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Ein kurzer Weg rein - Ein Langer Weg raus

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Ein kurzer Weg rein - Ein Langer Weg raus
« am: 06 Dezember 2019, 12:13:42 »
Hey,

kurz zu mir. Ich bin 28 Jahre alt und spiele eigentlich mehr oder weniger seit dem ich 18 Jahre alt bin. Bei mir hat es eigentlich schon als Kleinkind angefangen mich für Glücksspiel zu interessieren. Ich war immer der erste wenn es darum ging wollen wir MauMau oder Poker ( mit 5 Karten ) spielen. Aber wirklich angefangen hat es mit 18 als ich mit Freunden mein Sparbuch von damals 500 € in mehreren Monaten in Casinos beim Poker gelassen habe. Danach habe ich im Prinzip mehr oder weniger 2-3 Jahre gar nicht gespielt, weil keine Zeit oder andere Interessen. Irgendwann begann ich aber das Online Poker mit mehr Leidenschaft zu spielen. Ich war auch über eine sehr lange Zeit man nennt es Winningplayer. Ich habe tatsächlich 4 Jahre nebenher gutes Geld verdient ( 5-stelliger Betrag ). Es hat aber auch eine Menge Zeit gefressen. Als ich dann an meinem absolutem Hoch angekommen war was meine Spielerische Fähigkeit + mein Erfolg angelangen bin, dann habe ich aufgehört ich habe zu mir gesagt jo das reicht jetzt besser wird es nicht mehr. Ich habe es auch geschafft. ich habe auch die Lust am Poker verloren weil es für mich eine Art verpflichtung geworden war. Im Nachhinein würde ich sagen, war das mein größter fehler. Ich glaube ich hatte damals schon eine Art Spielsucht, auch wenn ich Geld gewonnen habe. Aber dadurch dass ich 3x die Woche gespielt habe, hatte ich gar kein Interesse an anderen Glücksspielformaten, weil ich auch immer gesagt habe, dort kann man langfristig nicht gewinnen dass ist einfach nur dumm.

Dann nahm das Unheil seinen Lauf. Anfang 2019 habe ich einfach hust for fun mal bisschen gewettet und gleich natürlich mega abgeräumt aus 100 € irgendwie 25k gemacht. Man muss dazu sagen ich habe mir von dem ganzen Geld auch viele gute Sachen geholt einen Traumurlaub mit der Freundin finanziert ein Auto gekauft eine komplette Wohnung eingerichtet. Also für das ganze sind schonmal knapp 20-25l drauf gegangen. Das soll aber in keinsterweise mich rechtfertigen oder dass schmälern was danach passiert ist. Ich glaube auch dass ich da schon selber zwischendurch gemerkt habe das Geld für mich gar keine Rolle spielt. Es war einfach nur fiktiv. Es war genug da ich musste mir keine Sorgen machen. Ich habe also den Bezug zu Geld total verloren, aber wirklich komplett. So wie es leider vielen Pokerspielern geht die ich kenne.

Aufjedenfall fing ich dann natürlich an mehr zu wetten. Die Summen wurden immer absurder. 5000 10000 auf eine Wette waren da keine Seltenheit. Ich habe immer versucht wenn ich eine verloren habe sofort das wieder rein zu holen und dann nochmehr zu gewinnen. Es war ein Teufelskreis in dem ich mich befunden habe. Im Mai war es dann soweit ich wusste mein Geld wird langsam knapp ich war mir  dem durchaus bewusst. Ich kam zu dem Punkt wo ich 5.000 € aufgenommen habe und das zwar einfach so weil ich wieder 5.000€ mehr haben wollte, was im nachhinein Komplett dumm war. Ich habe den Kredit auch nur auf 12 Monate festgelegt und zahle natürlich jetzt schön 450 € im Monat (Das ist wichtig für später). Dann habe ich eine Zeit lang nicht gewettet aber in Aktien und BTC's investiert. Die Aktien liefen eigentlich super fast 200% gestiegen in 2 Monaten aber dann bekam mich wie so oft die Gier. ich wollte mehr also habe ich wahllos getradet und das im absurdem maß. Wir reden hier von 100k geld eingängen und 105k geldausgängen oder so. Also wirklich ohne Sinn und Verstand. Ich habe dann irgendwann die Reizleine gezogen nachdem ich weit im Dispo war. Dan kam leider ein Schritt der unumgänglich war wohl damals ich musste wieder einen Kredit aufnehmen diesmal 10k und über 3 Jahre als eine Rate von knapp 300 €. Dann auch disipliniert gewesen aber irgendwann dann einfach wieder aus Langeweile mit dem Wetten angefangen bis vor kurzem dann wirklich alles versucht um da wieder raus zu kommen.

