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Hallo Gast
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solche Sorgen....

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Re: solche Sorgen....
« Antwort #30 am: 03 Juli 2025, 13:32:38 »
Mahlzeit!
Ich versuche mal eine kleine Schleife zu euren Einschätzungen von gestern Abend! Ich freue mich, dass ihr meine Geschichte lest- Anteil nehmt und mich/uns (meinen Mann und mich) so unterstützt. Das tut echt gut. Danke!
@Rubbel: "..... warum du das OKAY zum Weichwerden anstrebst"... weil ich AUF DEN ARM will, weil ja sagen viel leichter ist als nein sagen, weil loslassen mehr Kraft kostet, als festhalten. Manno!
Und zum Thema Schützenfest: das ist hier DAS Fest. Dorf im Ausnahmezustand. Geschäfte geschlossen (sogar die Bank). Natürlich kann man da bei den heutigen Preisen locker 300,-€ ausgeben- auch an einem einzigen Abend. Wenn man es sich denn leisten kann- und leisten will. Wohl aber nicht, wenn man das Geld an die digitale Gauselmann-Gruppe verloren hat....
@Olli: " wir Spieler denken nicht langfristig- wenn wir das tun würden, gäbe es die Krankheit wohl gar nicht" Alter Falter. Hallt nach.... und: "doch ohne sie wäre ich am Ende- ohne sie bin ich nichts" Alter Falter. Schallt nach...
und letzte Anmerkung zu dem Eintrag: gekocht wird hier meistens von mir- obwohl mein Mann und auch M. dass wirklich gut können- wenn sie es denn einmal tun.
@Digger: "Stichwort" Walz: daran habe ich tatsächlich auch schon gedacht, bevor die Meldung vom Rückfall kam. M. hat ja in der Therapie und auch uns gegenüber häufiger geäußert, so unter (Leistungs-)Druck zu stehen, durchgetaktet zu sein, keine Zeit für sich zu haben.... Also fragte ich ihn, ob er mal darüber nachdenken will, keinen Arbeitsvertrag ab August zu unterschreiben- sondern vielleicht ab November? Im Sommer und Herbst kann man sowohl im Inland als auch im Ausland gegen Arbeit auf Feld/Hof freie Kost und Logis haben. Er meinte damals: muss man sich auch leisten können, kein Geld zu verdienen. Ich sagte: sieh es als Investition in deine Gesundheit. Aber nein- diesen Vorschlag habe ich Donnerstag oder Freitag auch noch einmal gemacht- kommt für ihn nicht in Frage.
So und nun abschließend: Ich bin heute früher nach Hause, weil ich am Freitag einen Online-Termin über "Check dein Spiel" / Time-Out gemacht habe. Therapeutisch. Ganz ehrlich. Ich bin nicht ganz sicher, ob ich nicht eine KI-basierte Chat-Unterhaltung geführt habe. Ich kann ohne rumzuschleimen sagen: ich finde, das könnt ihr besser. Witzigerweise wird dieses Forum am Ende des Meetings auch als Hilfe-Stützpunkt genannt. (Da hatten wohl schon viele vor mir den Eindruck) :)
Bis bald!

Re: solche Sorgen....
« Antwort #31 am: 03 Juli 2025, 13:36:40 »
Mein Beitrag hatte einen Smiley  :) :) :)
Wie ich Zitate kopiere kriege ich vllt auch noch raus!

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Offline Olli

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Re: solche Sorgen....
« Antwort #32 am: 04 Juli 2025, 09:51:46 »
Hi Kraechen!

Wenn Du zitieren möchtest, dann stehen Dir zwei Wege offen:

1. Du benutzt den Zitat-Button oben rechts in jedem Beitrag. Dies hat den Vorteil, dass z.B. der Zitierte mit vermerkt wird. Der große Nachteil: Es wird der gesamte Beitrag zitiert. Hier bitte ich dann immer darum, dass alles herausgelöscht wird, was überflüssig ist. Ich möchte mich ja auf eine Textpassage beziehen und nicht immer auf den ganzen Text.
Wird das Unnütze nicht herausgenommen, besteht die Gefahr, dass Du zitiert wirst, der Nächste wird mit Deinem Zitat komplett zitiert, der wieder Nächste ... usw.
Dann werden beim Zitieren noch Fehler gemacht und Du musst erst einmal herausfinden, wo der Fehler überhaupt ist ... Das Lesen wird also immer schwieriger.

