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Partner hat von Sucht erzählt

Begonnen von Batrischa, 10 August 2024, 12:43:07

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Hey ihr Lieben,

Ich habe vor wenigen Tagen das Forum entdeckt & muss nun mal meiner momentanen Situation freien Lauf lassen.

Ich bin mit meinem Partner seit März 2023 zusammen, kennen uns aber schon seit bestimmt 14 Jahren.
Als er zu uns (meinem Sohn & mir) kam, erfuhr ich, dass er gelegentlich mit seinem Kumpel online pokert.
Ich wusste, dass er damals viel an Automaten gezockt hatte.
Über den Zeitraum seit er bei uns ist, kamen immer Geschichten weshalb er Geld benötigen würde (gesamt am Ende ca. 14.000€)
Klar, ich hatte manchmal ein sehr komische Gefühl, aber dachte mir, so lange und extrem kann doch kein Mensch lügen. So seiner Partnerin zusehen wie sie kaputt an den Schulden geht aufgrund dessen, kann doch niemand machen. Irgendwann musste ich mir einen Kredit nehmen und gab ihm dann auch (leider viel zu spät) kein Geld mehr.

Das Thema Spielsucht thematisieren wir gleich zu Beginn unserer Beziehung, da ich davor wirklich Angst hatte. Irgendwo hatte ich immer ne starke Vermutung, hab aber nie zu 100% was raus gefunden.
Aufgrund der immer stärker werdenden Vermutung schlug ich ihm im Juni vor sich doch sperren zu lassen, dies machte er ohne Probleme. Da dachte ich wieder "nee, der zockt nich, dann würde er sich nicht problemlos sperren lassen"

Naja, nun hab ich diese Woche was herausgefunden, dass Geld nicht da hin ging, wie erzählt. Ich setzte ihm am Mittwoch die Pistole auf die Brust. Und dann sprach er endlich offen mit mir.
Er erzählte mir von der Spielsucht, all das Geld das er bekam wurde verzockt, erzählte von den ganzen Lügen und wie sehr er davon wegkommen möchte. Er sagt er realisiert nun, dass er so viel kaputt gemacht hat & das will er nicht mehr.
Wir sind nach 2 Tagen direkt zur Suchtberatung gegangen und danach brach er in Tränen zusammen. Er möchte alles dafür tun, dass er diese Sucht in den Griff bekommt. Geldverwaltung an mich, Schuldnerberatung, etc.

Ich möchte diesen Weg mit ihm gehen, aber habe unfassbare Angst vor der Zukunft. Angst, dass ich ihm nicht verzeihen kann, was diese Sucht mit mir angerichtet hat, weil ich es noch nicht ganz verstehen und realisieren kann.
Angst davor, dass die Lügen wieder beginnen oder nie aufhören. Angst davor, die Kraft nicht aufbringen zu können für diesen schweren Weg. Angst, dass die Sucht gewinnt.
Auch mach ich mir so unfassbare Vorwürfe, es nicht eher unterbunden zu haben trotz der Vermutung. So viele ungeklärte Fragen in meinem Kopf und der ständige Gedanke an diese Sucht.
Die Sorge, dass die Sucht nun das Hauptthema und so sehr über unserer Beziehung steht.

Nie hätte ich mir vorstellen können, dass diese Spielerei solche Ausmaße annehmen kann ...

Hallo meine Liebe und herzlich willkommen!

ZitatNie hätte ich mir vorstellen können, dass diese Spielerei solche Ausmaße annehmen kann ...

Psssst ... frage mal Deinen Freund, ob er sich das hat vorstellen können. Es ist leider nun mal so, dass das alles nicht mit einem Schlag passiert, sondern in klitzekleinen Schritten. Leider ist die Glücksspielsucht auch immer fortschreitend - es wird nie besser, es sei denn, wir stoppen die Sucht.