Seit gut einer Woche lese ich mir regelmäßig Beiträge durch von euch, damit ich mir vor Augen führen kann wie schlimm das ist und dass ich das mit allen Mitteln verhindern will bei mir. Ich habe knapp 2100 € netto im Monat was durch aus sehr gut ist. ich bezahle für Lebensmittel + strom + handy + miete + tanken etc. 1200 € im Monat. Es bleiben mir also 900 €. Da ich aktuell leider 750 € abgeben muss und ich im Dispo mal wieder am Anschlag bin. Ist die Lage also durchaus prekär. 
Ich habe für mich den Entschluss gefasst, mit dem ganzen Scheiß den Rücken zu kehren. ich weiß bei mir ist der Zug noch nicht abgefahren und mir ist auch bewusst, dass ich noch nicht wie viele hier schreiben am absolutem Tiefpunkt bin. Ich bin mir aber auch sicher, dass ich es dazu gar nicht kommen lassen will. Ich weiß wofür ich kämpfe. Ich kämpfe für meine Freundin, für meine Eltern, für meinen Neffen und für meinen Traum nach Australien auszuwandern. Das alles halte ich mir vor Augen und ich bin mir sicher, dass ich diesen Weg erfolgreich bestreiten will. ich habe mir einen ganz ganzen plan ausgemalt wie ich es machen werden. Ich habe es in verschiedene Phasen eingeteilt. Mein erster Schritt ist es 30 Tage einen komplett sauberen kontoauszug zu haben, sprich ohne jegliche Paypal abbuchung oder etc. Dann möchte ich nach 3 Monaten mir eine kleine Belohnung einbauen und zwar einen Wellnessurlaub für mich und meine Freundin. Nach 6 Monaten ist dann der Kredit von 5000 abbezahlt und ich will jeden Monat ein Stück vom Dispo abfressen. Mein Plan ist Ende 2020 den dispo auf 0 zu haben stand jetzt 6000 €. Das ist durchaus realisitisch im Jahr 2020 steht kein Urlaub an da meine Freundin noch studiert und nächster Jahr die Masterarbeit ansteht.

Ich will euch hier auf dem Weg begleiten und werde mir weiter jeden Abend andere Geschichten durchlesen um mir vor Augen zu halten, was passieren kann wenn ich weiter so mache. Ich bin überzeugt, dass ich es schaffen werde.

Spielfrei seit dem 01.12.2019

Re: Ein kurzer Weg rein - Ein Langer Weg raus
« Antwort #1 am: 06 Dezember 2019, 13:09:30 »
Willkommen,

Zitat
Ich habe für mich den Entschluss gefasst, mit dem ganzen Scheiß den Rücken zu kehren. ich weiß bei mir ist der Zug noch nicht abgefahren und mir ist auch bewusst, dass ich noch nicht wie viele hier schreiben am absolutem Tiefpunkt bin. Ich bin mir aber auch sicher, dass ich es dazu gar nicht kommen lassen will. Ich weiß wofür ich kämpfe. Ich kämpfe für meine Freundin, für meine Eltern, für meinen Neffen und für meinen Traum nach Australien auszuwandern. Das alles halte ich mir vor Augen und ich bin mir sicher, dass ich diesen Weg erfolgreich bestreiten will. ich habe mir einen ganz ganzen plan ausgemalt wie ich es machen werden.

