Sonntag Morgen ... Olaf holt Brötchen mit dem Rad ...
Um 10 Uhr bin ich los ... direkt hinter dem Bahnübergang fing es an, dass eine ältere Dame vor der Apel stand, ohne die Bodensensoren auch nur im Entferntesten zu berühren. Welche Intention sollte also eine Ampelanlage haben, seine Farbe zu ändern?
Ich wechselte auf den Gehweg und wurde vom Radfahrer zum gestikulierenden Fußgänger, der sie bat einen Meter vor zu fahren.
Kurze Zeit darauf war ich an der Bäckerei und wurde wie immer prompt und einigermaßen freundlich bedient. Der junge Mann muss wohl mit einigen Muskeln weniger im Gesicht geboren worden sein ... habe ich ihn je lächeln sehen? Wir wünschten uns einen schönen Sonntag. Ich hoffe, dass er ihn wenigstens hat. Hmmm ... vielleicht sollte ich über meinen doch auch noch mal nachdenken ... aber alles zu seiner Zeit ...
Wie zumeist überquerte ich die Hauptstraße das erste Mal und bog in die Straße ein, an der einst mein Kindergarten gestanden hatte. Weiter unten an der Insektenwiese, manche nennen sie auch Hunde(kack)wiese, folgte ich dem Geh- und Radweg bis in den nächsten Ortsteil. Wie üblich überquerte ich erneut die Hauptstraße und führ eine Straße hinauf, die ich früher beim Zeitungaustragen gehasst hatte. Mit vollgepackten Taschen den Berg rauf machte damals keinen Spaß, heute mit E-Bike ein Kinderspiel. Als die Straße abbog, da fuhr ich geradeaus in den Wald, ab zum nächsten Stadtteil.
Auch hier musste ich wieder eine Landstraße überqueren. Mir fiel ein, dass ich dem Weg dort wohl besser nicht weiter folgen sollte, da ich ja letztens mit dem Hund über einen umgestürzten Baum habe klettern müssen. Pah, es gibt ja auch noch andere Wege. Also dort im Wald mal links und dann wieder rechts und schwuppdiwupp war ich an dem ehemaligen Bauernhof. Dem breiten Schotterweg wollte ich nicht weiter folgen, also bog ich nun in einen schmalen Weg ein, der nur rund 100 m weiter auf dem Hauptwaldweg, dem ehemaligen Bahndamm, auslief. Auf halber Höhe musste ich an einem Pärchen vorbei und minderte deshalb meine Geschwindigkeit.
Gut so, denn kaum vorbei ging ich ab wie Schmitz Katze und landete gekonnt auf allen vier Pfoten.
Ne, so ist das leider nicht gelaufen. Irgendwie muss ich in eine Längsrille im Boden gekommen sein und so rutschte mir mein Rad regelrecht unter dem Körper weg. Mit einem Bein kam ich auf den Boden und rollte mich dann auf dem Boden ab. Bis die Trägheit einmal überwunden war, dauerte es ... OK, nur Sekundenbruchteile, doch ich wunderte mich tatsächlich, dass ich das alles so klar mitbekam. Die linke Hüfte landete zuerst, mein linker Brustkorb beschwerte sich auch einmal, dass der Waldboden so hart war und warum ich nicht im Matsch hätte landen können. Der Helm knackte auch mal kurz, doch das nur, weil er ja recht weit über Kopf hinausragt. Aufgeschlagen bin ich also mit dem Kopf nicht ...
Wieder einige Sekundenbruchteile später wollte ich mir vor dem Pärchen nicht die Blöße geben im Dreck zu liegen ... was für ein kurioser Gedanke, oder? Ich drehte mich also zur Seite und stand auf. Meine linke Hüfte beschwerte sich erneut, doch das winkte ich mit einer aufkommenden Prellmarke als Begründung ab.
Das freundliche Pärchen fragte, wie es mir ginge, ich horchte in mich hinein ... und bis auf die Hüfte und den linken Brustkorb ... alles OK. Auch bei Belastung keine Änderung ...
Ich bedankte mich für ihre Fürsorge und schwang mich wieder aufs Rad ... ach wie blöde ... die Vorderlampe ist abgebrochen ...
Ein paar Meter weiter war ich auf dem alten Bahndamm und schlug die Richtung "Heimat" an.
