ONLINE-Selbsthilfegruppe | Samstags von 19 Uhr bis 21 Uhr

Mein erster Tagebucheintrag

Begonnen von markus_anton, 09 September 2020, 17:27:19

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#15
Hallo markus_anton,

du hast in einem Beitrag geschrieben, dass du dieses Jahr 50 wirst und es jetzt "an der Zeit" ist. Das hat mich angesprochen.

Ich habe mich mit 50 beruflich umorientiert. Nicht komplett neu, aber anders - und ich bin immer noch sehr froh, es gemacht zu haben.

Keine Ahnung, ob es an der Zahl lag oder eher Zufall war. Ich bin auf jeden Fall sehr stolz auf mich, meinem beruflichen Leben eine neue Wendung gegeben zu haben.

Und bei dir hört es sich auch sehr fokussiert und bewusst an.
Ergänzung: Ich beziehe mich nicht auf deinen Beruf, sondern deinen Umgang mit der Sucht.

Wer wird etwas ändern, wenn nicht wir selbst?!



Stolz zurück blicken ist cool!

Und noch vorne, mit Zuversicht und Selbstvertrauen natürlich auch :-)


Schritt für Schritt,

Babs






Hallo markus_anton,

Herzlich Willkommen im Forum,

was ich von Dir lese kenne ich auch teilweise. "Da ist die Firma, die Arbeit, der Ort an dem ich einen Platz im Leben gefunden habe, einen Job mache, der mich nervt, aber wenn ich ihn nicht wahrnehme, falle ich ins Bodenlose..." Der Trost für mich war der Besuch in der spielhalle nach feierabend.
Ich habe eigentlich nur noch für die Firma und für die Spielstätten gelebt, alles andere exestierte nicht mehr.
Die Selbsthilfegruppe hat mich wieder aufgerichtet. Nach einem Treffen im Grppenraum sind wir einmal zum Nachmeeting in ein Eiscafe gegangen, in der Fußgängerzone haben wir gesessen. Und auf einmal war das Gefühl da: "Ich lebe"! Da sind Menschen um mich herrum, und ich gehöre dazu. Freunde treffen, Geburtstage feiern, aber beides fernab vom Spieldruck, nur bei sich selber bleiben, das ist ein schönes Ziel.

Dafür habe ich auch ein Sinnbild: Die Steinerne Brücke in Regensburg, an einem schönen Sommertag...
grüß mir bitte die schöne Donau.

Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

Hallo liebes Forum!

@Babs:

Danke für deinen lieben Eintrag in meinem Tagebuch, der mich sehr freut!
Ich hoffe es sehr, dass ich in Bezug auf die Sucht fokussiert und bewusst bin. Ich gebe mir jedenfalls Mühe...
Und genau, du sagst es: Schritt für Schritt!


@andreasg:

Das ist ein wunderschönes Bild, das du da gezeichnet hast von dem Nachmeeting in der Fußgängerzone in der Nähe der Eisdiele (ich als Ösi weiß dank Tatort-Schauen, was das ist. Blöde Anm. Ende). Und auf einmal war das Gefühl da: "Ich lebe", schreibst du weiter.
Das ist wunderschön! Genau diese Dinge sind es vermutlich, die einen langsam ins abstinente Leben zurückführen.
Die Steinerne Brücke in Regensburg an einem Sommertag klingt auch sehr fein. Aber in Regensburg war ich leider noch nie.
Und die schöne, blaue Donau in Linz grüße ich Dir sehr gerne!


Die Geburtstagsfeier gestern ist vorüber und es ist alles gut gelaufen. Bis auf das Wetter. Es gab ein kurzes, heftiges Unwetter, das meine Schwester und ihre Party in die Garage flüchten ließ. Ansonsten alles gut weiterhin und spielfrei geblieben auch gestern!

Mir ist aufgefallen, dass ich eigentlich sehr wenig über meinen allgemeinen, aktuellen Status-Quo geschrieben habe bei meinem ersten Eintrag vor ein paar Tagen. Dem ersten nach sechs Jahren.