Du bist heute hierher gekommen, weil Du selbst Ängste verspürst und darüber reden möchtest. Sofort habe ich an unser Webmeesing gedacht, was heute um 19 Uhr wieder stattfindet. Klicke, wenn Du magst, einfach auf den Link in meiner Signatur.
Hier kannst Du aus erster Hand Erfahrungen sammeln.

Trotz alledem ist Dein Freund nun mal Dein Freund und nicht einer aus dieser oder jener Gruppe. Wir können unserem Gegenüber nicht hinter die Stirn schauen. So geht ja die Initative derzeit eigentlich nur von Dir aus ... sehe ich das richtig?

ZitatAuch mach ich mir so unfassbare Vorwürfe, es nicht eher unterbunden zu haben trotz der Vermutung.

Stop, meine Liebe ... das lässt Du mal ganz schnell sein! Dich trifft an seiner Sucht keine Schuld und ER ist derjenige, der hierfür seine Verantwortung zu tragen hat ... nicht Du! Wer denkt denn schon daran, dass der Partner süchtig sein könnte? Du hast doch eine Lüge nach der anderen präsentiert bekommen ... hast vertraut ... Hatte er Nadeleinstiche? Roch er nach Alkohol? Waren die Pupillen erweitert? Wahrscheinlich ist ihm durch die Übung noch nicht mal die Schamesröte ins Gesicht gestiegen, wenn er Dir in die Augen schaute und eine seiner Lügen abließ!
Weisst Du, wenn ich eine Lüge glaubhaft rüber bringen wollte, dann musste ich daran glauben. Der Gegenüber, der die Lüge schlucken soll, der merkt, wenn ich nicht von der Lüge überzeugt bin!
Das Geld ... ja mein Gott ... Du wolltest die Sucht erst auch nicht wahrhaben, genauso wie Dein Freund. Also hast Du den Kredit aufgenommen und ihm das Geld gegeben. Aber Du hast Dich doch auch weiter entwickelt - Du bist nicht stehen geblieben. Du hast bereits die Entscheidung getroffen - vollkommen korrekt - ihm kein Geld mehr zu geben. Es ist ja schließlich sein Suchtmittel.

Euer Hauptthema wird nicht seine Sucht sein, sondern absolute Aufrichtigkeit unter Euch beiden! Das müsst ihr üben! Wenn Du Zweifel verspürst ... sprich es an ... räumt diese Zweifel gemeinsam aus dem Weg. Sprecht beide über das, was Euch bewegt. Gerade Dein Freund hat die letzten Jahre ja viel gelogen. Für ihn wird es also noch schwieriger, als für Dich. Aufrichtigkeit lässt sich üben ... über Gefühle reden, lässt sich üben!

Denke dran ... heute abend ... 19 Uhr ...
Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Danke für deine Worte.
Heute habe ich es leider nicht geschafft, aber ich werde das aufjedenfall ins Auge fassen!

Die Initiative geht tatsächlich nicht nur von mir aus ... er hat selbstständig bei der Suchtberatung einen Termin vereinbart & wollte das aufjedenfall. Ich hab mir viele Gedanken gemacht & Wege die wir gehen können vorschlagen, zugestimmt hat er bei allem, nun müssen wir die Schritte nur noch in die Wege leiten ...

Ja.. das mit der Ehrlichkeit bekommt er hoffentlich hin.. zu sich selbst & zu mir... nur so kann es funktionieren..

Batrischa wie geht es dir heute?
Wenn jemand nichts tut um dich zu behalten, warum kämpfst du dann um zu bleiben?

Habe erst jetzt gesehen, dass du gefragt hast, wie es mir geht. Habe lange nicht hier reingeschaut.

Mein Partner ist seit August 2024 Spielfrei und geht hier denk ich einen guten Weg.

Leider ist das Thema "Lügen" noch sehr groß und präsent. Dies verletzt und enttäuscht mich. Auch der Umgang mit Geld ist noch nicht mal im Ansatz so, wie es hoffentlich irgendwann sein sollte.