2. Unter den Beiträgen gibt es die Schaltfläche "Antwort". Wenn Du da drauf klickst, wird ein Editor geöffnet, in dem Du schreiben kannst. Darunter sind die letzten Beiträge in umgekehrter Reihenfolge aufgelistet. z.B. hier kannst Du einen Text mit der Maus markieren und z.B. mit [Strg][C] in die Zwischenablage kopieren. Nun platzierst Du den Cursor in Deinem eigenen Text und fügst den Inhalt der Zwischenablage mit [Strg][V] an der für Dich passenden Stelle ein. Nun markierst Du diesen Text noch einmal und drücke dann auf die Schaltfläche mit der Sprechblase über Deinem Editor. Fäddisch ...

Es gibt noch ein paar andere Varianten, doch die beiden reichen ja erst einmal.
Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)
Hier geht es zum Samstagsmeeting_ https://us02web.zoom.us/j/87305340826?pwd=UnFyMlB6bkwyTHU3NGVISWFGNSs2

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TAL

Re: solche Sorgen....
« Antwort #33 am: 04 Juli 2025, 10:21:05 »
Du kannst auch einfach die Zeilen rauskopieren und einfügen, dann [quote ] vor den zu zitierenden Text schreiben, und [/quote ] dahinter. (Ohne die Leerzeichen)

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Offline Olli

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Re: solche Sorgen....
« Antwort #34 am: 04 Juli 2025, 11:25:46 »
Hi Kraechen!

Ich kenne mich mit dem Mist zwar nicht aus, doch hier im Forum sollte dies nicht thematisiert werden, meinst Du nicht?
Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)
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Re: solche Sorgen....
« Antwort #35 am: 04 Juli 2025, 11:35:17 »
Ok. Entschuldigung.

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Offline Olli

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Re: solche Sorgen....
« Antwort #36 am: 04 Juli 2025, 12:36:13 »
Hi Kraechen!

Kein Ding ...

Leider ist es tatsächlich so: Wer spielen will, der findet einen Weg ...

Nun möchte ich gerne noch etwas ansprechen. So, wie ihr Euch um Sohnemann kümmert, kann er sich doch Eurer sicher sein. So lange ihr ihn betüddelt, kann er ungestraft alles machen, was er will.

Nun stelle Dir vor, er wäre sich Eurer nicht mehr sicher ...  Ihr müsst auch an Euch denken. Von Eurem Sohn immer wieder vor den Kopf gestoßen zu werden, egal, wie ihr Euch anstrengt, zerstört Eure geistige Gesundheit.

Sagt ihm klipp und klar: Beim nächsten Mal wird er Euch verlassen müssen. Ihr wollt nicht mit zusehen, wie er sich zerstört und ihr wollt Euch auch nicht zerstören lassen durch ihn. Eine einzige Chance hat er ... nicht mehr ...

Zu dieser letzten Chance gehört alles auf den Tisch zu legen, was bisher hinter Euren Rücken geschehen ist. Hier geht er noch "straffrei" raus. Gebt ihm ein oder zwei Tage Bedenkzeit. Es wird in ihm arbeiten. Mal sehen, wie er dann auf Euch zukommt.

Allerdings sage ich auch gleich: Was ihr androht, dass müsst ihr auch umsetzen! Ansonsten gibt es auch solch ein Tänzchen, wie damals bei mir. Da hat nur eines "geführt" ... meine Sucht ...
Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)
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Re: solche Sorgen....
« Antwort #37 am: 04 Juli 2025, 15:50:47 »
Hallo Olli. Es (be)rührt mich, dass du immer so tolle Worte findest. Ich kann sie heute aus noch einer anderen Perspektive betrachten als gestern.
Jeder, der es geschafft hat aus der Spielsucht zu kommen, hatte "seinen" eigenen Moment. Ganz individuell- und persönlich. Ohne Skala- und ohne Werte- unterschiedliche Anstöße, um eben wirklich zu sagen: jetzt reichts!
Ich verkünde mal ganz mutig: heute ist mein erster Tag der Co-Abhängigen-Abstinenz. Und ich verkünde das, ganz ohne ein (heutiges) Tun unseres Sohnes.
Ich weiss, dass er uns in der Wahrheit belogen hat. Und ich weiss das zufällig. Nur durch Lesen eines Beitrags, der noch nicht einmal in "meinem" Kontext stand.