Ich heiße also Markus, bin 49 Jahre alt, in Oberösterreich born and raised, wie man so schön sagt, und habe 20 Jahre in Wien gelebt. Meine erwachsenen Kinder (26, 24) leben auch bis heute dort. Ich bin single und bin wohl auch aufgrund meiner anderen psychiatrischen Krankheit (bipolar-affektive Störung) sehr vorsichtig geworden, was eine Partnerin in meinem Leben betrifft. Vereinfacht gesagt, traue ich mir bei dem Thema selbst nicht so recht über den Weg. Aber das gehört eigentlich in ein anderes Forum.
Abgesehen davon möchte ich nicht als quasi-nasser Spieler eine Partnerin in meinem Leben. Das ist nicht die Voraussetzung, die ich mir für einen gelungenen Start in eine harmonische Beziehung wünsche.

Mein wichtigster Halt sind neben meinen Kindern, Eltern und meinen beiden jüngeren Schwestern meine besten Freunde, die ich seit Schul- oder sogar Kindergartentagen kenne. Einer von ihnen verwaltet seit September 2025 auch meine Finanzen. Ich habe mich aber bislang nicht dazu durchringen können, meinen Arbeitgeber zu bitten, mein Gehalt auf das Konto meines Freundes zu überweisen. Das würde zu viel Aufsehen erregen und meinen Arbeitgeber misstrauisch machen. Das ist zumindest meine Angst. Meine Freunde fordern diesen Schritt aber immer vehementer ein. Vor allem jetzt, wo die Hütte lichterloh brennt.
Das heißt aber derzeit, dass ich immer wieder einmal monatlich mit meinem Gehalt in Berührung komme. Bis jetzt habe ich dann immer die Miete und die Alimente selbst überwiesen und den Restbetrag auf das Konto meines Freundes. Der überweist mir dann in kleinen Dosen ein Taschengeld von 10 - 30 Euro für den Tag. Ach ja, ich bin auch noch starker Raucher. Dafür geht viel Geld drauf. Seit Mittwoch, meinem ersten spielfreien Tag, habe ich fast kein Geld mehr gebraucht. Bis auf die verdammten Zigaretten oder Tschick, wie wir hierzulande sie auch nennen. Das wäre dann der nächste notwendige Schritt in meiner Suchtbehandlung.
Aber zurück zum Glücksspiel. Ich habe dann in den letzten Monaten immer wieder mit kleinen Beträgen gespielt, aber das läppert sich natürlich auch zusammen und es bleibt nichts mehr über für beispielsweise eine gemeinsame Reise, von der ich schon erzählt habe und die nächste Woche ab Donnerstag ansteht. Dreimal ist es seit September auch passiert, dass ich zwar meine Fixkosten noch wegbezahlt habe, aber danach mit dem Rest alles verspielt habe. In allen drei Fällen hat mich einer der vier Freunde finanziell "gerettet". Also dreimal einen "bail-out" für mich geleistet. Eine Maßnahme, die in unserer Freundesgruppe sehr kontrovers diskutiert wurde und wird. Jetzt sieht es so aus, dass ich die Reise ab Donnerstag doch mitmache, weil sie der Meinung sind, dass ich auch eine schöne, ruhige und lustige, gemeinsame Zeit mit ihnen verdient habe. Wie wir mit meinem Taschengeld für die Reise verfahren, haben wir noch gar nicht im Detail geklärt. Aber die Bierchen, die wir konsumieren werden und wohl auch das eine oder andere Mittagessen wird wohl wieder auf ihre Kappe gehen. Einem der Freunde schulde ich 1.250 Euro, dem anderen 2.000 Euro. Den beiden anderen glücklicherweise nichts. Kein Geld zumindest.