Auch ich dachte dies am Anfang das es einfach so sein wird denn auch ich hatte einen Plan aber ich kann dir aus Erfahrung sagen, dass ich das Thema übelst unterschätzt hatte und danach voll abgesoffen bin. Obwohl ich mich unverzüglich bei einer Suchtberatung gemeldet hatte und umgehend nach dem ersten Termin einer Gruppe beigetreten bin konnte mich das nicht vor dem tiefen Fall bewahren denn ich war so fest von mir Überzeugt das ich es mir einfach nicht vorstellen konnte von diesem Weg abzukommen denn ich wusste ja was auf dem Spiel stand.

Letztendlich hatte ich diverse Rückfälle und musste das Erlebte in der Gruppe und in Einzelgesprächen aufarbeiten, was mir erst nach Monaten gelungen ist, erst nachdem ich mich mit "loslassen" und man soll dem Geld nicht hinterhertrauern, intensiv reflektiert hatte. Ab diesem Zeitpunkt und als selbiger eingetreten ist konnte ich mit dem ganzen wirklich umgehen.

Würde an deiner Steile mal einen Termin bei der Suchtberatung machen - glaub mir, schaden tut das nicht sondern hilft ungemein mit der Sache umgehen zu lernen.

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Offline andreasg

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Re: Ein kurzer Weg rein - Ein Langer Weg raus
« Antwort #2 am: 06 Dezember 2019, 13:51:19 »
Hallo Thorsten,

ich bin ungrmein sn der Fortsetzeng Deiner Geschichte interessiert,  sie liest sich wie ein Drehbuch.  Ich weiß nur nicht, ob Lustspiel oder Tragödie,  fadt wie Schillers "Kslale und Liebe".

Ich möchte aber weder die eine, noch die andere Geschichte auslegen,  sondrrn bei mir bleiben,  mein Bsnkgespäch im Brisein meiner Schwester, hier als Beispiel genannt.

Ich möchte mich gerne Born anschließen,  verweise hier auf die Hotline, und auf die Tagebuch Funktion.

Herzlich willkommen
Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

Re: Ein kurzer Weg rein - Ein Langer Weg raus
« Antwort #3 am: 06 Dezember 2019, 17:35:25 »

Hallo Torsten,


Ich kämpfe für meine Freundin, für meine Eltern, für meinen Neffen und für meinen Traum nach Australien auszuwandern


So wird das nix,Du machst Dir selber was vor.du mußt für Dich nicht für die Anderen mit dem Spielen aufhören.


Deine Ziele sind auch viel zu Hoch gesetzt.

Nehme Hilfe an,Kontakt mit einer Sebsthilfegruppe wäre der erste Schritt.

 LG
 Norbert

Re: Ein kurzer Weg rein - Ein Langer Weg raus
« Antwort #4 am: 06 Dezember 2019, 18:12:00 »
Da muss ich Norbert zustimmen. Man kämpft bei einer Sucht immer nur gegen sich selbst und die anderen sind erst einmal nicht relevant.

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Hannover83

Re: Ein kurzer Weg rein - Ein Langer Weg raus
« Antwort #5 am: 07 Dezember 2019, 02:09:04 »
Bei mir hat ein 450 Euro Job kurzzeitig geholfen (neben meinen Hauptjob) ein realistisches Gefühl zum Geld wieder zu bekommen. Ich habe Regale eingeräumt morgens 4 Stunden lang - nur 9 Euro die Std. - es hat eine Zeit lang echt gut funktioniert. Aber auch leider nur ein paar Monate. Dann habe ich mal wieder den Dispo usw über 7k völlig ausgeschöpft... Hätte ich mir noch zu dem 2. Job paar Hobbies gesucht, so hätte ich wahrscheinlich garnicht die Zeit gehabt - zu solchen Dummheiten - das verlorene Geld mit allen möglichen Mitteln versuchen zurückzuholen... ein echter Teufelskreis ! Hutab ich dachte immer Alkoholkonsum oder Drogen sind schlimm und man wird bestimmt schnell süchtig - inzwischen denke ich, dass das OC noch viel schlimmer ist.

