Mutze berichtete in ihrem Tagebuch von ihrer Kirchenkneipe. Sofort fingen bei mir die Assoziationen an zu feuern ...
Ich bin zwar katholisch erzogen worden, doch wirklich gläubig war ich nie. Und ja, ich mache das auch an unserem Pfarrer R. abhängig. Wie oft mussten wir uns seine runtergerasselten Reden reinziehen. Da war kein Feuer, keine Ehrgeiz ... nur Abspulen eines Programmes. Ich kam mir vor, wie bei einer Propagandaveranstaltung. Kurz nach der Lehre bin ich daher auch ausgetreten ...
Die katholische Kirche bot bei uns eigentlich gar nichts an. Der Vater einer Klassenkameradin bot hingegen als Pastor einer evangelischen Kirche ein weitreichendes Freizeitprogramm für alle Altersklassen an.
Naja, kein Wunder also, dass in der Generation meiner Eltern noch eine Kneipenkultur herrschte. Alleine im Umkreis der katholischen Kirche, sagen wir im Radius von 100 m, gab es 4 Kneipen. Treppchen, Ratskeller, Zum Rohr und Baumann. In diesem Ortsteil selbst, damals eine recht kleine Gemeinde, gab es aber weitere 12 Kneipen.
Mein Vater erzählte, wie einige Leute Sonntagmorgen in die Kirche liefen, um die Kommunion im Anschluss mit etwas Flüssigem runter zu spülen. So mancher Wochenlohn muss da schon mal dran geglaubt haben.
Doch eine Lokalität nach der anderen wurde im Laufe der Jahre geschlossen. Einen wahren Schub gab es 2012 mit dem Nichtraucherschutzgesetz.
Wer kennt es nicht, dass bei einer Hochzeit die Braut entführt wird ... heute frage ich mich ... WOHIN?
Der Bräutigam musste die Braut suchen und in jeder Kneipe, die er dazu aufsuchte, eine Runde geben. Es gibt hier nichts mehr wohin eine Braut entführt werden könnte ... immerhin schont das den Geldbeutel und die Leber ...

Ein paar Stunden noch und der Sturz "wöchelt" sich zum 1. Mal. Wusstet Ihr eigentlich, wie kompliziert ein Aufstehen aus einer liegenden Position ist? Oder das Drehen im Bett von der linken auf die rechte Seite? Wie viele Muskeln dabei arbeiten sollen und wisst Ihr, was passiert, wenn Ihr durch die Verletzungen keine Körperspannung aufbauen könnt?
Nix passiert ...
Also muss, um die Bewegungen auszuführen, in den Schmerz gegangen werden. Anfang der Woche war das echt böse, Doch von Tag zu Tag wurde es besser. Diese Nacht habe ich das erste Mal wieder durchgeschlafen. Der Positionswechsel klappte also wieder automatisch.
Für das Aufstehen von der Couch hatte ich mir eine Krücke genommen und habe sie seitlich an eine Brüstung gehalten. so konnte ich mich in eine Richtung schon einmal daran schieben. Doch auch hier war Körperspannung gefragt, um ein Aufstehen daraus zu machen.
Trotz alledem will und kann ich mich nicht beschweren. Es hätte viel schlimmer kommen können. Immerhin benötigte ich keine Hilfe für meine täglichen Aktivitäten. Vielleicht sollte ich mir aber eine Sockenanziehhilfe zulegen? Vorsichtshalber? Für den nächsten Sturz?
Eine Rippe, die die Lunge durchbohrt hätte ... ein Schenkelhalsbruch ... und ich läge im Krankenhaus mit Rundumversorgung. Die Medis wären dann sicherlich auch um einige Stufen stärker ... den Schmerzen angepasst ...
Nö,
danke, dass ich darauf verzichten darf!
Jetzt stellt sich noch die Frage, ob ich mich morgen noch einmal krank schreiben lasse oder nichtl Gestern im Meeting konnte ich zwar die zwei Stunden aufrecht sitzen, doch das Aufstehen danach brauchte doch wieder einen Moment.
Der innere Kritiker, der mir da anerzogen wurde, der schimpft mich als Weichei ... "Du wirst da gebraucht, lasse die Kollegen nicht im Stich!" und Ähnliches. Die kleine Stimme der Vernunft hingegen geht fast unter ... "Es dankt Dir keiner, wenn Du Dich nachher quälst" ... "Die Gesundheit geht vor!" ... "Nichts ist so eilig, als dass es nicht noch einen Tag warten könnte!"
Ich rufe morgen früh erst mal bei der Orthopädin an ...