Ein weiteres Thema sorgt zwischen uns auch gerade für große Diskussionen: weil ich seit September 2025 ausschließlich - trotz aktiver Gamban-Sperre übrigens, die ich umgehen konnte - am Android-Handy gespielt habe (in Österreich bin ich in allen physischen Spielhallen lebenslang gesperrt), wollen zwei der vier Freunde von mir, dass ich mein Smartphone aufgebe und auf Tastatur-Handy wechsle. Auch den Schritt packe ich derzeit echt nicht. Allein, was das für die und in der Arbeit bedeutet. Ich packe das nicht. Vielleicht noch nicht. 

Sodala, das war´s jetzt für den Sonntag. Es ist sehr schön draußen, ich mache mich auf den Weg an die frische Luft.     
 
Danke für die Zeit und fürs Lesen!
Alles Liebe und einen schönen Sonntag noch,
Markus
 
La vita e bella...

#18
Hi Markus!

Du lässt Dir ja schöne Scheunentore zum Spiel offen. Das sind schon keine Hintertürchen mehr, dafür sind sie einfach zu groß.
Nun, die Freunde sind wichtig, die Arbeit ist wichtig, wer was denken könnte ist wichtig. Und was ist mit Dir? Bist Du auch wichtig?

Du weisst vom bail-out und lässt es zu. Wenn Du dieses Scheunentor verschließen möchtest, dann musst Du mit den Freunden Tacheles reden! Keiner von ihnen darf Dir mehr Geld geben, denn damit unterstützen sie aktiv Deine Sucht! Ich gehe davon aus, dass Deine Freunde es nur gut mit Dir meinen in ihrer Unwissenheit. Was ist also hier Deine Aufgabe: Kläre sie auf!
Keine Reisekostenunterstützung mehr ... kein: Ich kann mich auf meine Freunde verlassen, also kann ich heute am 1. das Geld für den Rest den Monats ruhig verspielen!

Wieso nennst Du das Rauchen die nächste Baustelle? Wenn Du jetzt abstinent werden und bleiben willst, dann packe das Rauchen direkt mit an. Mehr als Suchtdruck bekommen, geht nicht. Du schlägst also 2 Fliegen mit einer Klappe.

Die Miete ... wieso gibt es da keinen Dauerauftrag? Wieso wird, wenn das Geld am 1. eintrudelt, nicht am 2. alles restliche sofort per Dauerauftrag zum Konto des Freundes überwiesen?
Du kannst mit ihm aus Deinem Konto ein Und-Konto machen lassen. Dann kannst Du Onlinebanking vergessen und darfst nur am Schalter Geld abholen ... per Scheck mit Unterschrift Deines Freundes, die in der Filiale gegengeprüft wird.

Du siehst, mit diesen drei Aktionen könntest Du Dir Abstinenz erarbeiten. Aber möchtest Du das auch wirklich? Oder möchtest Du doch lieber weiter spielen und das, was denn doch irgendwann eintreffen wird, hinauszögern? Ja, ich bin Optimist! Ich glaube, dass jeder irgendwann abstinent werden möchte. Aber muss es denn unbedingt immer mit einem persönlichen Tiefpunkt zusammenhängen? Muss es erst so richtig knallen?

Verschließe die Scheunentore. Und wenn die hier aufgeführten verschlossen sind, dann suche die anderen und verschließe auch diese. Es werden sich aber auch immer wieder neue auftun, sodass Du immer Ausschau nach ihnen halten darfst, für den Rest Deines Lebens.
Klingt das eher nicht optimistisch? Doch ... denn Dein Fokus wird sich schon bald auf Anderes in Deinem Leben richten.
Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Hallo liebes Forum!

In aller Kürze, weil ich dann gleich wieder weg muss:

ich bin weiter abstinent. Es geht mir damit auch noch ganz gut damit. Heute in ´ner Woche habe ich am Dienstag meinen nächsten Termin bei meiner Therapeutin hier in meiner Stadt. Jener Freund, der meine Finanzen verwaltet, wird mich dabei erstmals begleiten. Das war ihre Idee, es geht ihr dabei vor allem um ihn und seine Co-Abhängigkeit, in der er sich befindet. Sie hat auch die anderen Burschen eingeladen, doch die wollten nicht.