M. hat nächste Woche seine Abschlussprüfung. Gestern ist sein Arbeitsvertrag gekommen. Er hat den darin festgeschriebenen Stundenlohn mit seiner monatlichen Arbeitszeit multipliziert- und das Ergebnis in einen Netto-Gehaltsabrechner eingegeben. Er hat sich so gefreut. Und er wirkte stolz- glücklich- und wohl auch erleichtert. "Vorsicht!" Sagte ich noch. "Das kommt erst im August- und es gehört nicht dir....."
Ich weiß nicht, ob er seit letzter Woche Donnerstag noch einmal gespielt hat. Ich freue mich für ihn, wenn es wahr ist. Aber.... ich könnte seinen Worten nicht Vertrauen.
Du erinnerst dich an die Idee mit der Kladde? Die soll er am Tag seiner Prüfung bekommen. Er ist ab dann dazu in der Lage sich ganz und gar selber zu versorgen. Eine der letzten Sätze lautete: ".... wir schenken dir hiermit etwas sehr sehr Wertvolles. Unser Vertrauen....."
Das geht jetzt nicht mehr.
Zumindest hat es sich verschoben. Ich vertraue in ihn. Ich vertraue darauf, dass das was wir ihm so in seinen Lebensrucksack gelegt haben noch da ist. Es ist vielleicht vergraben- aber er trägt den Rucksack noch- also wird es (noch) nicht verloren sein. Ich vertraue in sein Denken und sein Können. Aber, im Moment vertraue ich nicht dem, was er mir sagt.
Wenn wir ihm jetzt die "noch eine letzte Chance" geben.... Was soll dann noch schlimmeres passieren? Dass er uns bestiehlt- vielleicht sogar seinen Bruder? Weil es bisher so glatt lief- und immer alles irgendwie gut gegangen ist?
Er schafft es nicht mit unserer Hilfe. Er schafft es vielleicht ohne- und so wie es sich aktuell darstellt- noch nicht sofort. Das ist mir übrigens auch noch im Zusammenhang mit dem "Walz" Gedanken klar geworden- er wird den Absprung aus der Sucht ja nicht danach legen können, wie es gerade am besten in seinen Lebenslauf passt. (wenn es doch so einfach wäre!).
Er soll seine Prüfung machen- er soll ein Werkzeug kriegen, dass ihn an diesen Tag erinnert- und dass er hoffentlich viele Jahre nutzt (und nein- es ist noch nicht einmal ein "teures" Werkzeug). Und er soll die Kladde kriegen- mit meinem Wunsch dass er auszieht und einigen, hoffentlich einigermaßen weisen und wahren Worten.
Ich habe keinen Groll auf ihn- und auch keine Vorwürfe. Ich bin enttäuscht- und im Augenblick habe ich noch nicht einmal Tränen.
Ich will nicht mehr festhalten- und oh! wie metaphorisch: das gibt auch ein bisschen Kraft an mich zurück.
Ich weiss dass ich ganz großes Glück habe, nicht nur ein "ich", sondern auch ein "uns" zu sein. Ich kann erst am Sonntag Abend mit meinem Mann sprechen. Ich hoffe, er trägt das so mit- aber ich denke schon. Noch einmal ein kleines "Alter Falter!" eine Nachricht in die Welt lässt sich schneller verbreiten- als ein Gespräch! Wer hätte das noch vor .....? Jahren gedacht?
Viele liebe Grüße und euch allen eine gute Zeit!

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Offline andreasg

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Re: solche Sorgen....
« Antwort #38 am: 04 Juli 2025, 18:00:00 »
Hallo Kraechen,

Danke für Dein Teilen. Es klingt erst einmal so, als wäre alles nun im Lot, und nun ist alles bereit, einen gangbaren Weg zu gehen, für ihn - und für mich!
Da ist noch viel Kopflast bei, viel Reflektion, viele Sorgen, viele Zweifel.
Es kann funktionieren, wenn er sich ändert, aber es braucht einen Umkehrschluß.

