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Leben

Begonnen von Babs, 05 September 2025, 08:46:07

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#45
Schönen guten Morgen Andreas & Roy,

ich freue mich sehr, dass ihr eure Gedanken zu meinen Überlegungen mit mir teilt! Sie bringen mich voran und helfen mir, mich (weiter) zu entwickeln.

Folgendes nehme ich mit:

- Der Begriff "Emotionsregulierung" trifft es dann doch. Ich regulierte meine unangenehmen Emotionen, in dem ich mir positive Emotionen erkaufte. Zumindest am Anfang, bevor Gewöhnung eintrat, war ich während der Zeit des Spielens sorglos, unbeschwert und freudig angeregt. Irgendwann ist das dann gekippt und zu Sorglosigkeit, Unbeschwertheit und freudiger Anregung kam während des Spielens Hilflosigkeit und Scham dazu. Schon krass: ich bezahlte für ätzende Gefühle.

- Krass ist auch: Ich wollte wirklich immer länger in diesen erkauften Emotionen drin bleiben, wollte sie "hoch halten" - wieder mal ein schönes Sprachbild, Roy - und habe immer mehr dafür bezahlt. Im wörtlichen und übertragenen Sinne.

- Die von dir, Andreas, beschriebene Hilfemaßnahme "Das Innehalten, das Durchatmen" finde ich sehr wertvoll - alleine schon das Lesen der beiden Begriffe bringt mich runter und entspannt mich. Es wäre wirklich ein großer Schritt, wenn mir das im Alltag noch öfter gelingen würde - auch in Situationen, die nicht so herausfordernd, spieltriggernd sind.

- Ich vermute, dass gerade das die Sucht ausmacht: Der Griff zum Spielautomaten ist keine rationale Entscheidung mehr, "Innehalten und Durchatmen" wird in schwierigen Situationen nahezu unmöglich - UND: der Anlass, sich für das Spielen zu entscheiden wird immer nichtiger.

Die obigen Überlegungen sind für viele von euch wahrscheinlich nichts neues und spiegeln evtl. den klassischen Verlauf einer Sucht. Für mich sind sie allerdings wirklich sehr wertvoll. Um mein Spielverhalten nachhaltig zu verändern, muss ich auch verstehen, was da in Herz und Kopf eigentlich so abgeht.

LG Babs



#46
Hallo Babs,

ich wiederum bin überzeugt, dass das (Warum gehe ich dem Glücksspiel nach) nicht so wichtig ist. Allerdings wollte ich das natürlich auch wissen. Aber warum wollen wir das erkunden (was ja eine reine Kopfarbeit darstellt)? Hätten wir leichten Zugang zu unseren tiefsten Gefühlen, wäre uns das gar nicht passiert. Und alles auf intellektueller Basis zu zerbröseln ... das kriegen wir gar nicht hin.
Was allerdings wirkt, ist der Zustand innerer Ruhe.
Insofern liegt, denke ich, Andreas absolut richtig, wenn er von "Das Innehalten, das Durchatmen" schreibt.
Störend ist nur: Solange wir vor dem Spielautomaten, am PC/im OC aktiv der Sucht nachgehen, verhindert das "Das Innehalten, das Durchatmen", denn damit tun wir das Gegenteil: wir geifern, teils atemlos, teils wütend, teils verzweifelt, schamerfüllt, ängstlich, ... etc.
Das bedeutet doch wie fast bei Allem: 'learning by doing', womit ich sagen will:
Ohne dieses Zockritual zu durchbrechen (abzustellen), können wir Überlegungen, warum wir zocken, gleich knicken - das funktioniert wohl kaum.
Aber diese Fragen - zumindest 'grob' zu beantworten, passiert in den Momenten der eigenen Beobachtung, als 'Mitläufer' sozusagen;  dann, wenn das Verlangen kommt, wenn wir 'Trigger suchen' quasi, wenn wir unruhig werden, die Aufregung in uns zunimmt bei dem Gedanken ans Spielen,
Ergo (so denke ich), ist der Wille, sich selbst nicht länger zu schaden, sich fortan gut zu tun (weil alles andere uns erfahrungsgemäß 'niederzwingt') der 'Start' in die Spielfreiheit.
Der eindeutige und -positiv- eigennützige Wille! Er bildet das Fundament.
Was dann an Fragen nach dem Warum kommt, ist auf dieser Basis viel eher beantwortbar, als eine vorherige Theorie.
Insofern, Babs, bist Du doch auf dem richtigen Weg ... stärke Deinen Willen, lies über die Machenschaften der Abzocker (die damit sogar auch Drogen- u. Menschenhandel etc. finanzieren), die betrügen, wo's geht (hier im BGH-Thread zu lesen) und politischen Zusammenhänge und auch, wie weit Süchtige gehen (in die Kriminaliät - in die Psychiatrie - in den Tod sogar). Hol Dir alles an Hintergrundwissen, was geht.
Das schafft einen ordentlichen Puffer!