Am Donnerstag geht es los mit unserer gemeinsamen Reise. Wir sind zu acht, es werden wohl wie immer neue, unvergessliche Momente der Gaudi entstehen. Das ist auch der Grund, warum die über meine Sucht Eingeweihten unter den Burschen mich überzeugten, doch mitzukommen und nicht quasi alleine zu Hause zu bleiben.
Wir sind bis Sonntag Abend weg und bis dahin werde ich mich hier nicht mehr melden. Aber aus dem Ausland still mitlesen.

@Olli:
Der bail-out wird wie gesagt sehr kritisch gesehen in meinem Freundes-Kreis. Drei der vier sind komplett dagegen. Der Bursche, der das seit September 3x gemacht hat, weiß das auch. Wir haben ja bereits darüber miteinander gesprochen und mir wurde klar gemacht, dass das nicht mehr vorkommen wird und sie mich fallen lassen müssen. Auch er.

Mit dem Rauchen hast du vollkommen Recht. Das sehe ich genauso und übrigens meine Therapeutin auch. Jetzt alles gleichzeitig zu beenden. Ich habe mich gestern bei einem sechswöchigen Online-Rauchfrei-Kurs der Krankenkasse angemeldet. Der Kurs beginnt Mitte Juni.

Zum Und-Konto, für das mein Freund verantwortlich zeichnen soll, noch ein letzter Satz: er hat privat gerade viel um die Ohren und das wird ihm einfach zu viel. Ich habe ihm am Sonntag Abend deinen Vorschlag erzöhlt und er hat das abgelehnt.

Kennt wer hier eine Sperre am Handy über google family link? Funktioniert das auch für Glücksspielseiten? Ich war gestern bei meinem Routine-Besuch beim Psychiater und der hat mir davon erzählt.

Danke für die Zeit und fürs Lesen,
Alles Liebe,
Markus

La vita e bella...

#20
Hey ,
zu Family Link kann ich dir nichts sagen , würde dir aber Gamban empfehlen .


Mach dir ein paar schöne Tage mit deinen Freunden
Wer immer tut, was er schon kann ,
 bleibt immer das, was er schon ist .

#21
Hallo liebes Forum,

@Isabell80: Danke! Es waren großartige Tage!
Zu Gamban muss ich sagen, dass ich Wege gefunden habe, es sowohl am Android-Handy als auch am IOS-iphone zu umgehen.

ich bin seit gestern Nachmittag wieder zurück in meiner Stadt in Oberösterreich und verbrachte vier unbeschwerte und unvergessliche Tage mit den Jungs voller Spaß und Freundschaft. Was das Spielen betrifft, bin ich weiter abstinent. Was ich noch nicht geschafft habe und vor mir her schiebe, ist das Rauchen.

Ich werde jetzt nach der Arbeit am Abend nach einer gefühlten Ewigkeit wieder mal joggen gehen. Das schiebe ich schon fast so lange vor mir her wie das Rauchen aufhören.

Und ich beginne zu erahnen, was mir seit all den Jahren fehlt, und welche Lücke die Sucht schließen musste: Meine Angst, erneut eine Beziehung zu beginnen. Letztlich traue ich es mir wohl nicht zu, der Partner zu sein, der ich sein möchte.

So, ich freue mich, wieder hier im Jetzt und daheim zu sein, im Forum wieder mitzulesen und Gedanken, Erlebnisse und Erfahrungen zu teilen. Und jetzt gehe ich laufen, sonst renne ich heute wieder davor davon.

Danke fürs Lesen und einen schönen Abend,
Markus

La vita e bella...

Hallo!

