ONLINE-Selbsthilfegruppe | Samstags von 19 Uhr bis 21 Uhr

Ich bin süchtig und habe mich und mein Leben runiniert

Begonnen von _josef_, 22 Juni 2026, 22:33:07

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Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Panda,
nach meinen Erfahrungen ist Sucht ein Symptom manisch-depressiver Veranlagung. "Nie wieder" macht es deutlich.

Ilona,
es bleibt die Konsequenz, dass das Kind seine Scheu überwunden und "abgedrückt" hat. Beim nächsten Schuss wird es ihm schon weniger schwer fallen und irgendwann ganz leicht, war ja nur Spiel.

Olli,
Glücksspiel verursacht genau genommen weder Gewinne noch Verluste. Das Geld hat ja ledig ein Anderer.
Allerdings verursacht Glücksspiel Steuern auf bereits versteuerte Einkommen. IdR wird privates Geld verzockt, aber die Gewinne der Glücksspielbetreiber sind steuerpflichtig. Glücksspiel liegt daher im Interesse des Staates.
Außerdem fördert Glücksspiel die Gewinnerzielungsabsicht und dient somit der Befleißigung. ;)

#18
Guten Morgen!

ZitatGlücksspiel liegt daher im Interesse des Staates.

Liegt es das wirklich? Dezeit sieht es nämlich so aus, dass das Geld ins Ausland wandert. Damit steht es dem inländischen Kreislauf nicht mehr zur Verfügung. Es schadet also der Wirtschaft!
Nicht umsonst heißt es, dass Glücksspiel ein demeritorisches Gut ist. Es schadet der Gesellschaft und auch dem Einzelnen. Es werden lediglich die Interessen der Lobbyisten verfolgt, nicht die des Staates selbst.

Zitatnach meinen Erfahrungen ist Sucht ein Symptom manisch-depressiver Veranlagung. "Nie wieder" macht es deutlich.

Kürzlich kaufte jemand ein Buch und erzählte daraufhin, was alles so auf ihn passen würde. Müsste dann nicht auch der Schluss, der in dem Buch gezogen worden ist, auf ihn zutreffen?
Du machst hier etwas anderes, im Grunde aber ist es doch das Gleiche. Du ziehst aus Deiner Diagnose eine allgemeingültige Regel. Doch so einfach ist das nicht. Wir Menschen sind komplexe Wesen. Und natürlich finden wir, wenn wir genauer hinschauen, überall Ähnlichkeiten. Ein Affe hat zwei Arme, Beine, hat eine Nase, einen Mund. Ist ein Affe daher auch ein Mensch?
Nicht jeder hat eine bipolare Störung, nur weil Du diese hast.
"Nie wieder" ist zumeist ein Versuch der Selbstmanipulation und Selbstüberzeugung. Ich weiss doch, dass ich mir schade, wenn ich spiele. Ich weiss, dass ich gegen Normen und Werte verstoße. Und doch tue ich es immer wieder und wieder. Also setze ich mir eine Grenze - was absolut richtig ist vom Grundsatz her. Wenn ich abstinent sein will, dann muss ich mir Regeln setzen und diese auch einhalten. Doch die Grenzen und Regeln müssen auch einhaltbar sein.
Als Spielhallenbesucher gab es da also nur eines: Betrete keine Spielhalle! In der Kneipe: Ich wechsele kein Geld fürs Darten am Spielautomaten. Ich berühre solch ein Teul erst gar nicht - halte Abstand. Ich drehe ihm den Rücken zu oder gehe sogar in einen anderen Raum, wenn möglich.
Nie wieder ist nur ein Ausdruck meiner eigenen Hilflosigkeit!
Und natürlich bin nicht nur unbedingt ich selbst Ziel dieser Manipulationsversuche. Wenn ich meinen Partner davon überzeugen kann - schaffe ich es dann nicht auch bei mir selbst?
"Nie wieder" wird damit zu einer Lüge! Sie ist eine unwahre Tatsachenbehauptung, da ich den Wahrheitsgehalt gar nicht zu diesem Zeitpunkt überprüfen kann. Ich versuche damit hemanden zu manipulieren und ich habe einen persönlichen Vorteil. Letzterer kann vielfältig sein: Der Spruch beruhigt mich  ... oder meinen Angehörigen. Vielleicht brauche ich mich mit der Thematik gar nicht mehr beschäftigen, denn nie wieder ist endgültig - Problem gelöst?!