Wer schon mal erlebt hat, wie einem der Kreislauf langsam aber sicher runter geht ... wenn man da nicht reagiert auch bis zur Bewusstlosigkeit, der weiss, wie ich mich nun anfing zu fühlen. Ein paar Meter weiter an einer Kreuzung stieg ich dann vom Rad, mein Etappenziel, eine Parkbank, war erreicht. Ich setzte mich hin und nahm den Kopf in die Hände ...
Wenn meine Hüfte mich gerade nicht daran erinnern würde, was tatsächlich passiert ist, dann könnte ich denken, dass ich eine Masche für den Beginn zweischenmenschlicher Beziehungen gefunden hätte.
Ein Pärchen, welches mit ihrem Hund gegangen ist, lief erst an mir vorbei, drehte sich dann doch noch mal um und fragte, ob es mir gut ginge. Leider nicht, die schwarzen Schleier wollten sich vor meinen Augen breit machen. Keine Minute später lag ich auf der Bank und die zwei wechselten sich dabei ab, meine Füße hoch zu halten.
Ein weiterer Herr kam hinzu ... ob ich nicht jemanden hätte, den ich anrufen wolle ... Beim Verlassen meines Grundstückes waren alle Autos meiner Schwester und ihrer Familie nicht vor Ort, daher suchte ich nur nach meiner Nichte auf meinem Handy. Bis ich dann entlich ihren Namen in der Liste gefunden hatte, meine Lesebrille chillte auf meinem Sofa, stellte sich heraus, dass sie eine neue Nummer hat ...
Also wurde 112 angerufen. Der Herr, der alleine unterwegs war, lief zum Eingang des Waldes, doch der war mit einer Barke verschlossen. Also schilderte ich einen Weg, der frei von Hindernissen war.
Kurzum, ich lag irgendwann im Wald im Krankenwagen und wurde durchgecheckt. Alles in Ordnung ... Beobachten muss ich die Hüfte, bzw. den Schenkelhals ... Der Kreislauf war mittlerweile wieder OK. Der Sanitäter meinte, ich würde viel Sport machen, da mein Puls, trotz der Aufregung, bei 60 lag. Also zahlt sich das Radfahren wohl doch aus.
War es jetzt unvernünftig nicht mit ins KH gefahren zu sein? Wahrscheinlich, doch der Impuls bloß niemandem zur Last zu fallen war so groß. dass ich abgelehnt hatte. Schließlich wollte ich ja erst nach der Radtour duschen gehen ... von gestern bis heute hat sich garantiert eine meterdicke Dreckschicht auf meinem Körper niedergelassen, die das Personal im KH vor Ekel erzittern ließe, bevor sie sich Hammer und Meißel organisieren müssten. Es geht noch weiter ... die Bartstoppeln der letzten Woche habe ich auch noch nicht à la Hancock runtergeschabt ...
Eigentlich wollte ich eben schreiben: Nein, ich habe heute einen wunderschönen Tag bisher erlebt. So viele Menschen, ich habe hier ja gar nicht alle erwähnt, haben sich um mich gesorgt oder sorgen wollen. So viel Hilfsbereitschaft ... so viele mitfühlende Menschen ... ich kann es nicht in Worte fassen.
Der Tag ist aber noch nicht zu Ende. Nachdem ich eben fast eine Stunde für diesen Beitrag gebraucht hatte, wollte ich mir meine gekauften Brötchen schmieren. Doch ich kam gar nicht dran ... Als ich aufstehen wollte, konnte ich mit dem linken Bein nicht auftreten und die Rippen schmerzten auch durch die Anstrengung.
Nach echt langem Überlegen habe ich dann doch wieder die 112 angerufen und habe mich dann von den beiden Herren ins Krankenhaus fahren lassen, die sich heute Vormittag schon um mich gekümmert hatten.
Nach Abtasten, Ultraschall und letztlich Röntgenaufnahmen steht fest: Zwei Rippen sind angebrochen. Der Schenkelhals ist heile, doch die Hüfte könnte auch angebrochen sein. Die Chirurgin hat auf den Aufnahmen nichts erkannt, doch sie lässt das Morgen noch von Kollegen gegenchecken. Letztlich könnte nur ein CT Gewissheit bringen.
Also habe ich noch einige liebe Menschen mehr kennenlernen dürfen!
Jetzt melde ich mich erst einmal bei meiner Chefin krank ... morgen muss ich mir eine Trombosespritze bei der Hausärztin abholen. Mittlerweile habe ich ja Krücken ...