Ich habe seit Montag nicht mehr hier geschrieben und es hat mir gefehlt. Oder anders formuliert: ich habe mich jetzt schon seit einiger Zeit auf den Moment gefreut, wo ich endlich die Zeit und die Muße habe, hier wieder zu schreiben. Ich höre meine playlist, sitze in meiner Schreibecke mit macbook, vor mir steht ein Glas Grüner Veltliner und ich habe heute Abend nichts Wichtiges mehr vor. Nicht mal die Fußball-Weltmeisterschaft. Es ist alles geschafft für heute. Ein schönes Gefühl!

Ich bin weiterhin spielfrei und freue mich über den 17. Tag heute. Neben der Erfolgstabelle hier im Forum, in die ich mich von Olli eintragen habe lassen, schicke ich auch meinem Freund W., der meine Finanzen verwaltet, jeden Morgen ein update über einen weiteren Tag der Abstinenz. Das ist ein schönes Ritual und motiviert zusätzlich.

Die Arbeit ist extrem anstrengend. Anfang Mai wurden bei uns die Abläufe umgestellt und seither arbeite ich von 6h morgens bis ca 18h, manchmal bis 19h. Bei zwei bis drei Stunden Mittagspause. Die Arbeit fordert mich sehr, aber das hat auch sein Gutes. Ich komme dort wenig zum Grübeln und Nachdenken. Allerdings sind die verständlichen Reaktionen hier im Forum und auch die Gespräche und Telefonate mit meinen Freunden, die Therapiestunde am Dienstag mit meinem Freund W., und der ersten SHG in unserer Stadt gestern Donnerstag schon sehr fordernd und bringen mich fast zum Verzweifeln. Mir wird immer klarer und bewusster, was da für ein Berg an Themen und hinter den verschiedenen Süchten versteckte Probleme auf mich wartet. Und ich muss zugeben, das macht mir Angst.

Dabei muss ich mir immer wieder doch auch vor Augen halten, was ich bereits gemeistert und geschafft habe: die bipolare Erkrankung hält seit sieben Jahren vollkommen still, ich kann wieder einer geregelten Arbeit nachgehen und mein Leben wirkt - zumindest nach außen - stabil und doch auch mit einigem Sinn erfüllt.

Aber der Reihe nach. Ich habe meinen Zigarettenkonsum von 40 pro Tag auf zehn reduziert. Für drei Tage. Bis heute. Ich habe einfach in der Arbeit nicht mehr geraucht und es hat bis heute funktioniert. Das hat mich sogar stolz gemacht, glücklich und ich habe diese Freiheit von der Nikotinsucht gespürt, die ich schon mal hatte, als ich zweimal für zwei bis drei Monate aufgehört hatte zu rauchen. Aber heute war bezüglich Rauchen alles anders. Ich hatte gestern Abend das erste Mal wieder Spieldruck. Ich wollte die 13 Euro auf dem Konto auf ein paar Hunderter vermehren. Das war das Ziel. Ich habe aber dann doch nicht gespielt, bin heute nur mit einer noch größeren Verwirrung aufgewacht und in die Arbeit. Und vor der Arbeit noch ein Packerl Zigaretten aus dem Automaten gedrückt.

Dabei war gestern zuvor noch die erste Spielsucht-SHG meines Lebens. Wir waren neun Personen, es gab viel input für mich und ich glaube sogar für alle. Auf jeden Fall gehe ich dort jetzt regelmäßig einmal im Monat hin. Was mich bis jetzt davon abgehalten hat, in eine SHG zu gehen, ist mir heute ein Rätsel. Wie Isabell80 mal geschrieben hat, bin ich genauso Hauptdarsteller in diesem Film und stehe nicht irgendwo hinter der Kamera. Bei der Gelegenheit möchte ich mich ein letztes Mal entschuldigen, dass ich auch morgen nicht hier in der Forum-SHG teilnehmen kann. Ich bin in Wien, schon wieder mit ein paar der eingeweihten Freunden, S. und R.. Wir gehen auf ein Musik-Festival. Ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk für mich, ich bin eingeladen.