Du begehst den "Fehler", und mal ehrlich, wer hat das noch nicht selbst erlebt, dass Du nur aus Deiner eigenen Bubble heraus Deine Schlüsse ziehst. Daher ist es immer wichtig, Erhahrungen aus den Universen anderer zu erhalten.
Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

#19
Guten Morgen Olli,

der Staat hat es in der Hand, Geld- und Gewinnabflüsse ins Ausland zu vermeiden. Es kann durchaus in seinem Interesse sein, wenn er das nicht tut, bspw. um nicht als Profiteur der Glücksspielsucht in Erscheinung zu treten oder um mit Liquiditätsengpässen die Kreditvergabe zu fördern, die Süchtigen also auch noch zu verschulden.
Das Machtgefälle zwischen Staat und Bürger resultiert regelmäßig aus Schaden an der Gesellschaft.

Manisch-depressiv ist der Mensch aufgrund seiner biologischen Verwandtschaft mit den Raubtieren. Der Affe mag kein Mensch sein, aber der Mensch ist ein Affe. Im Zuge seiner Kultivierung und Sozialisierung soll er davon möglichst viel ablegen und durch Bewusstsein ersetzen. Er kann dennoch in Situationen geraten, wo die Urinstinkte hervortreten, was dann zu den bekannten Kurzschlusshandlungen führt. Darauf beruht u. a. der Totalitarismus, der bekanntermaßen gezielt am Verstand vorbei argumentiert, um einerseits Ergebenheit und andererseits Massenhysterie zu erlangen. "Nie wieder" ist ein gebräuchliches Totschlagargument, um sich den Weg frei zu machen.
Suchtkrankheiten und Neurosen sind wesentliche Grundlagen totalitärer Regime, selbst angebliche Demokraten bedienen sich unterschwelligen Terrors, um mit Ängsten und Euphorien bei ihren Wählern landen zu können.
Das manisch-depressive am Menschen ist ein gebräuchliches Einfallstor für Manipulationen, jedoch nur solange er sich dieser Schwäche nicht bewusst ist.

Guten Morgen Loser ,
du machst aus nahezu jedem Einwand ein neues, noch größeres Erklärungsmodell. Erst geht es um Glücksspielsucht, dann um Bipolarität, dann um Konditionierung, dann um alle möglichen Süchte, anschließend um Evolutionsbiologie, Totalitarismus und den Staat. Dadurch wird die Diskussion immer abstrakter und der ursprüngliche Punkt verschwindet.
Was uns hier verbindet ist die Glücksspielsucht ( wie auch immer du diese Erkrankung für dich bezeichnen möchtest ).
Die meisten sind hier , weil sie spielfrei sein , spielfrei werden oder spielfrei bleiben wollen .

Was mich an deiner Argumentation irritiert, ist, dass am Ende kaum noch Hoffnung auf Veränderung bleibt. Wenn Biologie, Erziehung, Gesellschaft, Politik und Manipulation das Verhalten weitgehend bestimmen, bleibt vom eigenen Handlungsspielraum nur noch wenig übrig.

In der Suchthilfe ist die Erfahrung eine andere: Ja, es gibt viele Einflussfaktoren. Trotzdem können Menschen Verantwortung übernehmen, neue Verhaltensweisen lernen und dauerhaft spielfrei leben. Ohne diesen Glauben an Veränderung wäre jede Therapie und jede Selbsthilfe im Grunde sinnlos.


Gerade in einem Selbsthilfeforum halte ich deine Botschaft daher für problematisch. Viele Menschen kommen hierher, weil sie Hoffnung suchen.
Für Menschen, die gerade mit dem Spielen aufhören wollen, kann so etwas echt entmutigend sein.
Wer immer tut, was er schon kann ,
 bleibt immer das, was er schon ist .

#21
Hi Isabell,
ich bin zwar zugegebenermaßen mit Olli etwas abgeschweift, erwähnte jedoch schon in meinem ersten Kommentar, dass ich Sucht als Folge von Bipolarität sehe. Daran habe ich angeknüpft und halte es zur Bekämpfung von Sucht für zielführend, zunächst die Ursachen manisch-depressiven Verhaltens aufzuspüren.
Allerdings sehe ich bei dir einen Widerspruch: Gestern ging es dir noch darum, dass der Suchtkranke wieder Selbstkontrolle bekommt. Heute begnügst du dich mit Hoffnung auf Veränderung. Wo bleibt da der Kampfgeist?