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Offline andreasg

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Re: Ein kurzer Weg rein - Ein Langer Weg raus
« Antwort #6 am: 07 Dezember 2019, 09:57:14 »
Nicht das Geld, nicht die OC,s tragen die Schuld,  es ist virlmehr das kranke Hirn, daß einen Spiel -  süchtigen steuert.

Deshalb ist es für mich immer wichtig meine Finsnzielle Inventur zu wiederholen,  dh. auch täglich mein Haushaltsbuch zu aktualisieren.

Die Verstandeskräfte wollen geübt werden,
das Gehirn eines Spielers ist völlig überfrachtet, was im Gegensatz zum Alkoholismus eine Behandlung deutlich erschwert.
Sowrit aus einem Vortrag einer Neurologin,

Ich wünsche einen schönen Tag
Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

Re: Ein kurzer Weg rein - Ein Langer Weg raus
« Antwort #7 am: 09 Dezember 2019, 17:39:37 »
So,

das Wochenende ist rum und der Alttag kommt wieder. Das Wochenende war sehr entspannt. Ich konnte nach langer Zeit mal wieder mit meinem Lieblingsverein mitfiebern. Da ich in den letzten Wochen immer große Summen gegen Sie verwettet hatte. Auch konnte ich die gesamt BuLi Konferenz verfolgen ohne mir dadrüber Gedanken gemacht zu haben, was ich denn getippt hätte und ob ich gewonnen hätte. Es fühlt sich aktuell sehr gut an, da ich das Wetten am Ende auch nur noch als Last gesehen haben. Es hat mir keinen Spaß mehr gemacht, sogar beim Gewinnen hat mir der kick gefehlt. Er war einfach nicht mehr da. Ich bin sogar ein bisschen froh, dass ich jetzt mit dem Rücken zur Wand stehe, das klingt irgendwie komisch, aber so ist es. Bis jetzt bin ich spielfrei und fest entschlossen, dieses auch weiter durch zu ziehen. Auch in Sachen Romantik merke ich wieder wie gut es mir und meiner Partnerin tut. Als ich unkontrolliert gespielt habe hatte ich gar keine Lust auf romantische Zeit weil ich nur wissen wollte wie meine Wette ausgeht und jetzt seit dem ich den Schlussstrich für mich gezogen habe, kommt diese auch wieder. Ich merke wie sehr ich die Zeit mit meiner Freundin genieße. Ob es die Stunden auf dem Weihnachtsmarkt oder dass Arm in Arm liegen auf der Couch ist. Das ist das ein Mensch wirklich brauch. Die Geborgenheit die Vertrautheit, also so ist es bei mir auf jeden fall. Und dadurch wird mir mehr und mehr bewusst, was ich dabei bin aufs Spiel zu setzen. Und wenn man bedenkt was man gewinnen kann wenn man spielt und was man gewinnen kann wenn man nicht spielt bzw was ich verlieren könnte. Dann ist es der Einsatz definitv nicht wert.

Ich weiß aber auch dassnur ein kleiner Schritt ist und dass ich den Rest meines Lebens damit kämpfen werde. Die Schuldenlast ist zwar groß aber sie ist nicht un überbrückbar. Ich habe keinen Schufa Eintrag, ich habe ein Auto was komplett abbezhalt ist und ich habe eine Familie die hinter mir steht. Ich werde weiter alles geben und stark bleiben. ich wünsche euch allen eine Spielfreie Woche und ich melde mich am ende der Woche wieder bei euch.

Spielfrei seit 8 Tagen.

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Offline Wolke

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Re: Ein kurzer Weg rein - Ein Langer Weg raus
« Antwort #8 am: 09 Dezember 2019, 19:48:23 »
Hallo Thorsten,

sei mir bitte nicht böse,aber alle ,die in den ersten Tagen und Wochen so euphorisch klingen,da geht es meistens schief.