Ich habe übrigens die Woche angefangen, verschiedene Zitate und Gedanken hier aus dem Forum auf eine eigene Word-Datei zu kopieren und zu speichern. Dafür möchte ich schon mal jetzt bei Olli, andreasg und Isabell80 Danke sagen. Ich bin sicher auch ein Mensch der Sprache und der Worte und wertvolle Gedanken zu unserem Thema zu speichern und immer wieder abrufbar zu haben, hier oder besser noch im Gedächtnis, hilft mir auch ein bisschen weiter.

Am Dienstag war ich mit meinem Geld-Verwalter-Freund W. bei meiner Therapeutin um 18h. Um 17.50h war ich noch in der Arbeit und kam dementsprechend geschafft und müde zum Termin. Wir haben mehrere Szenarien besprochen, die jetzt möglich sind - stationär, geführte ambulante Gruppe in Linz und SHG (in der ich dann am Donnerstag eben erstmals war), das online-Forum hier, das sie kennt. Und sie fragte W., wie es ihm geht in der Freundschaft mit mir. Und dass er mir nicht mehr mit Geld aushelfen darf. Stationär lehne ich noch immer ab, weil mir zu viel zusammen brechen würde, was ich mir in den vergangenen sechs Jahren aufgebaut habe. Im Job, in der Beziehung zu meiner gebeutelten Familie und meinen beiden Kindern.

Letzte Woche war ich ja routinemäßig bei meinem 6-monatigen Besuch beim Psychiater wegen meiner erwähnten Grunderkrankung. Er hat mir, nachdem ich ihm vom Status-Quo erzählt habe, Naltrexon verschrieben. Das ist kein Allheilmittel gegen Suchtdruck und Craving, kann aber auch bei Spielsucht helfen, sagt er. Ich beginne mit der Einnahme am Sonntag Abend, nach dem Festival. Ein gewaltiges Streitthema mit meinem Freund K., der sagt, sofort nehmen. Und was er noch sagt: Sofort "Vom Junkie zum Ironman" von Andreas Niedrig lesen. Oder wieder anders formuliert: nur intensiver Sport wird mich von meinen intensiven Süchten befreien helfen.
Naltrexon blockiert übrigens die Endorphin-Rezeptoren im Gehirn. Dadurch wird das belohnende, berauschende Glücksgefühl unterdrückt, das Alkohol normalerweise auslöst.   

Am Mittwoch ging auf mein Konto die erste Tranche meines Gehalts ein. Ich war mit dem Geld in der Apotheke, tanken und im Supermarkt. Den Rest habe ich an W. überwiesen. Ich weiß, ein Riesenscheunentor!!!!!!!
Aber meinem Arbeitgeber will ich nicht sagen, dass er mein Gehalt direkt an W. überweisen soll. Und das von Olli weiter oben hier im Thread eingemahnte Und-Konto, für das ich W.s Unterschrift benötigen würde bei einer Überweisung, will W. nicht machen. Was ich in seiner Situation aktuell verstehe und auch nicht fordern kann.

Also am Ende dieses Eintrags kurz zusammengefasst: ich werde mein Leben lang spielsüchtig sein. Ich bemühe mich derzeit von Tag zu Tag zu denken.
Ich lehne eine stationäre Therapie ab. Ich lehne ein Tastentelefon ab. Ich bekomme zweimal im Monat von meinem Arbeitgeber Geld aufs Konto, das ich selbstständig an W. weiterzahle. Es sind gigantische Scheunentore offen, dessen bin ich mir bewusst. Ein Ritt auf der Rasierklinge.

