ONLINE-Selbsthilfegruppe | Samstags von 19 Uhr bis 21 Uhr

Leben

Begonnen von Babs, 05 September 2025, 08:46:07

Vorheriges Thema - Nächstes Thema
Schönen guten Morgen,

ich neige dazu, das Ausmaß meiner Abhängigkeit zu relativieren. Um einen Rückfall vorzubeugen habe ich mir meine damals in privaten Notizen verfassten Vorsätze und das damals empfundene Leid nochmal angeschaut.

6 Wochen vor dem letzten Spiel:
"Jetzt spiele ich zum letzten Mal!"
--> War nicht so, exzessiv weitergespielt.

5 Wochen und 3 Tage vor dem letzten Spiel:
"Ich brauche Hilfe!"
--> Im Netz recherchiert und exzessiv weitergespielt

5 Wochen vor dem letzten Spiel:
"Stop!!!"
-->  Exzessiv weitergespielt.

4 Wochen vor dem letzten Spiel:
"Jetzt bin ich frei. Nix mehr drauf!"

Ich hatte das Geld das ich in mein Kryptokonto verschoben hatte um es heimlich verspielen zu können, mit Absicht und Vorsatz komplett verspielt. Wie im Forum schon von anderen beschrieben: Das Geld zu besitzen war mir nicht möglich, ich musste das Gefühl haben, dass es für immer für mich weg ist. Das Geld war Gift für mich, das ich loshaben wollte.

Eine Woche Spielpause

3 Wochen vor dem letzten Spiel:
"Auf keinem Fall werde ich von einem Konto etwas überweisen!"
--> Überwiesen und exzessiv gespielt.


Ich habe keine Erinnerung mehr daran, warum ich dann tatsächlich aufgehört habe. Ah, jetzt fällt es mir wieder ein. Ich hatte eine komplette Nacht durchgespielt - wirklich bis zum Morgengrauen. Ich sitze auf dem Sofa und kann einfach das Handy nicht weg legen und aufhören. Echt wie ein Junkie, völlig der Droge verfallen.

Irgendwie war das für mich der Kipp-Punkt.

Wenn ich meine Erinnerungen so niederschreibe wird mir wieder bewusst, wie schlecht es mir damals ging, wie hilflos ich mich fühlte und wie sehr ich die Kontrolle über mein Verhalten verloren hatte. Diesen Vorsätzen waren ja lange vorher schon andere vorangegangen. Alle natürlich fruchtlos.

Der Vortrag zum Thema "Rückfall" kam wie geschrieben wirklich gerade rechtzeitig für mich. In dieses Elend will ich nicht mehr zurück.

Die Zeit war schrecklich und gleichzeitig hat sie auch meinen Horizont erweitert. Wir Menschen sind so vielschichtig.
Außerdem habe ich mich sehr intensiv mit dem Thema Sucht beschäftigt und mein Leben hinterfragt.

Es mag seltsam klingen, aber aktuell gehe ich gestärkt aus dem Ganzen hervor. Trotz der ätzenden Weltlage und  meiner noch anhaltenden Arbeitssuche bin ich nicht daran interessiert, mich durch Spielen davon abzulenken. Mein Energie stecke ich lieber in andere Dinge.

LG, Babs

Hi Babs,

schön beschrieben und gut dass Du für den Moment der hoffentlich ewig dauert das richtige machst.
Ich denke jeder braucht diesen Moment, das Ereignis, die Erkenntnis, was auch immer es ist um wirklich aufhören zu wollen.
An bestimmten Vorfällen kann man sich auch hochziehen um diese nicht wieder erleben zu müssen.

Mach weiter so und alles Gute!

LG Roy
Da ich kein Anwalt bin spiegeln meine Posts lediglich meine eigene Meinung wieder.

Hi Babs!