Deine finanzielle Kalkulation ist sehr knapp berechnet,du brauchst einen kleinen Puffer für unvorhergesehene Dinge die immer passieren können. Deine Ziele,da hat Norbert recht,sind was zu hoch gesteckt. Gib dir mehr Zeit zum Abbezahlen,lege Pufferzonen an,führe ein Haushaltsbuch,aber belohne dich auch immer wieder mit Kleinigkeiten.

Was unternimmst du gegen die Sucht? Beratungsstellen,SHG,Therapie ( ambulant,stationär  oder eine Verhaltenstherapie)? Gibst du deine Karte ab,also übernimmt jemand deine finanziellen Dinge oder wurschtelst du da für dich weiter rum? Wer weiß von deiner Sucht,wen hast du zum Reden? Was ist dein.Notfallplan,wenn der Suchtdruck kommt?

Viele Fragen und ich würde mir wünschen,dass die dich zum Nachdenken anregen und du antwortest. Denn nur hier im Forum lesen ist zu wenig.

LG Wolke

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Lexlander

Re: Ein kurzer Weg rein - Ein Langer Weg raus
« Antwort #9 am: 09 Dezember 2019, 21:32:44 »
Guten Abend zusammen , ich muss da Wolke völlig Recht geben. Auch ich hab vor einem Monat gedacht , jetzt kannst du schön deine Schulden abbezahlen wenn du nicht mehr spielst. Aber es ist durchaus nicht einfach sich ein paar Groschen auf die Seite zu sparen . Ich persönlich habe das finanzielle mittlerweile etwas hinten angestellt , auch wenn es mich weiterhin sehr sehr stark belastet . Wichtig ist gerade meine Gesundheit . Ich habe gestern ein langes Gespräch mit meiner Frau geführt und beschlossen, bei meiner nächsten Sitzung bei meinem Therapeuten eine ambulante Therapie anzusprechen . Bei der Krankenkasse war ich dsbzgl. auch schon . Ich habe hier sehr viel Glück einen guten Berater zu haben , der mir diesen Schritt ebenfalls nahegelegt hat . Ich bin seit 01.11.2019 spielfrei, aber von Euphorie ist bei mir leider nicht wirklich was zu spüren . Aber ich spüre die magische Zeit , denn ich habe 3 wundervolle Kinder und eine wundervolle Frau die mir momentan sehr viel Kraft geben und mich daran glauben lassen den richtigen Weg zu gehen . Ich wünsche auch dir lieber Thorsten alles erdenklich Gute , aber alleine ist es sehr schwierig diesen steinigen Weg zu meistern . LG und einen schönen Abend .

Re: Ein kurzer Weg rein - Ein Langer Weg raus
« Antwort #10 am: 17 Dezember 2019, 11:12:34 »
Erstmal Danke für eure Antworten.

Am Anfang kurz was zu euren Fragen und Äußerungen. Mit dem Punkt, dass mein Ziel zu hoch angesetzt war/ist. Da gebe ich schon Recht. Es ist sehr sportlich und ich habe mir darüber auch nochmal meine Gedanken gemacht. Ich glaube es macht mehr Sinn meine Ziele in Etappen einzustufen, also wirklich Step by Step. Mein erster Schritt wäre erstmal dass ich komplett Spielfrei bin, dass ist der wichtigste Schritt und ohne den geht es nicht. Das bin ich auch seit dem 01.12.2019 immernoch. Der Spieldruck ist aktuell nicht so hoch wie befürchtet, aber denke dass wird noch kommen. Aber auf diesen Moment bin ich vorbereitet.

