strafe.
Es gibt viele Fallstricke, mit denen Du Dich reinreißen kannst, selbst wenn kein Vorsatz gegeben war.
Daher ... Klappe halten und zur Not den Anwalt machen lassen ...

Nun zu Deiner Sucht. Die geht nicht durch Ignorieren weg ... Es ist schon mal gut, dass Du Deinen Freund um Hilfe gebeten hast. Dass er über Dein Konto schaut ist prima, doch "Kontrolle" alleine bringt Dich nicht weiter.
Unser gesunder Bezug zum Geld ist durch die Sucht zu einem gro0en Teil verloren gegangen. Dieser bezug muss und sollte widerhergestellt werden, damit Du langfristig wieder selbst die Kontovollmacht ausüben kannst.
Ein Geldmanagement hilft Dir dabei. Führe also ein Haushaltsbuch, in dem Du alle Einnahmen und Ausgaben nach thematischen Unterkonten führst. Dazu gibt es zu Hauf kostenlose Software im Netz.
Damit ist es aber nicht getan. Hast Du den günstigsten Stromanbieter? Wird es Zeit den Handyvertrag zu kündigen? Wie sieht es mit Versicherungen aus? Bist Du über- oder unterversichert?
Wie sieht es mit Deiner Verschuldung aus? Hast Du hier einen Plan, wie Du was abbezahlst? Viele begehen den Fehler, zu viel auf einmal zu wollen. Doch Du musst in Deinem Lohn auch einen Vorteil sehen.
Hast Du es die letzte Zeit z.B. versäumt, Dir neue Klamotten zu kaufen? Dann plane Geld dafür ein!
Plane auch Freizeitaktivitäten mit ein, die Dir Spaß gemacht haben und noch machen.

Und dann bewegst Du Deinen Hintern :) in eine Beratungsstelle und /oder eine SHG! Das Ding bei uns Menschen ist nun mal, dass wir unsere Erfahrungen leben. Jeder Mensch lebt in seiner eigenen Realität - in seiner Blase. Es gibt also viele Sichtweisen. So manche davon könntest Du teilen, wenn sie Dir bewusst werden. Sie können helfen, auch wenn sie mal unangenehme Auswirkungen haben. Mehr als einmal habe ich es selbst erlebt, dass ich mir am Liebsten mit der flachen Hand auf die Stirn geklatscht habe, weil da doch etwas so offensichtlich gewesen ist, ich es aber selbst nicht erkannt hatte.
Solche Institutionen lehren Dich ganz schnell, Deine Scham beiseite zu schieben. Die mag jetzt ein großes Bollwerk sein, doch sie wird zu einem lauen Lüftchen.

Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Hallo Olli,

vielen Dank für die Nachricht, da bin ich schon einmal etwas beruhigter. Tatsächlich habe ich immer ganz gut verdient und wohne noch bei meinen Eltern (meine Mutter ist ein Pflegefall), auch meine sozialen Kontakte haben nie darunter gelitten und ich bin weiterhin sehr viel auf Reisen gewesen. Aktuell habe ich einen Kredit über eine Summe, die ich in 3-4 Monaten abbezahlen kann und bei meinen Eltern Schulden, die aber auch dieses Jahr zurückgezahlt werden. Ich bin beruflich aufgestiegen als Führungsposition (bin 30 Jahre alt) und habe eigentlich ein ganz normales geführt, bis eben auf die Spielsucht. Ich war in der Vergangenheit  bereits 3 mal in einer Suchtberatungsstelle, habe mich aber immer gegen eine Therapie entschieden (war zwischendurch auch über ein Jahr spielfrei). Ich weiß, dass ich es schaffen kann auch ohne Hilfe und mir war das mit der Bank nun ein richtiges Warnsignal.

ZitatIch weiß, dass ich es schaffen kann auch ohne Hilfe und mir war das mit der Bank nun ein richtiges Warnsignal.

Du ... ich habe so damals reagiert, weil mein Selbstwert grottig war. Letztlich wollte ich von niemandem hören, was für ein Versager ich war. Nun, darum geht es aber absolut nicht bei der Beratung oder einer SHG. Wieso bist Du nicht weiter zur Suchtberatung gegangen? 3 Mal ist doch gar nichts ... und doch auch immens viel! Es hat Dich zumindest dazu gebracht, über ein Jahr spielfrei zu bleiben.
Doch verkenne es bitte nicht ... Du bist rückfällig geworden! Also hat die Sucht bei Dir auch heute noch etwas Positives. Das Gedöns mit der Bank wird vorbei gehen. Und wenn sich niemand zwecks Aussagen meldet, dann bist Du ja auch noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen. Das Gleiche gilt auch mit den Schulden ... die werden ratz-fatz abgezahlt sein.
Doch was ändert all das an Deiner Sucht? Nichts ...