Ein letzter Gedanke von der gestrigen SHG, der mir haften geblieben ist: Von den neun Personen in der Gruppe waren zwei langfristig abstinent. Der Leiter der Gruppe seit mehr als sechs Jahren, ein zweiter seit mehr als zwei Jahren. Alle anderen deutlich geringer, wenige Tage oder Wochen wie ich. Einige haben auch noch aktuell gespielt. Was die beiden langfristig Abstinenten gemeinsam hatten, war eine Partnerin, die ihnen beiden das Messer angesetzt hatte. Entweder Zocken oder ich. Die beiden haben es bis gestern geschafft. Das beschäftigt mich sehr!

Danke fürs Lesen und deine Zeit,
Markus

 
La vita e bella...

Hi Markus!

Was genau beschäftigt Dich daran?
Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)


Guten Morgen,
schön wieder von dir zu lesen.
Da ist ja einiges passiert bei dir.Therapie, SHG , ein neues Medikament und viele gute Vorsätze ( Geld überweisen etc)

Ich einigen Dingen , die du schreibst , erkenne ich mich wieder .
Das einzige , was mich verwundert ( und das sehe ich nicht nur bei dir ,sondern auch in vielen anderen Beiträgen) sind die bewusst offen gelassenen Scheunentore.
Vielleicht bin ich einfach ein riesiger Schisser , aber wenn ich für mich so ein Tor , oder auch nur eine kleine Tür erkenne , kann ich an nichts anderes denken , als diese sofort zu verschliessen .
Ich vertrau mir einfach nicht und bin immer wieder verwundert , dass das bei vielen hier so anders wirkt .
Völlig selbstbewusst schreibst du von einem Ritt auf der Rasierklinge.
Warum ?
Das soll kein Vorwurf sein, ich möchte es einfach nur verstehen , weil es sich mir nicht erschliesst .

Ich finde es super , dass du deine Freunde mit im Boot hast und dass deine Spielsucht dort so ein offenes Thema ist .





Zitat von: markus_anton am 12 Juni 2026, 22:05:10Ich habe übrigens die Woche angefangen, verschiedene Zitate und Gedanken hier aus dem Forum auf eine eigene Word-Datei zu kopieren und zu speichern. Dafür möchte ich schon mal jetzt bei Olli, andreasg und Isabell80 Danke sagen. Ich bin sicher auch ein Mensch der Sprache und der Worte und wertvolle Gedanken zu unserem Thema zu speichern und immer wieder abrufbar zu haben, hier oder besser noch im Gedächtnis, hilft mir auch ein bisschen ...

 

Ich hab's nicht so mit irgendwelchen Dateien , aber ich hab auch schon einige Zitate hier im Forum gesammelt (als Screenshots 😉) .
Das ich da mal in einem Satz mit Olli und Andreas genannt werde macht mich ein kleines bisschen stolz .




Schönes Wochenende und viel Spass heute Abend
Wer immer tut, was er schon kann ,
 bleibt immer das, was er schon ist .

Guten Morgen,

ich muss wirklich gleich weg, weil bald der Zug nach Wien losfährt.

@Olli: dass die Liebe offenbar die stärkste Kraft ist, spielfrei zu bleiben. Und ich mit fast 50 Jahren auch in der Hinsicht ein Newbie bin.

@Isabell80: ich habe jetzt leider nicht die Zeit, dir ausführlich zu antworten. Aber du hast grundsätzlich Recht und ich höre das von vielen Seiten. Nicht nur hier. Vielleicht kann ich es auch gar nicht beantworten. Ich habe vermutlich einfach Angst, dass mein mühsam zusammengebautes Kartenhaus (wieder fixer Job, eigene Wohnung) nach den für alle sehr fordernden Jahre der Bipolarität zusammenbricht. Und ich will einige Menschen wie meine Kinder, Eltern und Geschwister nicht nochmal so sehr enttäuschen. Jetzt, wo sie glauben, dass es läuft.

Wie gesagt, ich muss wirklich weg.

Schönes Wochenende und eine gute SHG-Gruppe heute,
Markus   

La vita e bella...

Hallo Markus - - Anton,

ich sehe mir gerade zur Entspannung Führerstandsmitfahrten der Eisenbahn an. Zur Zeit bin ich vie Youtube von Bregenz durch Arlberg nach Innsbruck unterwegd, das mal so nebenbei...