Nein ich werde meine Karten nicht abgeben. Ich plane aktuell auch keine SHG, da ich bis jetzt noch nicht wirklich versucht habe Abstinenz zu sein. Einen Versuch es selbst zu schaffen will ich wagen, ich weiß dass viele von euch sagen werden ach das schafft man nicht ohne Hilfe und dem bin ich mir auch bewusst, auch wenn es nur sehr wenige schaffen ohne jegliche Hilfe. Warum soll ich nicht die Person sein die es schaffen kann. Ich weiß dass ich das schaffen kann und ich weiß dass auch meine Partnerin an mich glaubt. Mich und Sie zu enttäuschen wäre das schlimmste was ich tun kann. Die letzten zwei Wochen wo ich spielfrei war haben mir wirklich gezeigt, dass ich das einfach nicht brauche um glücklich zu sein. Viele von euch mögen nicht an mich glauben oder denken ach das schafft der eh nicht. Ich werde euch auf dem Weg begleite, so wie in negativen Zeiten ( die nicht kommen werden ), sowie auch in den guten Zeiten.

Mein erster Step wäre es erstmal meinen Kredit welcher bis Mai 2020 noch läuft abzulösen vorzeitig weil die Rate von 450 € mich belastet. Ich denke realistisch betrachtet wäre ich zufrieden wenn ich den kredit im März mit meinem Urlaubsgeld auslösen könnte. Wir sprechen hier von aktuell 2050 € im März dann entsprechend 1200 € weniger.

Danach ist es mein Ziel langsam mein Dispo abzuknabbern, dass wird deutlich länger in Anspruch nehmen. Ich habe einen Dispo von 7500 € und den völlig ausgeschöpft. Einen neuen Kredit hierfür aufnehmen ist aktuell kein Thema. Hierfür setze ich mir kein Ziel, ich will einfach Erfolge sehen, also dass ich es wirklich schaffe jeden Monat davon bisschen runter zu kommen. Ausgenommen sind natürlich Anschaffungen die man nicht vorhersehenkann. Ich habe aktuell noch ein finanzielles-polster von knapp 1500 €. Wenn die weg wären dann wäre ich komplett Pleite.

Zur letzten Woche. Die Woche verging wie im Flug und die kommende Woche wird es auch sein. Ab morgen werde ich bis Samstag beruflich unterwegs sein, das heißt ich werde die Abende alleine verbringen und darauf bin ich schon gespannt wie ich das meistern werde. Ich bin aber zuversichtlich dass ich stark bleiben werde. Die Weihnachtstage werden auch sehr besinnlich und dort wird nicht viel Zeit sein um über das Zocken nachzudenken.

In dem Sinne eine schöne Spielfreie Woche

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Offline taro

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Re: Ein kurzer Weg rein - Ein Langer Weg raus
« Antwort #11 am: 17 Dezember 2019, 13:00:54 »
Moin moin,

natürlich kannst du auch ohne SHG spielfrei werden. Man kann auch Fahrrad ohne Luft im Reifen fahren. Bei beidem ist doch die Frage, warum sollte jemand soetwas idiotischen tun? Glaubst du wenn du Dich selber deutlich langsame als in der SHG entwickelst und unter widrigen Bedingungen trotzdem spielfrei wirst, gibt es dafür Bonudpunkte? Gibt es nicht!
Die Sucht geht in die Tiefe, ins unbewusste, da gilt es Stück für Stück ranzukommen. Keine Angst, einmal angefangen ist der Zugewinn für Dein Leben so enorm, das ist es Wert.

Taro

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Offline Olli

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Re: Ein kurzer Weg rein - Ein Langer Weg raus
« Antwort #12 am: 17 Dezember 2019, 13:47:51 »
Hi Thorsten!

Mensch, was hast Du es nötig Dir selbst Dein Ego auf Hochglanz zu polieren ...

Zitat
Der Spieldruck ist aktuell nicht so hoch wie befürchtet, aber denke dass wird noch kommen. Aber auf diesen Moment bin ich vorbereitet.

OK, dann frage ich mal nach, wie Deine Vorbereitungen aussehen.
Dass der Suchtdruck kommen kann, liegt ja mehr als nur im Bereich des Möglichen.
Und was dann?
Eigentlich muss hier aber schon vorher angesetzt werden mit der Frage: Was kann ich tun, um den Spieldruck gar nicht erst entstehen zu lassen?
Ja, man kann ihm entgegen wirken. Gänzlich ausschließen lässt er sich natürlich nicht.
Also - was kannst Du hier und jetzt schon tun, um dem Spieldruck entgegen zu wirken?