Ich habe damals 20 Jahre lang gespielt. Mehr wie einmal habe ich mir gesagt: Du hörst auf! Tatsächlich war das aber nicht meine Stimme. Es war die meiner Eltern und meiner Geschwister. Deren Erwartungen wurde in mir eine Stimme gegeben. Aber ich hatte auch selbst eine und die sagte immer wieder: Spiele weiter! Keiner hat das Recht mir das wegzunehmen!
Und so kam Tag für Tag, Woche für Woche bis hin von Jahr zu Jahr immer mehr Zeit zusammen, die ich mit dem Spielen verbracht hatte.

Wenn ich gefragt werde, ob ich je einen Rückfall hatte, dann sage ich aus vollster Überzeugung "NEIN!".
All die Jahre hatte ich immer nur Spielpausen eingelegt. Wie Du ja weisst, hat jede Pause nicht nur einen Anfang, sondern auch ein Ende.

Doch als ich wieder einmal meine Vorsätze über den Haufen geworfen hatte und an einem Nachmittag und Abend fast mein ganzes Gehalt verspielt hatte, da hatte ich genug ... Wie oft hatte ich mir gerade in der Zeit davor noch gesagt, dass mir das Spielen doch keinen Spaß mehr machte ... und habe weiter gespielt. Wie oft hieß es in mir: "Ich schädige mich doch nur selbst!" ... und habe weiter gespielt.

Ich ging am 30.06.2006 von den Automaten weg, an der Theke vorbei und Richtung Ausgang. Als ich durch die Tür der Spielhalle nach draussen trat, da schaute ich auf die Uhr: Punkt 0 Uhr am 01.07.2006. Da sagte ich mir: "Das war´s! Egal was auch kommt, ich spiele nicht mehr ..." Und ja, es war manchmal echt extrem schwer der "Diskussion mit der Sucht" zu entkommen. Doch es wurde mal zu mal einfacher. Jedes Wiederstehen war ein Erfolg, der motiviert. Ungelogen ... mein Selbstvertrauen wuchs. In der Gruppe erzähle ich immer wieder, dass ich damals der große Schweiger in der Gruppe war. Und heute? Heute schaue ich gerne zu, wenn die Menschen wieder ihr Leben in die eigenen Hände nehmen. Es macht Spaß dies zu sehen und mich gleichzeitig zurück zu erinnern, wie es bei mir damals war. Damals waren mir die Erfolge gar nicht so wirklich bewusst. Es ist aber doch nie zu spät sich darüber auch nachträglich zu freuen.

Was Du und auch ich wohl gelernt haben: Das Schwierigste am Aufhören ist das Anfangen!
Und ja, auch danach kann es schwierig werden. Doch dafür sich doch wir anderen da, wir bauen gerne auf, motivieren, machen die Erfolge deutlich und und und ...

Ich schätze, dass Dir gar nicht bewusst ist, wie sehr Du mit Deinem Beitrag dem ein oder anderen Leser hier geholfen hast!
Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Hallo Babs,

Danke für Deine Schiderung und Deine Offenheit. Ja, ich kann mich locker darin wiedererkennen. Meine Geschichte der Konsequenz des Erkennens meiner Spielsucht, und der Erkenntnis, daß ich nicht sicher bin, ob ich wieder rückfällig werden könnte, habe ich immer und immer wieder beschrieben.
Aber ich habe ja auch vom Spielen geträumt:
"Ich sitze in der Spielhalle, wohl schon seit Stunden vor dem Automaten, nichts ist geschehen, die Scheiben drehen sich, sie Symbole sind nicht mehr erkennbar. Der Kopf ist nur noch müde, ich fühle mich verschwitzt, ausgelaugt, ich bin ein Wrack, ich kann nicht mehr! Auch wenn ich noch 20 DM übrich habe, ich höre auf, gehe jetzt hinaus. So kam ich aus der Spielhalle. Draußen ein großer freier Platz, die Sonne schien, ein frischer Wind wehte. Ich wußte nicht, wo ich war, der Ort war mir fremd, aber - am anderen Ende direkt gegenüber muß ja auch eine Spielhalle sein. Ey, 20 DM habe ich ja noch, schnell rüber, ein Zittern ging durch meine Hände, das Herz schlug schneller, und ich lief über den Platz" - Als ich aufwachte war ich wirklich verschwitzt, und ich habe wirklich gezittert. Ich weiß nicht mehr , wann ich diesen Traum hatte, es war aber final mein letzter Traum vom Spielen. Dann haben sich die REM - Bilder geändert. Als Beispiel: ich bin im Bahnhof, alles überfüllt mit Reisenden, und habe Angst den Zug zu verpassen, - auch das mag ein Form sein, im Inneren nachzuschauen, was noch unverarbeitet blieb.
Wir haben zum Glück immer und immer wieder, die Chance unsere Bestandsaufnahme zu tätigen, und das bringt uns wieder auf die Spur.