Die lieben Angehörigen nicht enttäuschen, die Angst, wieder Fehler zu machen, die Scham, daß ich ein spiesüchtiges Familienmitglied bin, das hat bei mir einen tiefen Hintergrund, und ich habe jahrelang Therapien gemacht, um da Ordnung in mein System zu bringen. Als meine Spielsucht aufflog, konnten meine Geschwister nichts damit anfangen, Heute kennen sie den wahren Hintergrund, den ich auch akzeptieren kann. Wenn ich daran denke, tut es immer noch weh, aber das Spielen ist keine Option mehr.
In der Genesung öffenen sich die Türen der Einsicht, Scham und Groll werden schwinden, das Vertrauen wird wachsen.

Ich wünsche Dir viel Kraft und Mut

Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

Zitat von: markus_anton am 13 Juni 2026, 09:47:50@Olli: dass die Liebe offenbar die stärkste Kraft ist, spielfrei zu bleiben. Und ich mit fast 50 Jahren auch in der Hinsicht ein Newbie bin.

Vielleicht reicht da ja auch erstmal die Liebe zu Dir selbst und zu deinem abstinenten Leben !
Wer immer tut, was er schon kann ,
 bleibt immer das, was er schon ist .

Zitat@Olli: dass die Liebe offenbar die stärkste Kraft ist, spielfrei zu bleiben.

Welche Liebe meinst Du denn? Die zu der Partnerin, die ggf. jahrelang belogen und betrogen wurde?
Die Person, die der Spieler immer wieder gegen seine Wand hat laufen lassen?

Diese Liebe ist nicht die stärkste Kraft. Das ist illosorisch.

Aber ... was den spielsüchtigen Partner wirklich berührt, dass ist die Verlustangst den Partner zu verlieren. Er war sich vor der Pistole auf seiner Brust sicher, dass er machen konnte, was er wollte.

Aus der Verlustangst kann aber sehr wohl wieder eine Liebe entstehen, der Selbstliebe. Das hat nichts mit Egoismus oder Narzissmus zu tun.
Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Guten Morgen,

Danke für eure Antworten und Rückmeldungen!

@andreasg:
Zitat von: andreasg am 13 Juni 2026, 11:06:30In der Genesung öffenen sich die Türen der Einsicht, Scham und Groll werden schwinden, das Vertrauen wird wachsen.

Dieser Satz hat für mich viel Kraft und gibt mir Hoffnung, mich doch bald zu outen gegenüber meinen Liebsten. Danke!

@Isabell80:
Zitat von: Isabell80 am 14 Juni 2026, 13:34:15
Zitat von: markus_anton am 13 Juni 2026, 09:47:50@Olli: dass die Liebe offenbar die stärkste Kraft ist, spielfrei zu bleiben. Und ich mit fast 50 Jahren auch in der Hinsicht ein Newbie bin.

Vielleicht reicht da ja auch erstmal die Liebe zu Dir selbst und zu deinem abstinenten Leben !
Ich weiß es nicht, aber versuchen will ich es.

Zitat von: Olli am 14 Juni 2026, 14:18:18
Zitat@Olli: dass die Liebe offenbar die stärkste Kraft ist, spielfrei zu bleiben.
Aus der Verlustangst kann aber sehr wohl wieder eine Liebe entstehen, der Selbstliebe. Das hat nichts mit Egoismus oder Narzissmus zu tun.
Ja, die Selbstliebe. Gar nicht so leicht, das. Aber versuchen will ich es.

Ich wollte mich noch vor dem Beginn der Arbeitswoche zurück melden aus dem Festival-Wochenende. Es war und ist alles weiter in Ordnung, was die Spielsucht betrifft. Das Rauchen habe ich übers Wochenende nicht aufgehört.

Einen guten Wochenstart,
Markus
La vita e bella...

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