Das ist ein verdammt komplexes Thema. Kennst Du Dich da schon aus?

Eine SHG ist ein Zusammenschluss Gleichgesinnter, die ihre Erfahrungen und Gedanken teilen.
Ihr Ziel ist es sich selbst besser kennen und verstehen zu lernen.

Wenn Du also irgendwann einmal doch in eine SHG gehst, dann benötigst Du die Bereitschaft an Dir zu arbeiten.
Das ist nichts Schlimmes - ganz im Gegenteil - es macht sogar Spaß.
Nicht jeder Mensch hat den gleichen Erfahrungsschatz im Umgang mit seinen Emotionen.
Das lässt sich aber erlernen - oder besser - erfahren, wenn Du in solch eine Gruppe gehst.
Du darfst Dich dort an den Erfahrungen der Anderen nach gut Dünken bedienen.

Und nun folge ich Deinen Worten in Deinem letzten Beitrag.
Erkennst Du die enorme Risikobereitschaft darin?
Du machst Pläne für die Zukunft - jonglierst in Gedanken mit Deinen Krediten wie Du was am schnellsten abbezahlst.

Was ist denn hier anders als bisher? Eigentlich nichts - oder?
Wo ist die Bereitsschaft aktiv an Dir zu arbeiten?
Vielleicht den Gründen der Sucht auf den Grund zu gehen?
Wieder nichts ...

Verabschiede Dich doch mal von dem Gedanken eine SHG wäre ein Straflager oder so ein amerikanisches Bootcamp.
Oder fühlst Du Dich gar als Versager? Wenn Du in SHG gehst, dann käme dies einem "Idiotentest" fürs Leben gleich?

Deine Argumentation ist gar keine - es sind Ausreden - Punkt.

Selbsthilfegruppe - ein zusammengesetztes Wort aus Selbsthilfe und Gruppe.
Ja, sogar die Selbsthilfe kann ich noch einmal splitten in die "Hilfe" für mich "Selbst".

Dort muss ich niemandes Erwartungen erfüllen. Dort bin ich - ich selbst.
Niemand zwingt mich etwas zu sagen - aber ich darf, wenn ich will.
Ich kann auch einfach nur zuhören.

Manchmal jammert jemand rum - mache ich das etwa auch?
Dann wieder lügt sich jemand in die Tasche - wenn ich das erkenne, wieso erkennt er es selbst nicht? Mache ich das in meinem mir eigenen Universum etwa auch?
...
Es gibt dutzende - ach was - tausende solcher Situationen, in denen ich mich mit den Personen assoziieren kann.
Da sind aber auch die anderen - die, wo jemand beschreibt, wie er ein bestimmtes Problem gelöst hat. Lässt sich das auch in meinem Lebensbereich anwenden?
Oder versuche ich doch lieber die ähnliche Sache, oder gar Alternative der anderen Gruppenmitglieder?

Was sind Emotionen? Welche Arten gibt es? Habe ich die Kompetenz sie zu erkennen? Lebe ich das Gefühl offen oder doch lieber im Verborgenen?
Was wäre hilfreicher für mich?

Kürzlich - in einem Workshop - saß ich Rücken an Rücken mit jemandem auf dem Boden.
Ziel war es den anderen fort zu schieben - das war die Aufgabe der Übung.
Dahinter steckte aber einfach der Sinn heraus zu finden, ob ich offen - oder verhalten, ggf. nach innen gerichtet agressiv bin.
Ich hatte kein Problem damit meine körperliche Kraft zur Lösung der Aufgabe einzusetzen.
Ich war nicht verhalten - hatte keine Scheu.
Das war mir vorher nie bewusst.
Nein, ich prügele mich nie - oder zwiebele jemanden aus Spaß an der Freude meine Faust über den Schädel.
Im Gegenteil - ich bin sehr harmoniebedürftig - mag keinen Streit. Ich freue mich, wenn Andere sich wohl fühlen in meiner Gegenwart.
Tja, was bringt mir die Erkenntnis jetzt?
Für die Zukinft? Keine Ahnung ... ich werde sehen was passiert, wenn es mal soweit ist das Wissen anzuwenden.
Für die Vergangeheit verstehe ich nun ein wenig mehr, wieso ich wie mal reagiert habe.