Das Kernwort heißt: "LOSLASSEN", und das ist nichts finales, es ist kein Wunschpaket, es ist zuerst eine Geste. Die Hände mit den Handinnenflächen zu öffnen, und ihm seinen Weg gegen lassen. Und wenn dann eine Veränderung stattfindet, hat Du einen ersten Schritt geran. Dein Sohn gewinnt eine Freiheit, die er womöglich noch nicht kannte, und er wird seinen Weg gehen, so oder so. Aber zuerst stehst Du an einer Weggabelung, und Du kannst entscheiden, wie es Di damit geht, wenn Dir ein Vertrauen in Deine Stärke geschenkt wird.

Der Genesungsweg ist (für mich) ein langer mühseliger steiniger Weg, der mich zum stürzen bringt, an dem ich mir die Knie blutig schlage, aber an dem ich im Vertrauen auf Genesung aufstehe, und weitergehe, ohne zu klagen und zu jammern. Das ist es, was mich jeden Tag neu bewegt, nach vorne zu schauen.  In einem Klinikaufenthalt vor 22 Jahren bin ich in eine schwere vertrackte Situation gekommen, daß ich hyperventilierte. Der Arzt und Therapeut hat mich aufgefordert,einen Spazierganz zu machen. So zog ich , völlig durch den Wind geschossen, in ein Waldstück, und da habe ich einen Menschen kennen gelernt, den ich vorher noch nicht kannte: mich selber.! Ein guter Freund von mir hat ähnliches auch in seiner Therapie erlebt, und das hat Solidarität vermittelt. In der Selbsthilfe geht es primär um Solidaritätsgemeinschaften. Jemend hat das, was ich nicht habe, und mancher scheinbare Irrweg zeigt sich gangbar zielführend. Ich kann das nicht kontrollieren, nur selber erleben, immer Einen Tag zu zeit.

Ich möchte Dir ein Versprechen mit auf Deinen Weg geben, ich gabe dieses von den Anonymen Co - abhängigen erhalten:

7. Ics gelingt mir, gesunde und liebevolle Beziehungen aufzubauen und lebendig zu erhalten. Der Wunsch andere zu kontrollieren und zu manipulieren, lässt in dem Maß nach, wie ich lerne, dnen zu vertrauen die vertrauenswürdig sind.

schöne 24 Stunden

Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

Re: solche Sorgen....
« Antwort #39 am: 04 Juli 2025, 21:42:53 »
Hallo Andreas! Wahre starke Worte. Es stimmt natürlich. Wir sind noch lange nicht am Ende- meine Familie- mein Sohn- ich.
und trotzdem: es ist ein Anfang- auch für uns alle und jeden einzeln. Ich hab' heute echt hinter etwas Schlimmes geguckt. Das hätte ich nicht für möglich gehalten- ihm (und auch der Sucht) nicht zugetraut. Nicht so weit. Zu weit...
Ich hatte einen schönen Abend mit Freunden. Letzte Woche um diese Zeit habe ich mich übergeben.
Ich schaffe das nicht alleine. Und das ist o.k.. / Es geht mir heute für mich selbst überraschend gut. Danke, dass ich hier schreiben kann.