Alles Gute!!
Rubbel
--Meist ist Geist geil--

Hallo Olaf, 

danke für deine Antwort, wir haben uns wohl knapp "verpasst".

Wie man es mit dem Begriff der (gestörten) "Emotionsregulierung" auch dreht und wendet, ein "gesunder" Umgang mit Emotionen ist wohl der Schlüssel zur Abstinenz.

Ich stimme dir übrigens voll zu, bei mir war es auch nicht anders: Im Elternhaus haben die wenigsten von uns einen gesunden Umgang mit Emotionen gelernt. Ich arbeite schon lange daran, sie wahrnehmen zu können und zu wollen. Das ist es auch was mich erschreckt. Eigentlich kann ich das ganz gut und trotzdem habe ich das Suchtverhalten entwickelt.

Soweit, lG, Babs

Schönen guten Morgen,

da ich gemerkt habe, wie gut mir der Austausch mit anderen Betroffenen tut, werde ich meinen Fokus jetzt erstmal auf meine SHG vor Ort legen.

Danke an alle, die hier in meinem Tagebuch ihre Gedanken mit mir geteilt und mich dadurch sehr unterstützt haben!
Auch an alle anderen Forumsschreibende und die Ermöglicher des Forums: Danke!

Alles Gute, bis bald,

Babs

Liebe Babs,

ich wünsche dir alles Gute auf deinem weiteren Weg. Wir werden dich vermissen, du bist eine Bereicherung für unser Forum. Lass mal wieder von dir hören, sofern dir danach ist.

LG Ilona
[url="//www.gluecksspielsucht.de"]www.gluecksspielsucht.de[/url]
www.gluecksspielsucht-selbsthilfe.de
[url="https://spielerschutz.gluecksspielsucht.de/"]https://spielerschutz.gluecksspielsucht.de/[/url]
Bluesky@gluecksspielsucht.bsky.social

Hi Babs,
ich verstehe dass Du dich auf die SHG vor Ort konzentrieren möchtest, finde es aber schade dass Du dich gleich komplett abgemeldet hast.

Viel Glück!

Roy
Da ich kein Anwalt bin spiegeln meine Posts lediglich meine eigene Meinung wieder.

Hallo Babs,

alles Gute für Deinen spielfreien Weg,

und wenn es sein darf und soll,
bist Du hier wieder herzlich eingeladen.

schöne 24 Stunden
Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

Hallo zusammen,

vor kurzem hat jemand gesagt ,,Schreiben ist ein kreativer Akt."
U.a. deshalb melde ich mich hier zurück. Ich möchte kreativ sein und meine Gedanken mit Euch teilen.

Oft habe ich hier im Forum gelesen, dass die Sucht nicht alleinig mit dem Beenden des Spielverhaltens überwunden werden kann. Und dem stimme ich absolut zu. Aufhören ist wichtig, ist aber erst der Anfang - quasi die Erstversorgung einer Wunde. Danach braucht es schon noch mehr ,,Behandlung".

Mein Suchtverhalten lag  zum großen Teil in dem ,,Gefühl der Einsamkeit" begründet. Um mehr darüber zu lernen habe ich eine Gruppe besucht, die sich intensiv aus unterschiedlichen Perspektiven damit beschäftigt hat. Was für ein Gewinn!