Aber Du bist ja vorbereitet - Du kennst das alles schon ...

Wieso sagst Du nicht einfach die Wahrheit und gibst zu, dass Du Schiss hast Dich einer Dir neuen Situation auszusetzen?

Hier musst Du nicht den starken Macker mimen. Wir haben alle unsere kleinen Ängste.
Ihnen kann aber die Macht genommen werden, wenn wir als Gruppe darüber reden.

Es ist also nicht die Frage, ob Du in eine SHG musst, sondern ob Du sie Dir gönnst.
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Ein kurzer Weg rein - Ein Langer Weg raus
« Antwort #13 am: 17 Dezember 2019, 15:28:10 »
Naja, aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich mir zwar Hilfe geholt habe aber vor einem Rückfall hat mich das auch nicht bewahrt da ich auch so von mir überzeugt gewesen bin und das trotz der SHG.

Erst nach Monaten hatte ich, und das mit Hilfe der SHG, gelernt, wie ich damit umzugehen habe und mir einen Weg an mein Ziel erarbeitet. All das ist ein Prozess der nur langsam vonstatten geht und nur mit Hilfe der SHG war es mir überhaupt möglich diese Prozessfindung in Angriff zu nehmen.

Du willst das alles ohne SHG oder Suchtberatung angehen und dies wird zum Scheitern verurteilt sein.
« Letzte Änderung: 17 Dezember 2019, 15:30:01 von Born4Nothing »

Re: Ein kurzer Weg rein - Ein Langer Weg raus
« Antwort #14 am: 05 März 2020, 13:34:57 »
Hallo alle zusammen,

ich möchte mich nach gut 12 Wochen auch nochmal melden. Das wichtigste zu beginn. Ich bin die kompletten 12 Wochen Spielfrei geblieben. Und Der Spieldruck war gerade Anfang des Jahres enorm, wo Super Bowl Austalien Open etc. war. Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich widerstehen konnte. Es ist aber noch ein sehr sehr weiter Weg vor mir und die Gedanken habe ich immer noch und das Thema Finanzen belastet mich immer noch. Ich trauer dem Verloren Geld nicht hinterher. Doch aktuell habe ich keinen Spielraum, dass ist wohl das falsche Wort :D Ich habe aktuell keinen Puffer und der Dispozins und die Gebühren für die Kreditkarte fressen mich auf. Jetzt am 15.3 ist endlich die letzte Rate von einem meiner Kredite fällig welcher mich pro Monat 500 € gekostet hat. Mein Finanzplan muss ich leider an die Wand schlagen und habe es auch gesehen dass das so nicht realisierbar ist. Ich habe auch davon Abstand genommen mir ein fianzielles Ziel zu setzen, denn das macht keinen Sinn und ist nicht produktiv. Viel mehr ist es mein Ziel weiterhin Spielfrei zu sein und heraus zu finden, warum ich angefangen habe und warum es so ausgeartet ist. Auch die Romantik ist total zurück, in Zeiten wo ich gespielt habe, konnte ich nie abschalten weil ich auf jeden möglichen Scheiß gewettet habe. Am Anfang, war dass noch schwer weil diese Routine dadrin war, dass Handy in die Hand zu nehme und die Ergebnisse zu checken. Teilweise bin ich Nachts wach geworden und habe die Ergebnisse gecheckt. Ich schlafe seit 2-4 Wochen endlich durch und darüber bin ich wirklich froh, denn ich war so oft total kaputt morgens weil ich kaum ein Auge zugemacht habe, wegen all möglichen Gedanken, wie es weitergehen soll. Doch mit meiner Partnerin an meiner Seite werde ich stark sein und auch weiterhin Spielfrei bleiben.
 

 

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