Hallo Gast
ONLINEBERATUNG GLÜCKSSPIELSUCHT
Anonym und kompetent
» Deutsche Onlineberatung
» TÜRKÇE ONLINE DANIŞMA
HOTLINE-Glücksspielsucht NRW
Kostenfreie & anonyme Experten-Hotline:
Deutsch 0800 - 0776611
TÜRKÇE: 0800 - 3264762

Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse

  • 23 Antworten
  • 856 Aufrufe
Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
« Antwort #15 am: 01 Februar 2019, 13:25:36 »
Hey,
das ist eben der Unterschied zwischen Geldanlage und Spekulation. Da der an der Börse fließend ist, kann man einem Süchtigen nur raten, ganz streng bei der Geldanlage zu bleiben. Hohe Renditen gibt's nur durch hohe Risiken.
Der Wunsch nach höheren Renditen lauert im Spieler und wird sich wieder eine Bahn brechen.
Ich hab mich  immer für schlau gehalten und mir meine Verluste schöngeredet. Habe immer über Strategien nachgedacht, wie ich sicher zum Gewinner werden könnte. Da gibt's keinen Unterschied zwischen Spielern und Spekulanten.
Beim Spekulieren kann man, wie beim Spielen, nur das Geld gewinnen, was andere verlieren. Wahrscheinlich gibt es auch Leute mit Insiderinformationen, die andere  illegal abzocken, um Gewinne zu erzielen, das ist wie beim den Casinos. Die Deutsche Bank hat  ja  z. B. mit Manipulationen von Zinssätzen früher mal ganz gute Renditen erwirtschaftet.
Alles in allem für mich unmoralische Geschäfte, aber das kann jeder für sich entscheiden.
Viele Grüße

*

Offline taro

  • *****
  • 320
Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
« Antwort #16 am: 01 Februar 2019, 17:12:03 »
Die Linie zum spielen ist fließend.
Das ist für mich auch beim Schach und beim Backgammon so, wenn ich gegen meine Kinder spiele. Ich darf nicht mein Killerinstinkt rauslassen, wo ich den anderen vernichten will, schon aber soviel Gas geben muss, das es für Sie nicht langweilig wird.

Ich hau mal ne These raus. Wer sich mit Börse auskennt, wird über kurz oder lang immer wieder zur Börse zurück kommen. Den fließenden Übergang zum spielen muss ich lernen zu händeln. Das ganze nennt sich dann Leben, da gibt es kein Netz und doppelten Boden.

Taro

Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
« Antwort #17 am: 05 Februar 2019, 14:41:08 »
Hi Taro,

habe die Schachnovelle gelesen und es hat mir gut gefallen. Die Geschichte hat mich geradezu gefesselt. Der Herr im Schachfieber, wirklich gut beschrieben.

Sonst gibt es nicht viel Neues: Tag 40 ohne die Börse. Morgen der nächste Beratungstermin.

Beste Grüße,
margin_call

*

Offline taro

  • *****
  • 320
Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
« Antwort #18 am: 05 Februar 2019, 21:55:05 »
Moin MC,

ich hab das erstmal in der Schachnovelle gelesen, was ich bis dahin in Teilen ausschließlich in meinem Kopf vermutet habe, deswegen hat mich das so umgehauen.
Freut mich das es Dir gefallen hat.
Was ist das für ein Beratungstermin?
Wie geht es Dir ohne Börse und Börsennachrichten?

LG
Taro
« Letzte Änderung: 05 Februar 2019, 22:55:41 von taro »

Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
« Antwort #19 am: 05 Februar 2019, 23:24:46 »
Hallo Taro,

ist ein zusätzlicher Termin bei der Suchtberatungsstelle, den ich wahrnehme, bis ich mit der ambulanten Therapie starten kann.

Tja, wie gehts mir ohne Daytrading? Auf der einen Seite gut: ich bin im Job voll bei der Sache und gebe ganz gut Gas.

Auf der anderen Seite gibt es aber immer auch mal Momente, wo ich an die getätigten Geschäfte zurückdenke (die guten wie die schlechten) und ich mir wünsche, meine Frau hätte mich nach Weihnachten nicht erwischt.

Habe heute im Internet mal kurz was zum Thema „kontrolliertes Trinken“ gelesen, weil mich das schon interessiert und ich das „es gibt kein halbschwanger“ noch (?) nicht akzeptieren möchte. Tenor war auf dieser Seite jedenfalls, dass es eine tickende Zeitbombe ist. Das deckt sich ja auch mit der Schachnovelle 😊

Nun denn, ich muss mir überlegen, wie ich da drüber hinwegkomme.

Viele Grüße,
MC

Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
« Antwort #20 am: 06 Februar 2019, 10:41:04 »
Hey MC,

ich habe immer meinen Gewinnphasen (beim spielen) hinterhergetrauert und mich gefragt, ob es mit einer bestimmten Strategie nicht doch möglich ist, dauerhaft etwas Geld zu machen. Das war ein ganz starker Antrieb bei mir.