Eine der zentralen Erkenntnisse deckt sich mit der Aussage, die Olli hier im Forum oft verwendet: ,,Das Rezept für Erfolg ist ins Tun kommen!" – Ich bin aktiv geworden und singe seit einigen Monaten in einem Chor. Dort erlebe ich Gemeinschaft und Zugehörigkeit. Da ich nicht 24/7 im Chor singen kann und will, brauche ich auch noch Handwerkszeug für den Alltag, damit die Einsamkeitsfalle nicht zuschlägt und ich zum vermeintlichen Hilfsmittel Spielen greife. Ich bin so froh, dass ich Gamban installiert habe und mir die Möglichkeiten verwehrt habe, mit Kryptowährungen zu spielen.

Ich habe gelernt, bzw. bin dabei es zu lernen, das Gefühl der Einsamkeit zu regulieren. Meine Regulierung sieht folgendermaßen aus: Wenn ich merke, dass ich mich einsam fühle, stehe ich auf und mache etwas. Zum Beispiel Kochen, Gymnastik, spazieren gehen, Steuer vorbereiten, Auto putzen, jemanden kontaktieren, Buch lesen, Singen üben, unangenehme Aufgaben meiner Disziplinliste abarbeiten – das ist besonders gut, weil ich danach sehr stolz auf mich bin, aufräumen, ausmisten. Etc.

Es ist wohl erwiesen, dass man beim Tun, Machen, zielgerichteten Aktiv Sein keine Einsamkeit erleben kann. Ich kann es auf jeden Fall bestätigen. Und so ist es ja auch hier mit dem Forum. Wenn ich schreibe, bin ich aktiv, denke an alles mögliche, aber fühle mich nicht einsam.

In diesem Sinne, lG

Babs

Hi Babs!

Nun, ins Handeln kommen kann man auch mit Nichtstun! :) (Dafür werde ich bestimmt gleich zerrissen, ich Vollpfosten ... :) )

Gerade Langeweile möchte ausgehalten werden. Wenn Du hier immer aktiv wirst, dann kann das einerseits die Ergebnisse nach sich ziehen, die Du beschreibst, doch dem eigentlichen Problem stellst Du Dich damit nicht. Langeweile kann etwas Wunderbares sein!
Du kannst Dich, was viele als unangenehm empfinden, in dieser Zeit mit Dir selbst beschäftigen. Du kannst Deinen Gedanken freien Lauf lassen, z.B. auf der Terrasse sitzend den Wind auf Deiner Haut verspüren und Dir so immer wieder klar machen: Ich benötige keine Alternative zum Glücksspiel! Es rutschen ganz automatisch andere Dinge in die Lücke, die absolut nichts mit Glücksspiel zu tun haben.

Handeln ist angesagt, um Dich zu schützen, Dich mit Deiner Sucht auseinander zu setzen und um gesunde Veränderungen herbei zu führen. Wichtig vor allen Dingen ... zur Ruhe kommen!
Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Hi Olli,

es ist echt ein Geschenk, dass ich hier, insbesondere von dir, oft eine Resonanz bekomme, die mich zum weiteren Nachdenken anregt. Insofern kann ich gar nicht zur Ruhe kommen ;-)

Und ja, ich stimme dir zu: ein bewusstes Nichtstun ist auch Handeln. Es ist ja zielgerichtet.
Hier passt ein Zitat von Hannah Arendt: "Niemals ist man tätiger, als wenn man dem äußeren Anschein nach nichts tut, niemals ist man weniger allein, als wenn man in der Einsamkeit mit sich allein ist."<

LG,
Babs

Liebe Babsi!

Ich bin "auf der anderen Seite", also auf der Angehörigen Seite.
Ich hab mir grad alle deine Beiträge und deren Antworten durch gelesen und finde es toll, dass du wieder schreibst!
Ich mag deine Klarheit, deine Ehrlichkeit und Selbsterkenntnisse! Ich kann so viel mitfühlen und auch mitnehmen.
Bitte Schrein weiter, vorallem wenn dir langweilig ist, schreib es nieder 💪
Das Thema Einsamkeit trifft sicher ganz viele Menschen, mit und ohne (erkannter) Sucht.

