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Wolfgang mein Tagebuch

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Re: Wolfgang mein Tagebuch
« Antwort #30 am: 13 Juni 2021, 21:32:51 »
Tag 12 und spielfrei

Ich habe zwar nicht in Spielhallen die Automaten beglückt, aber neben diversen Tischspielen waren eben auch Sportwetten eine Dauerbeschäftigung für mich.
Jetzt frage ich mich natürlich, ob das schauen von sportlichen Wettkämpfen zur Gefahr werden könnte. Immerhin verbinde ich jeden Wettkampf noch immer mit unschönen Gedanken. Das muss ich mir zur laufenden EM eingestehen.
Nach wie vor habe ich aber keine einzige Quote nachgeschaut. Des weiteren läuft zwar das Fußballspiel, aber der Ton ist aus und ich spiele parallel eine Partie Schach an meinem Schachcomputer. Jetzt lenke ich mich mit schreiben ab und werde dabei wieder ruhiger.
Bei dem Gedanken jetzt auch auf Sportsendungen verzichten zu wollen, wird mir schon etwas mulmig.


Wolfgang
"Nur wer weiß, woher er kommt, weiß, wohin er geht"
(Theodor Heuss)

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Offline Olli

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Re: Wolfgang mein Tagebuch
« Antwort #31 am: 14 Juni 2021, 06:19:43 »
Hi Wolfgang!

Was bedeutet denn dieses "mulmig sein"? Kannst Du das näher betiteln?
Wie sieht diese Unruhe aus, die Du mit Schach kompensierst?

Je nachdem, was dabei heraus kommt: Als ich mit dem Automatenspiel aufhörte, hieß das für mich nicht, dass ich auch mein Darten aufgeben wollte. Denn ... dazu musste ich ja in Kneipen gehen und in denen standen wieder Automaten.
Diesen ging ich dann aus dem Weg. Setzte mich so, dass ich keinen direkten Blickkontakt hatte. Räumliche Entfernung half auch. Zudem setzte ich mir die Grenze, so eine Kiste gar nicht mehr erst zu berühren. Als die Wirtin mal kein Kleingeld fürs Darten in der Kasse hatte, meinte sie ich solle doch am Spielautomaten wechseln. Nun, ich ließ sie das machen.
Wir werden im täglichen Leben immer wieder mit unserer Sucht konfrontiert. Das gilt es auszuhalten. Es muss aber nicht sein, dass ich damit am Beginn meiner Abstinenz beginne. Da darf ich aus Vorsicht ruhig auch ein wenig mehr oder ganz solche Situationen vermeiden. Hätte ich die Automaten in den Kneipen als zu riskant angesehen und meine innere Hürden als wackelig, dann hätte ich doch erst mal das Darten sein lassen. Schließlich müssen die wahren Abstinenzentscheidungen erst erkannt werden und dann Wurzeln schlagen.
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Wolfgang mein Tagebuch
« Antwort #32 am: 14 Juni 2021, 08:34:56 »
Hallo Olli,

in Bezug auf "mulmig" meinte ich die Vorstellung, jetzt auch auf Sportsendungen verzichten zu müssen und damit ein stückweit Lebensqualität aufzugeben. Ich verbinde gedanklich diese Ereignisse noch zu sehr mit Wetten. Allerdings beantworte ich mir die Frage damit wohl selbst. Der Wille ist ungebrochen, aber mir fehlt noch die Erfahrung im Umgang mit solchen Situation und die damit einhergehende Stabilität. Ich nutze derzeit die Tipps und Tricks aus dem Forum.
Ab 22.06. beginnen die Sitzungen bei einem Psychologen. Bis dahin werde ich meine Empfindungen analysieren und notieren. Im Zweifel wird auf Sportsendungen verzichtet. Wird ja wohl kein Dauerzustand werden.

Die Unruhe äußert sich dergestalt, als das ich nicht mehr ruhig sitzen kann. Ein Gefühl wie bei einer Alkohol oder Rauchentwöhnung. Mit Schreiben oder eben Schach versuche ich die Fixierung auf das Ereignis abzuschwächen.
Das hilft aber nicht immer. Dann ziehe ich mich an und muss raus. Mit einem Spaziergang kann ich nach eigenem Empfinden die Unruhe am besten abbauen.