Dieser Gedanke fasziniert mich leider nach wie vor.  Die Frage, die sich stellt ist: Warum?
Ich kann ein glückliches Leben ohne zusätzliches Geld führen.

Zum Thema Alkohol: Ich hatte einen Bekannten - er war lange Jahre trockener Alkoholiker. Vor einigen Jahren hatte sich zu Sylvester ein Gedanke in seinem Hirn festgesetzt. Den hat er mir im Nachhinein erzählt:
"Andere haben ja Vorsätze zu Sylvester. Ich könnte doch im neuen Jahr wieder das Saufen anfangen"

Er hat es dann gemacht und das Trinken wieder begonnen.
Als er mir seinen Gedanken erzählt hat, war er ganz reflektiert und konnte sich die Entstehung des Gedankens nicht erklären.

Er hat wieder den Ausstieg geschafft, ist aber leider mit Mitte 40 verstorben.

Der Rückfall beginnt im Kopf. Du hast schon einiges unternommen und ich wünsche dir und mir, dass wir fernbleiben können, vom selbstzerstörerischen Glücksspiel.

Viele Grüße

*

Offline taro

  • *****
  • 320
Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
« Antwort #21 am: 06 Februar 2019, 13:00:57 »
Spielen ist das eine. Nicht Schach zu spielen obwohl man den Weltmeister schlagen kann das andere.

Ich habe mal eine schöne bildliche Darstellung über die Typen von Anlegern gehört. Es gibt Schafe, Hyänen, und Löwen.
Die meisten sind Schafe, die Hyänen locken die Schafe auf eine dreieckige Schafswiese (die Erklärung der selbigen würde hier zu weit führen) und erlegen die Schafe im Rudel.
Anders der Löwe, er schaut dem treiben aus der Entfernung zu. Wenn er hungrig ist und ein Schaf sich in seine Nähe verirrt hat schlägt er zu.

Fast jeder beginnt als Schaf, hin und wieder gelingt eine Metamorphose zur Hyäne oder zum Löwen. Als Spieler zieht es mich zu den Hyänen, nur als Löwe ist ein agieren als süchtiger jedoch möglich.

Taro

Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
« Antwort #22 am: 10 Februar 2019, 18:21:13 »
Habe am Wochenende nochmal in alten Börsenbüchern gelesen. Dass Kostolany die "Börsenspieler" so treffend zu beschreiben vermochte, hatte ich gar nicht mehr in Erinnerung...

Auszug aus Kostolany: "Die Kunst über Geld nachzudenken":

"Börsenspieler: Die Hasardeure der Börse
Eine Gruppe, die bestimmt nie ausstirbt, sondern zu meinem Leidwesen immer größer wird, sind die so genannten Börsenspieler. Ich habe sie so getauft, weil sie nach meiner Definition die Bezeichnung Spekulant nicht verdienen, auch wenn sie im allgemeinen Sprachgebrauch und von den Journalisten so bezeichnet werden. Der Börsenspieler versucht, bereits kleinste Kursbewegungen zu nutzen. Er kauft ein Papier bei 101, um es bei 103 bereits wieder zu verkaufen. Dann kauft er das nächste Papier zu 90, um es bei 91,50 zu verkaufen etc.[...]

Diese naiven Anleger glauben, sie hätten nun die gleichen Chancen im schnellen Geschäft des ständigen Kaufens und Verkaufens wie die großen Institutionen, die aus den Börsen längst ein Spielkasino gemacht haben – nicht nur aus dem Aktienmarkt, sondern auch aus den Devisen-, Rohstoff- und Anleihemärkten. Mit monströsen Gehältern kaufen sie Absolventen von Havard, St. Gallen oder der London School of Economics ein, damit sie anschließend mit Hunderten Millionen Dollar in Anleihen, Aktien oder Devisen herumzocken. Speziell am Devisenmarkt herrscht ein perverses Spiel. Über eine Billion Dollar werden in 14 Stunden um den Globus bewegt. Maximal drei Prozent dieses Umsatzes dient der Abwicklung oder Absicherung von Im- und Exportgeschäften. Der Rest ist Spiel.[...]"

Dahin möchte ich garantiert nicht mehr zurück. Insofern sehe ich das als Fortschritt für mich. Langfristige Geldanlage hingegen schon. Darf dann halt nur nicht in alte Muster verfallen. Das ist dann vielleicht nicht das Glas Sekt, das sich der trockene Alkoholiker gönnt, sondern die "Mon Chéri".

In diesem Sinne einen schönen Rest-Sonntag,
margin_call

*

Offline taro

  • *****
  • 320
Re: Spekulationssucht: süchtig nach Daytrading / Börse
« Antwort #23 am: 13 Februar 2019, 22:21:48 »
Tatsächlich kenne ich ein paar trockene Alkoholiker,  Mon Cheri ist davon tatsächlich keiner.
Der Vergleich hat hinkt vielleicht auch etwas.
Pass auf jedenfall gut auf dich auf.

Taro

 

Wir danken dem AOK Bundesverband für die Finanzierung des technischen Updates dieses Forums