Welche Wege und Lösungen gibt es denn um diese verdammten Lügen in den Griff zu bekommen? Ich hab das Gefühl, dass das im Moment die Familie wirklich kaputt macht.  :(

Hallo Batrischa , ich habe diesen Beitrag hier gelesen , weil ich versuche meinen Mann und seine Sorgen zu verstehen , bzw. überhaupt erahnen zu können , was er gerade durchmacht .
In unserem Fall bin ich die , die spielsüchtig ist und er ist der , der quasi das Gleiche durchmacht wie du .

Erstmal freu ich mich für euch , dass dein Freund schon mehrere Monate spielfrei ist .

Darf ich fragen , in welchen Bereichen er dich noch belügt ?
Ist es , wenn ihr über die Spielsucht sprecht , oder betrifft es auch andere Lebensbereiche ?

Wir stehen in unserer Geschichte noch ganz am Anfang und natürlich habe ich mir fest vorgenommen , meinen Partner nie wieder zu belügen .
Ich bin mir sicher , dass das auch der Plan deines Freundes war .
Ich merke aber auch , dass es gar nicht so einfach ist , "plötzlich" nur noch die Wahrheit zu sagen .
Weil man einfach seit Jahren lügt , oder unangenehmen Fragen ausweicht .
Manchmal sogar ganzen Themen aus dem Weg geht .
Gefühlt muss ich grade lernen wieder ehrlich zu sein .
Obwohl ich das in allen anderen Bereichen immer war .
Vielleicht hat dein Partner ähnliche Schwierigkeiten .
In den letzten Tagen haben mein Mann so viele intensive Gespräche gehabt , wie schon sehr lange nicht mehr .
Das liegt zum einen daran , dass ich vor meiner Beichte solche Gespräche vermieden habe, weil sie immer wieder zu weiteren Lügen geführt haben .
Und auch jetzt erwisch ich mich dabei , manche Dinge soooo unangenehm und unerklärbar zu empfinden , dass ich sie am liebsten nicht oder nur geschönt erzählen würde .
Ich mache das nicht , ich lege alle Karten offen auf den Tisch .
Aber es ist wirklich , als müsste ich das neu erlernen .

Ich will deinen Partner nicht in Schutz nehmen , denn ich sehe das wie du . Er muss ehrlich sein , nur dann kann das funktionieren .
Aber vielleicht ist auch er noch im Lernprozess .

Sorry , das hier ist viel länger geworden als geplant .

Ich wünsche euch alles erdenklich Gute
Wer immer tut, was er schon kann ,
 bleibt immer das, was er schon ist .

Zitat von: Batrischa am 15 April 2026, 09:44:59Habe erst jetzt gesehen, dass du gefragt hast, wie es mir geht. Habe lange nicht hier reingeschaut.

Mein Partner ist seit August 2024 Spielfrei und geht hier denk ich einen guten Weg.

Leider ist das Thema "Lügen" noch sehr groß und präsent. Dies verletzt und enttäuscht mich. Auch der Umgang mit Geld ist noch nicht mal im Ansatz so, wie es hoffentlich irgendwann sein sollte.

Welche Wege und Lösungen gibt es denn um diese verdammten Lügen in den Griff zu bekommen? Ich hab das Gefühl, dass das im Moment die Familie wirklich kaputt macht.  :(
Hey du,

es freut mich wirklich zu lesen, dass dein Partner seit August spielfrei ist – das ist alles andere als selbstverständlich und ein richtig großer Schritt.

Aber ich kann so gut nachvollziehen, was du über die Lügen schreibst... genau das ist oft das, was am meisten kaputt macht. Nicht nur das Spielen selbst, sondern dieses ständige Gefühl von Unsicherheit, Misstrauen und Enttäuschung. Das geht unglaublich tief.

Was ich aus meiner eigenen Erfahrung sagen kann: Die Lügen hören leider nicht automatisch auf, nur weil das Spielen aufhört. Dieses Verhalten sitzt oft sehr fest, weil es über lange Zeit ein ,,Schutzmechanismus" war. Aber – und das ist wichtig – es ist kein Zustand, den man einfach hinnehmen muss.