schöne 24 Stunden

Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

Hallo, wie gut ich das alles kenne und nachvollziehen kann, ich meine die ganze Nacht spielen und egal wie hoch der Gewinn ist, ich spiele weiter bis ich im Minus bin und zwar so das ich massive Probleme habe damit. Die Augen, die Gesundheit, ich muss wieder aufhören und versuche durch die Beiträge Kraft dazu zu bekommen, alles Gute

Hallo Winifried,

schön, von dir zu lesen.
Ich will dich von Herzen ermutigen, das Forum hier zu nutzen. Mir hat es in der schwierigen Ausstiegsphase sehr viel Kraft gegeben. Tagebuch zu schreiben und Resonanz zu bekommen war für mich in der Situation absolut hilfreich und unterstützend. Du bist nicht alleine.

LG, Babs

@Noname:
Du hattest geschrieben, dass dein Partner ein "ähnliches Exemplar" wie ich ist. Ich bin auf einem guten Weg und stabilisiere mich stetig. Und bei Euch?
Wie geht es dir?

LG, Babs

Hallo,

wieder habe ich etwas über mich gelernt. Es stresst mich und setzt mir ungemein zu, wenn hier im Forum laut und aggressiv gegeneinander gearbeitet wird.

In einem ersten Impuls heraus hatte ich mich gestern daraufhin abgemeldet. Meine Überlegung: Teil dieser "Gemeinschaft" will ich nicht sein.

Jetzt bin ich doch wieder angemeldet. Warum?

Mir ist völlig klar, dass Konflikte normal sind, zum Leben dazu gehören. Unser Umgang damit ist unterschiedlich. Ich bin raus, bin geflüchtet.

Immer noch die Frage: Warum bin ich wieder hier? Was gibt mir das Forum, das aktive Beteiligen trotzdem?

Wahrscheinlich ist das die Antwort. Ich kann meine Gedanken durch das Niederschreiben klären und sortieren und habe trotz / wegen der Anonymität das Gefühl in Verbindung mit anderen Menschen zu sein, die auch noch auf der Suche sind oder es waren.

LG, Babs

Hi Babs!

Konflikte gehören tatsächlich zu den Phasen dazu, die eine Gruppe durchlebt. Auch wenn das dahinterstehende Modell hier im Forum schwer erkennbar oder auch realisierbar ist, so gibt es sie dennoch auch hier. Doch wir sind auch eben eine Gemeinschaft, die sich gegenseitig wieder auf die Spur bringen kann. Das Hauptziel, wie Du es prima beschreibst, bleibt dabei aber immer noch im Fokus.

Schön, dass Du dageblieben bist und auch Deinen Unmut kund getan hast.

So bin ich wenigstens nicht der einzige Buhmann ... Nee ... der letzte Satz war Spaß :)
Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Hallo Babs,

ich gehe hier mal in die Fantasie, in einem Stuhkreis mit allen Protagonisten zu sitzen, die sich jetzt hier im Forum aktiv zeigen. Da gibt es dann ein Spannungsfeld im Raum, und das muß, z.B. in einer Gruppeninventur aufgearbeitet werden. Niemand kann sich da heraushalten, aber jede, jeder bringt seine tiefen inneren Aspekte, seine Emotionen, die eventuell unterdrückt waren nun hervor.
Und hier kann die Gruppe ihre Kraft zeigen, und sich eine neue Energie für Genesungsprozesse finden.
Ich finde es spannend, und bin sogar froh, daß es im Karton rappelt, weil ich die Hoffnung habe, das Forum wacht jetzt aus seinem Dornröschenschlaf wieder auf.