Re: solche Sorgen....
« Antwort #40 am: 15 August 2025, 21:18:51 »
Hallo und guten Abend!
Inzwischen ist ein kleiner Zeitraum vergangen- es ist viel passiert in den letzten Wochen und ich nutze dieses
Forum wieder einmal um mich ein bisschen zu sortieren. Gelesen habe ich immer mal- und heute hat Eva (herzlich willkommen in dieser Runde!) mich inspiriert. Ich schmunzle noch über „was ist denn jetzt mit Grillen am Samstag?“ Das könnte bei uns genauso ablaufen. Und an Tagen die „schwer“ sind und verzweifelt und manchmal traurig sagt er dann (und meint es wohl auch so) „es ist ok, wenn du sagst, du brauchst etwas Zeit und Ruhe. Du musst das dann nur auch sagen…. ;)
Was M.‘s Spielsucht betrifft ist es (leider) ruhig geworden. In dieser Woche ist er nicht zur Selbsthilfe Gruppe gefahren. In der Woche davor ist er wirklich richtig schlecht gelaunt nach Hause gekommen. Ich denke, da wurde etwas besprochen, dass er lieber verdrängen würde (z.b. seiner Freundin vom Rückfall zu erzählen), aber ich spekuliere nur und weiß es nicht. Wenn er auch in der nächsten Woche nicht geht, werde ich mal fragen was los war.
Aktuell verhalten wir uns alle ein bisschen so, wie Kleinkinder beim Verstecken spielen. Hände vor die Augen „wenn ich dich nicht sehe, siehst du mich auch nicht“.
Die Abschlussprüfung hat er bestanden, den Anschlussvertrag (befristet bis Januar) hat er auch.
Ein Meilenstein. Ich wäre gerne glücklich darüber, aber es macht mir Angst. Größere Kreditrahmen, höhere Schulden, größere Verzweiflung und Selbstvorwürfe…
Ich denke so viel über Glücksspielsucht nach, dass ich manchmal glaube, dass ich versuchen muss Abstand dazu aufzubauen um mich selber wieder finden zu können. Ich schaffe es aber (noch) nicht. Vielleicht gelingt es mir besser, wenn ich alles so oft hin und her geschoben habe, dass die Struktur für mich passt.
Ich denke (und ja ich weiß, ich schaue von außen drauf) der Wunsch aufzuhören muss sich aus dem Leidensdruck des Spielens entwickeln- und nicht aus dem (finanziellen)Leidensdruck des Verlierens.
Ihr ratet hier ja auch oft, dem verlorenen Geld nicht hinterher zu trauern, sondern eher der verspielten Zeit, bzw. den Gelegenheiten das Leben zu erleben.
So wie Eva ihren Start spielfrei zu leben beschrieben hat.
Es ist wirklich nur ganz ganz schwer auszuhalten, nichts machen und nur abwarten zu können.
« Letzte Änderung: 15 August 2025, 21:21:55 von Kraechen »

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Offline Eva54

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Re: solche Sorgen....
« Antwort #41 am: 15 August 2025, 22:07:20 »
Hallo KRAECHEN,

vielen lieben Dank für Deine Worte und Dein Willkommen.

Ich weiß, wie schwer es ist, zu wissen, was man tun sollte – und es dann auch wirklich zu tun. Schon wenn man verliebt ist, ist das manchmal kaum auszuhalten. Aber wenn es um das eigene Kind geht, das man so sehr liebt, dass es fast weh tut, dann ist es unbeschreiblich hart. Dein Herz sagt: „Ich will ihn retten, koste es, was es wolle.“ Und ich kann diesen Impuls nur zu gut verstehen.

Als meine Tochter drei Jahre alt war, wollte sie ihre Hand in den heißen Backofen stecken, weil es drinnen so schön geflimmert hat. Mein entschiedenes „Nein“ hat damals Tränen, Wut und sogar die Drohung ausgelöst, sie würde ausziehen.
Meine andere Tochter wollte mit zehn Jahren unbedingt ein echtes Hello-Kitty-Tattoo. Auch hier gab es ein klares „Nein“.
Damals hat keine von beiden verstanden, warum. Heute sind sie mir dankbar – dankbar für ein „Nein“, das sie vor Schaden bewahrt hat.

Bei Deinem Sohn ist es schwieriger, weil er erwachsen ist. Du hast nicht mehr die Macht, einfach ein „Nein“ durchzusetzen. Aber vielleicht hilft Dir dieses Bild:

Dein Sohn sitzt in einem tiefen, dunklen Loch. Du liebst ihn so sehr, dass Du denkst: „Ich springe zu ihm runter, damit er nicht alleine ist.“
Doch wenn Du hinunterspringst – mit all Deinen Sorgen, Deinem Geld, Deiner Energie – sitzt ihr beide unten fest. Niemand kann Euch rausziehen, und Dein eigener Halt geht verloren.

Was Dein Sohn braucht, ist nicht, dass Du mit ihm unten bist. Er braucht jemanden, der oben bleibt, stark steht – und ein Seil knüpft. Ein Seil aus Geduld, Liebe, klaren Grenzen und der Bereitschaft, zu helfen, wenn er selbst die Hand ausstreckt. Das Seil musst Du von oben hinunterlassen – er muss es aus eigener Kraft ergreifen und hochklettern.

Ich weiß, es bricht Dir das Herz. Aber Kinder – auch erwachsene Kinder – haben das Recht, im Leben zu scheitern. Manchmal ist das der einzige Weg, aus dem eigenen Loch herauszufinden.

Und Du? Du musst auf Dich achten, damit Du das Seil knüpfen kannst.

Hol Dir Luft: Spaziergänge, Bewegung, ein Hobby, das Dir Freude macht.

Rede mit Menschen, die Dich verstehen.