Hast du schon mal überlegt, etwas im Bereich Ehrenamt zu machen? Ich weiss nicht, ob dir sowas liegt, aber es gibt so viele Möglichkeiten.
Als Leihoma/Leihtante, Pensionisten bespaßen (da gibt es sicher viele einsame Menschen), im Garten helfen, in einem Obdachlosenheim....

Vielleicht erfüllt dich das auch mit Stolz und Ehrfurcht, zu was du imstande bist. Was für einen Mehrwert du bieten kannst und wie gutes deine viele spielfreie Zeit bewirken kann.

Ganz liebe Grüße!

Hallo Noname,

wie schön, dass du geschrieben hast :-) Eine Resonanz auf meine Gedanken zu bekommen finde ich immer sehr wertvoll.

Mit der Idee des Ehrenamtes und seinen möglichen Wirkungen hast du meine momentane Befindlichkeit sehr gut getroffen. "Stolz und Ehrfurcht" für ein Engagement zu empfinden würde mir sehr gut tun. Ich war schon ein paar Mal ehrenamtlich tätig und es hat mir immer sehr viel gegeben. Da ich im Moment auf Arbeitssuche bin, habe ich das hintenangestellt, was nicht sehr schlau ist. Die Stellenanzeigen werden ja nicht mehr, wenn ich nichts anderes tue. Ich danke dir für die Anregung!

Du schreibst ja, dass du von "der anderen Seite" bist. Es ist echt klasse, dass das Forum uns alle hier verbindet. So wie ich deine Beiträge interpretiere, steckt dein Partner noch drin. Evtl. hilft ja auch dir das Schreiben dabei, Gedanken zu klären und auf neue Ideen zu kommen.

Alles Gute und LG
Babs



Liebe Babs!

Schön, wenn ich da einen positiven Nerv getroffen hab! Ich bewundere Menschen, die sich für andere engagieren!

Ja, wir sind gerade am Anfang, ich denke aber, ich hab ein "ähnliches Exemplar" daheim, wie dich und das lässt mich großen Mut und Hoffnung schöpfen. Mir ist natürlich bewusst, dass es ein Prozess, quasi ein Marathon und kein Sprint ("Episode") ist und ich muss mich da selbst auch immer wieder zurücknehmen und darf Geduld lernen.

Es ist unglaublich wichtig, dass die Veränderung immer von einem selbst kommt, wie bei dir. Wie bei uns. Klar, ein kleiner Schubbs, ein kurzer Reminder darf ruhig sein. Aber es muss ein inneres Bedürfnis sein.

Meine vorige Bitte bleibt bestehen, schreibe hier weiter, auch wenn Du in die SHG gehst, es fühlt sich an, als würde es dir auch gut tun und ich denke, auch wir hier - ich ganz bestimmt - möchten dich gern weiter begleiten ❤️

Auf schöne Momente,
Alles Liebe!

Hallo zusammen,

es gibt etwas zu feiern: Gestern hat mir Gamban ein neues Abzeichen verliehen.

6 months free of gambling

Zeit gewonnen - Geld gespart - Selbstbewusstsein erhöht


Ich glaube, dass es bei mir nun wirklich Klick gemacht hat. Im Laufe der Monate habe ich immer wieder Mal Demoslots angeschaut. Als erster Schutz-Mechanismus ist Gamban unheimlich wertvoll. Wenn wir wirklich wollen, können wir es natürlich trotzdem umgehen. Und einmal war ich tatsächlich versucht, wieder ins Spielen mit Geld einzusteigen. Aber es wären einige andere, aufwändige Maßnahmen erforderlich gewesen.

Absolut erfreulich: Beim letzten Mal hat es mich absolut kalt gelassen. Nach ein paar Minuten habe ich mir gedacht "Was soll das?! Ist doch echt Schwachsinn und absolute Zeitverschwendung."

Über dieses Gedanken und dieses Empfinden freue ich mich wirklich sehr! Dranbleiben, durchhalten - es wird leichter. Mir ist schon bewusst, dass die Gefahr eines Rückfalls immer gegeben ist. Gleichzeitig fühlt es sich nach einem neuen Entwicklungsschritt an.

LG an alle Interessierten,
Babs


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