Vielleicht sollte der Suchtkranke überhaupt erstmal Spielen lernen, also absichtlich Handlungen tätigen, die auf kein Ergebnis abzielen, damit er überhaupt den Ernst der Lage begreift, in die ihn die Sucht getrieben hat. Mangelndes Unterscheidungsvermögen resultiert mitunter aus Bedeutungslosigkeit, weil die Werte versagen und es daher nichts mehr zu verlieren gibt. Therapien und Selbsthilfebestreben können schlicht daran scheitern, dass der Süchtige deren Sinn nicht versteht. Warum sollte er sich der Sucht entledigen, wenn die Alternativen für ihn keinen Reiz haben? Suchtbefreiung zum Selbstzweck kann gähnende Leere hinterlassen. Hingegen kann es sehr erfüllend sein, das eigentliche Ziel zu definieren, dass der Süchtige mit seiner Destruktivität verfolgt, und ihn zu motivieren, es auf anderen Wegen zu versuchen.



Hallo,

ich sehe da keinen Widerspruch. Hoffnung auf Veränderung und Selbstkontrolle gehören für mich zusammen. Wer keine Hoffnung hat, wird kaum die Kraft aufbringen, an sich zu arbeiten. Und Selbstkontrolle entsteht nicht durch einen einmaligen Entschluss, sondern entwickelt sich Schritt für Schritt.

Was mich an deiner Argumentation stört, ist, dass du sehr schnell allgemeine Erklärungsmodelle entwickelst und sie auf andere überträgst. Du siehst Sucht als Folge einer Bipolarität. Das mag für einzelne Menschen zutreffen, ist aber keine allgemeingültige Erklärung für Glücksspielsucht.

Dass ein suchtfreies Leben mehr braucht als nur ,,nicht mehr spielen", sehe ich übrigens genauso. Ein neues Ziel, neue Inhalte und neue Perspektiven sind wichtig. Der Unterschied ist: Für mich ersetzt das nicht die Verantwortung für das eigene Handeln, sondern ergänzt sie.

Ich glaube, wir haben grundsätzlich unterschiedliche Sichtweisen. Deshalb belasse ich es dabei und wünsche dir alles Gute auf deinem Weg.
Wer immer tut, was er schon kann ,
 bleibt immer das, was er schon ist .

Hallo,

es st doch spannend, sich auf "the missing link", das fehlende Glied zu besinnen, so wie es Charles Dickens geleht hat. Ich habe mal dazu einen interessanten Film gesehen, der genau diese Spezies vor 4 Mio Jahren zeigte. Da kam eine Liebesszene darin vor, die so intensiv und emotional war, eben das Zusammentreffen von agapischer und erotischer Liebe im Zusammenspiel. Aber was sind 4 000 000 Jahre in der Berechnung des Universums?

Die Genesung von der Spielsucht geschieht an einem einzigen Tag, eben auch in einer Form der Liebe. Eine Liebe die stärker ist als die Sucht, und der süchtige Mensch braucht sich darum keine Gedanken zu machen, er braucht nur die Freiheit, das Leben in sich einzuatmen, gerade dann, wenn ein Licht am Ende des Tunnels erstrahlt, Dann kann er sich selber, sein eigenes Ich, begreifen, und sieht sich vielleicht als Homo Sapiens, und wenn er das erkennt, dann wird auch er anerkannt, an diesem Tag,

Nur für HEUTE

Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

Isabell,
sicherlich will auch Selbstkontrolle geübt sein, aber sie gedeiht nicht. Entweder übernimmt der Süchtige die Kontrolle und macht dabei am Anfang noch vieles falsch, oder er lässt es. Erstmal nur ein bisschen und dann mehr und mehr, geht nicht. Es kann nur einer das letzte Wort haben, der Süchtige selbst oder ein Anderer.

Bipolarität lässt sich durchaus verallgemeinern, denn in den Urinstinkten sind die Menschen sehr eng miteinander verwandt. Allerdings gibt es endlos viele individuelle Möglichkeiten, die Instinkte und damit die Suchtgefahr beherrschen zu lernen.

Ansonsten wünsche ich dir ebenfalls viel Erfolg!

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