Wolfgang


"Nur wer weiß, woher er kommt, weiß, wohin er geht"
(Theodor Heuss)

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Offline Olli

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Re: Wolfgang mein Tagebuch
« Antwort #33 am: 14 Juni 2021, 10:13:56 »
Hi Wolfgang!

Da machst das bisher sehr gut!

Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Re: Wolfgang mein Tagebuch
« Antwort #34 am: 14 Juni 2021, 11:05:25 »
Ich habe mich nach meiner Automatenabstinenz gefragt, ob ich meine Doppelkopfrunde weiter machen kann. Da geht's nicht um Geld, sondern nur um das Aufschreiben von Punkten. Ich habe zwar manchmal noch einen übertriebenen Ehrgeiz beim Spielen, aber bis jetzt ist alles gut gegangen.

Ich würde an deiner Stelle es genauso machen. Ab und zu ein Spiel gucken, niemals an eine Kneipenwette mitmachen und wenn Unruhe aufkommt, mich vom Fernseher entfernen und raus in die Natur.

Außerdem kann man versuchen rauszufinden, welches Teil des Sport guckens echtes Interesse ist und welcher Teil nur durch das Tippen intessant wurde.

Re: Wolfgang mein Tagebuch
« Antwort #35 am: 14 Juni 2021, 16:37:49 »
@Olli

Danke!



@Balduin

Raus in die Natur scheint auch mir ein geeignetes Mittel zu sein. Ein Ausweg im doppelten Sinne :D
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(Theodor Heuss)

Re: Wolfgang mein Tagebuch
« Antwort #36 am: 15 Juni 2021, 18:31:59 »
Tag 14 und spielfrei

Ich hatte schon damals bei meiner Alkoholproblematik das Gefühl, ohne diese Sucht würde ich mich nicht so sehr mit mir beschäftigen. Jetzt gibt mir erneut ein Suchtproblem die Möglichkeit, mit mir selbst ins reine zu kommen. Mich mit mir beschäftigen zu dürfen und  auch die Dinge links und rechts zu sehen, wäre ohne Sucht wohl nicht geschehen. In dieser Tiefe machen es "normale" Menschen wahrscheinlich nicht. Insofern gebe ich nicht nur das Spielen auf, sondern auch die Ignoranz mir selbst gegenüber. Bei Wetten habe ich andere in die Pflicht genommen, um erfolgreich zu sein. Nun darf ich es wieder selbst tun.
Und ich tue es sowas von gern.


Wolfgang
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Auskuriert1

Re: Wolfgang mein Tagebuch
« Antwort #37 am: 15 Juni 2021, 20:05:40 »
Tag 14 und spielfrei
Super Wolfgang  :)

Bei Wetten habe ich andere in die Pflicht genommen, um erfolgreich zu sein. Nun darf ich es wieder selbst tun.
Und ich tue es sowas von gern.
Am Wochenende habe ich zum ersten Mal (gemeinsam mit meiner Frau) Erdbeeren gepflückt...fast 12 Kilo.
Vergleiche ich das nun mit Deiner Leistung - ist der Boden von Dein Eimer bedeckt, mit viele kleine aber auch schon mit ein paar ordentliche Früchte.
Das Feld ist allerdings noch lange nicht geräumt - Dein Eimer auch noch nicht Voll - allerdings macht es Spaß zu lesen wie sich Dein Eimer füllt - wirklich TOLL

Also Wolfgang - dran bleiben - es gibt vieles- und noch einiges an Früchten auf Dein Feld zu entdecken ;) 
« Letzte Änderung: 15 Juni 2021, 20:13:13 von Auskuriert1 »

Re: Wolfgang mein Tagebuch
« Antwort #38 am: 15 Juni 2021, 22:14:32 »
@ Auskuriert

Wir ernten die Früchte unserer Arbeit. Noch ist mein Eimer groß und die Früchte klein. Aber der Eimer hat einen soliden Boden, den hatte das Fass vorher nicht.
Danke für deinen Zuspruch!


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Re: Wolfgang mein Tagebuch
« Antwort #39 am: 16 Juni 2021, 21:56:51 »
Tag 15 und Spielfrei

So, die berühmten 24 Std. habe ich nun 15 mal erleben dürfen.