Sei so mutig und stelle Dich Deiner Sucht. Du bekommst das schon hin. Gehe wieder zur Suchtberatung und wenn Dir nahe gelegt wird eine Therapie zu machen ... dann mache sie. Sie muss ja nicht stationär sein, sondern kann auch ambulant gewählt werden.

Wenn Du Dir ein Bein brichst, dann gehst Du zum Orthopäden. Hast Du Zahnschmerzen, dann gehst Du zum Monteur de la Fresse ... und wenn Du spielsüchtig bist, dann gehst Du zur Beratung und/oder in eine SHG.
 
Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Hallo Toppsie,

schön, daß Du d3en Weg ins Forum gefunden hast. Was ich so von Dir lese, sehe ich als Potential für die Spielsucht. Eigentlich ist doch alles ganz einfach, und alles wunderschön, aber da innen tief, in Dir, wie sieht es dort aus?
Das Konto ausgleichen, ein Kinderspiel, die Familie die zu pflegende Mutter, bekommt alles auch zurück, und da hapert es bei mir.
Ich habe sehr lange im "Hotel Mami" gewohnt, und ich habe mich um meine Mutter gekümmert, auch ich habe ihr meine Schulden zurückgezahlt. Aber - ich bin nicht 3  in der Beratungsstelle gewesen. Dafür habe ich 3 Aufenthalte in Psychosomatischen Kliniken genossen, und ich kann immer noch und wieder an mir arbeiten, mein eigenes Leben neu zu entdecken, und es zu genießen.
Für mich ist die Einsicht der Spielsucht das Eingangsportal zum Leben geworden.
Also bitte, laß Deine Führungskraft Dir selber andienen.

Viel Erfolg

Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

#6
Hallo Toppsle!

Du schriebst:
Aktuell bin ich seit zwei Wochen spielfrei und habe die Kontrolle über mein Bankkonto an meinen besten Kumpel abgegeben.
Ich bin schon sehr lange spielsüchtig und war immer offen gegenüber meiner Bank.
Bei meiner letzten Auszahlung kam die Bank auf mich zu und wollte wissen woher die Gutschrift kommt und ich habe ehrlich geantwortet "Na, DER Anbieter".

Wir laufen nicht mit nem 'Wachturm' rum oder wollen sonstwie missionieren. Deine Entscheidung ist DEINE Entscheidung.
Ich bin nur hier etwas irritiert gewesen, dass Du Dein Konto dem Kumpel in Obhut gibst, lange Spielsucht beschreibst, illegal gezockt hast und Angst vor einer Strafe deswegen hast oder hattest.
Kannst DU das nachvollziehen?
Liest sich in Anbetracht der Antworten meiner Vor'redner' doch ein gutes Stück weit ambivalent.
Woran liegt das? Hast DU Deinen Alltag wie ein festes Mosaik aufgegliedert, mit einem Teilchen, was mit nichts als dem süchtigen Gewinnspiel belegt sein kann und darf?
Du bist 30, guter Job, gutes Einkommen, hilfsbereit, zu Freundschaft fähig, verantwortungsvoll ... geht Dir das so aufn Zünder, dass Du was Morbides haben musst, damit 'Stimmung' in den Alltag kommt?  ;)  ;)  :D  :D
Wie o.a.: Keiner will Dich zu irgendwas bewegen.
Bloß für den Fall, dass Du was ändern möchtest ... kannst Du Dich gerne hier am Hilfsangebot bedienen.

Gruß Rubbel
--Meist ist Geist geil--

Vielen Dank für eure offenen Antworten. Ich muss definitiv etwas an meinem Alltag ändern und mir wieder ein Hobby suchen. Mein Alltag besteht eigentlich nur noch aus Arbeit und der Pflege meiner Mutter. Am Wochenende bin ich dann meist mit Freunden unterwegs etc...
Ich habe früher immer Fußball  gespielt, musste aber verletzungsbedingt aufhören und war jetzt dann noch 6 Jahre Jugendtrainer, was ich letztes Jahr auch aufgehört habe (weil es mir aus meiner Sicht zu stressig wurde, war es auch, aber in der Zeit habe ich dann wieder gespielt). Mein Freund will mich schon länger überreden mich im Fitnessstudio anzumelden, früher hat mir das kein Spaß gemacht, aber vlt. sollte ich das nochmal versuchen.
Gruß Toppsle

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