Setze klare Grenzen – finanziell, emotional, zeitlich – ohne Dich schuldig zu fühlen.

Suche Dir professionelle Unterstützung, wenn es zu schwer wird.

Finde eine Angehörigengruppe vor Ort oder nimm an Online-Meetings teil – Du bist nicht allein!

Nur wenn Du oben bleibst, kannst Du ihm helfen, wieder ans Licht zu kommen.

Herzlichst
Eva
Dein Weg ist einzigartig-und er führt zu dir selbst zurück!

Re: solche Sorgen....
« Antwort #42 am: 16 August 2025, 18:27:04 »
Hallo Eva! Vielen Dank für deine Antwort. Es liest sich so schön- aber auch (zu) einfach.
Ich würde das gezeichnete Brunnenbild gerne etwas verändern und ergänzen.
M. sitzt dann in einem alten Stollen eines ehemaligen Bergwerks, der nun zu Wohnzwecken umgebaut wurde. Es gibt mehrere Stockwerke in dem Haus unter der Erde. In dem Haus, in das M. hineingeraten ist, gehören alle Bewohner zu einer Familie, die Sucht heißt. Auf -1 wohnen die jüngsten Kinder der Suchts. Sie sind noch ein bisschen beeinflussbar und (noch) nicht richtig böse. Aber auch sie haben mit dem Einzug in -1 schon gesagt bekommen: achtet auf Seile, die von oben kommen! Schneidet sie sofort ab, wenn ihr sie seht!
Auf -2 wohnen Jugendliche der Familie Sucht. Sie haben M. gesagt, dass er nicht nur zu Besuch kommen darf. Er muss auch Geschenke mitbringen. Gar nichts großartiges, eben so viel, wie er sich leisten kann.
Manchmal sehen die Jugendlichen ein Seil, dass von oben hinuntergelangt. Die kleinsten passen eben abends und nachts noch nicht so gut auf. Dann schneiden sie es ab.
Auf -3 wohnen die erwachsenen Suchts. Sie haben die tollste Wohnung und die coolsten Gäste. Um da rein zu kommen, muss so viel Eintritt gezahlt werden, wie M. es sich von seinem Einkommen nicht leisten kann.
Er hat uns gefragt, ob wir ihm Geld dafür geben können. Er meint, die Suchts wären wenn man sie kennt gar nicht böse- und leicht zu durchschauen. Er meint, wenn man es geschickt anstellt, bekommt er sogar auch Geschenke von ihren!
Hier unten bei Suchts kommen ganz selten Seile an.
Wo stehe ich in der Geschichte. Ich bin ratlos oben auf der Straße. Mein Gefühl sagt mir, dass M. In ein Haus gegangen ist, an dem wir sonst immer vorbei gegangen sind. Ich hatte gehört, die Bewohner seien bisweilen gefährlich. Ich hatte nie Kontakt zu ihnen.
Nun stehe ich hier und kann nicht weiter gehen. Mein Kind ist weg. Ich sehe ihn nicht. Er hört nicht, wenn ich ihn rufe, weil bei Suchts die Musik so laut ist. Es ist die Art Musik, die M. gerne hört….
Ich kann mich nicht weg bewegen. Ich spüre, es geht ihm nicht gut. Ich versuche mit Bekannten von Suchts ins Gespräch zu kommen. Einige haben sie gut kennengelernt und waren einige Jahre eng zusammen. Aber nie befreundet. Das geht mit Suchts nämlich nicht.

Ich kann nur hoffen, dass M. sich nicht lange wohlfühlt dort. Dass er erkennt, dass es sich um keine Freunde handelt. Er selber gefällt ihnen ja auch gar nicht. Sie wollen ihn verändern. Das Geld, das ihm gehört reicht ihnen nicht. Es gefällt den Suchts, wenn er krank wird und nur noch sie besucht.
Ich könnte rein gehen zu ihnen. Aber ich traue ihnen nicht. Ich habe Angst vor ihnen und möchte nichts mit ihnen zu tun haben.
Ich kann mein Kind nicht alleine lassen. Ich lasse mir also etwas zu essen bringen. Ich habe gerade keine Kraft selber einzukaufen. Das geht vielleicht, wenn M. mir mitteilt, dass ich nicht auf ihn warten soll, weil er noch bleiben möchte. Dann hoffe ich, dass das Seil das uns verbindet so stark ist, dass es an ihm zieht, wenn ich weggehe. Und das Suchts es nicht durchschneiden.