Dieses Wörtchen "spielfrei " sollte für mich nun auch optisch die Fortschritte erkennen lassen. Deshalb ich hatte mir gedacht, alle 15 Tage einen kleinen Buchstaben durch einen großen zu ersetzen. Dies durfte ich nun zum ersten mal umsetzen.

Meine Abstinenz hilft auch der Umwelt wie ich feststellen durfte. Es gab deutlich weniger Papier beim Kontoauszug  ;D


Wolfgang
« Letzte Änderung: 17 Juni 2021, 17:09:53 von Wolfgang »
"Nur wer weiß, woher er kommt, weiß, wohin er geht"
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Re: Wolfgang mein Tagebuch
« Antwort #40 am: 18 Juni 2021, 12:25:27 »
Was für ein Tag bisher.

Nachts kein Auge zugemacht und seit Stunden versucht der Nachbar mit einer offensichtlich unbrauchbaren Bohrmaschine Löscher in die Wand zu stanzen.
Also erstmal eine Runde an die frische Luft, aber der Kreislauf spielt verrückt. Ins Auto und paar Einkäufe erledigt. Dann geht die Temperaturanzeige in den roten Bereich, weil der Lüfter nicht mehr anspringt.
Das Teufelchen nutzt die Gelegenheit und bettelt in mir bestens bekannter Manier.  Ich sage "du Depp kannst mich mal kreuzweise" und gehe rüber zum Nachbar und helfe uns beiden.


Wolfgang

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Offline Olli

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Re: Wolfgang mein Tagebuch
« Antwort #41 am: 18 Juni 2021, 13:43:18 »
Jetzt versuchen zwei mit einer unbrauchbaren Bohrmaschine Löcher in die Wand zu stanzen ... :)
Der Eine hält die Bohrmaschine, der Andere die Wand ... ;)

Rüber zu gehen, war meine erste Idee beim Lesen. ;)
Gute 24 h
Olaf

(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
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Re: Wolfgang mein Tagebuch
« Antwort #42 am: 18 Juni 2021, 19:00:43 »
Hallo Olli,

wenn ich jemanden beim Arbeiten zuschaue, dann nervt der Krach nicht mehr so sehr ;D

Unbrauchbar war übrigens nicht nur die Bohrmaschine, sondern auch die Bohrer hatten schon bessere Zeiten erlebt. Auf mein Gehör kann ich mich also noch verlassen.
Mein Hilfe beschränkte sich  zugegebenermaßen in der Leihe einer geeigneten Bohrmaschine samt neuwertigen Bohrer. Und nach dem letzten versenkten Dübel hatten alle ihre verdiente Ruhe.

Tag 17 Spielfrei


Wolfgang

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Re: Wolfgang mein Tagebuch
« Antwort #43 am: 18 Juni 2021, 21:30:40 »
Glückwunsch, more to come!

Das gute ist, dass wenn du dich mal dort wg. erneuter Ruhestörung melden solltest, sie dir sicher gern entgegenkommen, weil du so hilfsbereit bist :).

Schöne Grüße

Re: Wolfgang mein Tagebuch
« Antwort #44 am: 20 Juni 2021, 02:12:42 »
@Aciric

Hier gehen die Uhren in Sachen Hilfsbereitschaft noch etwas anders  ;)

Allerdings sagt es auch einiges über mein derzeitiges Nervenkostüm aus. Ich vermisse die bisher gekannte "Belohnung" und das macht mich etwas dünnhäutig. Ich mache mir Notizen über meine Gedanken und Gefühle in der jeweiligen Situation. Das ist wichtig für mich und die anstehenden Gespräche mit dem Psychologen. Momentan bin ich etwas von der Rolle. Die Wucht der Gedanken an die verlorene Zeit erreicht mich und zieht mich runter.
Aber diese Gefühle durchlebe ich, ohne die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Und das lässt trotz mieser Grundstimmung genug Raum für positive Gedanken. Jetzt eine solche Phase ohne Spiel zu erleben, ist mir jedenfalls tausendmal lieber als mit Spiel. Es ist eine andere Art der Niedergeschlagenheit, als ich sie vom Spielen her kannte. Mein jetziges Tun mündet nicht mehr in Selbstvorwürfen, sondern in eine gewisse Art von Stolz. Und das ist der entscheidende Unterschied. So, und jetzt versuche ich zu schlafen.


Wolfram
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(Theodor Heuss)

 

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