schöne 24 Stunden

Andreas
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

#70
Es gibt eine Kerngruppe, die besteht aus vielleicht 10 oder weniger Menschen, die vor allem eines einigt: Die durchlebte Spielsucht.
Das heißt nicht, dass diese Menschen in Harmomie miteinander schwelgen.
Jede/r geht anders mit sich und seiner Umwelt um.
Es gibt die, die seit Geburt fertig gelernt haben und die, die auf der Schwelle zum Jenseits noch mehr und mehr lernen wollen und wissen, dass sie nie auslernen werden. Auch alles sonst an Kuriositäten der Verhaltensweisen ist in der Kerngruppe vertreten wie in der Gesellschaft allgemein.
Auch viel Narzissmus.
Wir können hier lernen, wie wir die verschiedenen Charaktere akzeptieren oder tolerieren.
Vielleicht vergrößert sich die Kerngruppe. Die meisten Leute aber werden kommen und gehen ...
--Meist ist Geist geil--

Hi Babs
Du hast ja jetzt nicht im näheren beschrieben wo du das dich belastende gelesen hast.

Im allgemeinen sind wir hier ein Forum mit zig unterschiedlichen Charakteren in unterschiedlichen Stufen der Sucht.
Hier gibt's zwei markante Bereiche mit grundsätzlich unterschiedlichen Emotionen.
Den Bereich Glücksspielsucht und den Bereich BGH bzgl Rückforderung gegen die OC's.
Im ersten Bereich suchen wir Hilfe, schreiben uns frei was wichtig ist. Aber selbst hier wird es immer mal unangenehme Antworten geben wenn die Meinungen auseinander gehen. Auch damit kann nicht jeder umgehen. Allerdings ist die Wahrheit sagen und andere Meinungen tolerieren äußerst wichtig. Ich selbst habe über 20 Jahre gezockt und behaupte viel Erfahrung zu haben. Im Moment bin ich bald 3,5 Jahre raus aus dem Mist. Und ja wenn ich das Gefühl habe dass jemand Alibi mäßig Dinge hier hören will sage ich ihm das. Es bringt nichts ständig nach dem Mund zu reden, damit hilft man niemanden.

Der andere Teil ist der BGH Thread.
Hier geht's für viele um sehr viel Geld und die Chance wieder raus aus den Schulden zu kommen. Auch hier gibt es unterschiedliche Personen. Die vorsichtig positiven Realisten, die denen das Wasser bis zum Hals steht und die gerne nur das positive hören wollen. Und dann die Schwarz Maler. Da sind Reibungen vorprogrammiert...

LG Roy
Da ich kein Anwalt bin spiegeln meine Posts lediglich meine eigene Meinung wieder.

@Oli, AndreasG, Rubbel, Roy:

Vielen Dank für eure Rückmeldungen, Erläuterungen und euer Ernstnehmen!

Mal wieder einiges zum Nachdenken:-)

Hi Babs. Ich hoffe es geht dir gut. Ich vermute du bist aus einem bestimmten Grund "wieder" hier gelandet:

Es könnte dein Anker sein, du möchtest nicht mehr spielen und ich wünsche Dir, dass Du es schafft und das kannst Du auch schaffen.

Schöne Ostern

@Peter: Danke der Nachfrage, es geht mir gut und ich habe Gott sei Dank auch wieder einen Job :-))

Und ja, ich möchte nicht mehr spielen, v.a. möchte ich mich nicht mehr so elend fühlen und stattdessen selbstbestimmt leben.

Der Anker ist ein schönes Bild. Irgendwann möchte ich keinen mehr brauchen.

Ich wünsche dir auch, dass du es schaffst und zufrieden leben kannst.

FROHE OSTERN auch dir!

Babs

Wir danken dem AOK Bundesverband für die Finanzierung des technischen Updates dieses Forums