Eltern haben nichts - aber auch gar nichts in der Hand. Sie wohnen auch bei Suchts. Sie gehen zur Arbeit und manchmal auch raus. Aber sie nehmen kaum Freunde mit dahin. Dort gibt es kein Lachen und keine Leichtigkeit. Kein Vertrauen und keine Liebe. Ein nicht gern gesehener Gast im Hause Sucht ist die Hoffnung. Sie ist unbeirrbar und sie kommt jeden Tag für einen kurzen Augenblick vorbei. Ich hoffe, dass sie das nächste Mal, wenn sie nach oben kommt mein Kind mitbringt!

Ich wünsche allen, die dich dazu bereit fühlen ein gutes Meeting und einen guten Austausch. Leider kann ich heute nicht dabei sein.

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Offline Eva54

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Re: solche Sorgen....
« Antwort #43 am: 17 August 2025, 10:56:44 »
Hallo Kraechen,


wenn ich hier schreibe, ist es wie ein Versuch, mit Worten ein Bild zu malen. Ein Bild, das Du Dir anschauen kannst, wenn Du möchtest. Es soll kein Urteil sein, keine Belehrung, kein besserwisserischer Kommentar.

Ich sehe Deine Situation nur von außen, und aus dieser Distanz fehlen mir viele Farben, die das Ganze erst vollständig machen würden. Sollte es dennoch jemals so wirken, als klinge etwas überheblich oder altklug, dann tut mir das aufrichtig leid – das ist niemals in meiner Absicht!

Schön, wie Du das Bild weitergemalt hast. Es macht sehr deutlich, wie bedrückend und zugleich verlockend dieses „Haus der Suchts“ sein kann. Man spürt in Deinen Worten die Liebe zu M., aber auch die Ohnmacht, nicht einfach eingreifen zu können.

Auch wenn Du draußen vor der Tür stehst – gerade dadurch, dass Du bleibst, zeigst Du Deine Stärke. Deine Liebe und Dein Seil zu ihm sind da, auch wenn er sie im Moment nicht wahrnimmt. Das kann selbst die Sucht nicht einfach zerstören.

Ich wünsche Dir viel Kraft, Geduld und Vertrauen darauf, dass M. irgendwann selbst erkennt, dass es dort keine Freunde gibt – und dass er den Weg nach oben sucht.

Du bist nicht allein – und Dein Dableiben macht einen Unterschied.

Herzlichst
Eva
Dein Weg ist einzigartig-und er führt zu dir selbst zurück!

Re: solche Sorgen....
« Antwort #44 am: 17 August 2025, 12:27:59 »
Hallo Eva!
Vielen Dank für deine Antwort(en). Ich habe dein Brunnenbild mehrere Stunden mit mir getragen bis ich darauf antworten konnte, weil es eben nicht „von außen „, „altklug“ oder „belehrend“ ist. Es hat mich sehr berührt und beschäftigt. Ein sehr guter Vergleich und eine gut gewählte Veranschaulichung.
Als betroffene Mutter empfinde ich (und das ist auch ganz sicher nicht allgemein gültig und höchst individuell) es aber nicht so leicht, standhaft zu sein und ein Seil zu knüpfen und „gelassen“ abzuwarten.
Meine Darstellung, dass Eltern auch bei Suchts wohnen ist nicht richtig. Aber ich habe das Gefühl, ich wohne in der gleichen Straße und kann nicht wegziehen.
Ich bin in ganz großer Abhängigkeit von den Entscheidungen meines Kindes. Ich kann unsere Beziehung auch nicht lösen und hoffen, dass ich mit einem anderen Partner glücklich werden kann.

Es kommt nicht darauf an, ob und inwieweit ich Schuld an der Situation bin. Ich habe keine Möglichkeit die Lage so zu verändern, dass sie für mich in Ordnung wäre. Ich muss sie so hinnehmen, wie mein Sohn sie mit seiner Wahlfamilie, den Suchts gestaltet.
Ich brauche professionelle Hilfe, weil ich in der gleichen Straße wohnen muss. Ich versuche nicht unterzugehen. Und manchmal habe ich Angst, ich schaffe es nicht.
Dann helfen mir Worte, und Erfahrungen und vor allem Perspektiven, die ich hier finden kann.

 

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