Was helfen kann, ist, das Thema genauso ernst zu behandeln wie die Sucht selbst:

* Ehrlichkeit muss aktiv geübt werden, nicht nur versprochen.
* Klare Absprachen, z.B. komplette Transparenz bei Geld, Handy, Alltag – nicht als Kontrolle, sondern um Vertrauen langsam wieder aufzubauen.
* Gespräche oder Therapie, die sich nicht nur um die Spielsucht drehen, sondern ganz gezielt um das Lügen und die dahinterliegenden Muster.

Und ganz ehrlich: Du darfst auch klar sagen, was das mit dir macht und wo deine Grenzen sind. Vertrauen kann nur wachsen, wenn sich Verhalten wirklich verändert – nicht durch Worte allein.

Ich weiß, wie sehr sich das anfühlen kann, als würde einen das innerlich zerreißen... dieses ständige Hinterfragen. Du bist damit nicht allein.

Pass bitte auch gut auf dich auf. Du hältst da gerade unglaublich viel aus.

Fühl dich gedrückt 🤍
Wenn jemand nichts tut um dich zu behalten, warum kämpfst du dann um zu bleiben?

Danke für deine lieben Worte 🩷

Zugang hab ich tatsächlich zu allem, aber in der Therapie muss dieses Thema dringend intensiver angegangen werden.

Wie übt man das ehrlich sein denn?
Ab und zu hat er es geschafft, obwohl es dann unangenehme Reaktionen gab.

Ich bin unendlich stolz auf ihn, dass er nun seit fast 2 Jahren spielfrei ist. Aber wie du schon sagst, diese Unsicherheiten, immer wieder angelogen werden, zerstört auf Dauer die Familie und belastet mich so sehr. Ich möchte aber auch nicht einfach alles aufgeben, das würde die Kinder so sehr zerbrechen... bin wirklich ratlos.

Wie oft habe ich gelogen, um mein Spielen zu verheimlichen ...

Ich war bei Ralf ... Ich komme zu spät, weil ein LKW umgefallen war und die Autobahn blockierte ...

Als ich spielfrei wurde, da wollte ich nicht mehr lügen. Im Grunde war das der Grund, wieso ich mit dem Glücksspiel bracht.
Schnell merkte ich, dass bei mir eine Automation existierte, die ich auflösen musste und wollte.
Was ich gemacht habe? Wenn mir auffiel, dass da eine Lüge aus mir herauskam, da habe ich das sofort mit einer Entschuldigung korrigiert.

Wenn ich nicht ehrlich zu anderen bin, dann kann ich auch nicht ehrlich zu mir selbst sein ... und anders herum! Das Lügen ist auch nur eine Gewohnheit, die wir uns auch wieder abgewöhnen können.
Wir brauchen ja die Schutzfunktion nicht mehr und können uns daher auch wieder an den Wert "die Wahrheit sagen" halten.

So lange Dein Mann lügt, ist da noch etwas bei ihm im Argen.
Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Den Gedanken hatte ich auch.
LG Ilona
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Bluesky@gluecksspielsucht.bsky.social

Ehrlich gesagt hatte ich einen engen Freund in dieser Spirale, und ich kann dir nur sagen: Mach dir keine Vorwürfe. Diese Menschen werden zu Meistern der Täuschung – nicht aus Bosheit, sondern weil ihr Gehirn nur noch für den nächsten "Gewinn" lebt. Das ist ein teuflischer Kreislauf. Dass er dir die Kontovollmacht gegeben hat und bei der Beratung zusammengebrochen ist, ist eigentlich ein gutes Zeichen; es zeigt, dass er am Tiefpunkt ist und wirklich raus will. Aber schütz dich und deinen Sohn jetzt erst einmal konsequent. Was oft hilft, ist die Schulden nicht nur als persönlichen Verrat zu sehen, sondern wie eine teure Krankheit, die geheilt werden muss. Es ist ein Marathon, aber totale Transparenz ist eure einzige echte Chance.

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