ONLINE-Selbsthilfegruppe | Samstags von 19 Uhr bis 21 Uhr

Gedanken zum "Glücksspiel"

Begonnen von satanis, 14 Dezember 2025, 18:00:30

Vorheriges Thema - Nächstes Thema
#15
Zitat von: Olli am 15 Dezember 2025, 18:44:51
Das Geld wurde mir nicht gewechselt, sondern ich bekam einen Gefrierbeutel überreicht, damit ich die Münzen transportieren konnte.
Wieso wurde dir das Geld nicht gewechselt? Damit du dich reicher fühlst mit so "vielen Münzen"?

Dass du an 10 Automaten gespielt hast zeigt doch auf dass dir ein Automat nicht ausgereicht hat, wegen der geringen Auszahlung. Oder Du hattest vorher schon zu viel reingesteckt und das wolltest du natürlich wieder raus+Gewinn...


Geld ist und war aber schon immer sehr wichtig für mich, das kann ich so von heute auf morgen nicht ablegen. Und es auch so, ich freue mich wenn das Gehalt kommt und ich dinge erledigen kann, mir was kaufen kann usw. Geld ha eben eine sehr starke verbindung in meinem Gehirn....

Dass ich mich selbst und alle involvierten wie Bank, Anbieter und Staat als asozial bezeichne liegt daran, dass ich selbst  weiß dass man für Geld und Reichtum etwas tun muss und nicht vor einem Bildschirm in 2 oder 3 Tagen "reich" wird und das so ok ist. In keiner Gesellschaft wo jeder jeden kennt würde so etwas funktionieren, es widersprich meinem gesunden Weltbild. Wenn ich an diesen Spielen teilnehme, weiß ich dass ich nur gewinnen kann wenn es vorher Verluste von anderen gab, denn der AAnbieter gibt nur Geld raus was er vorher eingenommen hat. Ich nehme an einem Spiel teil welches eben aus moralischer Sicht meine eigene Weltsicht in frage stellt. Eine art kognitive Dissonanz.

Ja klar kann ich mir verzeihen. Ich war asozial und habe unbewusst und in Geheimhaltung gelebt  und weiß was zutun ist. Ich werde versuchen so gut es geht sozial zu sein, bewusster zu leben hinsichtlich Geldausgaben und Geheimhaltungen gibt es nicht mehr. Das war immer das schlimmste, nicht zu sprechen was wirklich ist, ausreden, zurück ziehen, in sich rein fressen... Ich muss sagen hätte ich keine Familienangehörigen wäre das ganze sehr Übel für mich ausgegangen.Teilweise kein Geld für Lebensmittel... Ich konnte zum Glück immer bei Familienmitgliedern um Geld für Essen und notwendige Rechnungen Anfragen, habe das auch immer nur wenn absolut gar nichts mehr ging getan und immer mit schelchtem gewissen. Dieses Geld wurde immer  sofort mit dem nächsten Gehalt zurück gezahlt und ich habe daher auch kein schlechtes Gewissen gegenüber meinen Familienangehörigen. Sie wussten immer was los war und wollten mir helfen. Aus heutiger sicht war das sehr hilfreich. Ich denke wenn ich keine Familie gehabt hätte wäre ich schon längst von der polizei erschossen und tod oder im Knast aufgrund von schweren kriminellen Gedanken die mir öfters nach den Totalverlusten in den sinn kamen...Diese "krankheit" ist halt bodenlos.


#16
Klar habe ich als 18jähriger gewusst dass das Glücksspiel mich auf dauer nicht weiterbringen kann. Wieso also so lange, über 10 Jahre. Weil ich mit der Zeit den verlusten hinterhergejagt bin, ich habe es nicht eingesehen gegen die bank zu verlieren. Und weil mein Leben doch eh scheisse war, sonst wäre ich doch auch gar nicht erst dorthin. Das Glücksspiel gab mir die Hoffnung auf ein besseres Leben. Ich hab mit 5 oder 6 (genau weiß ich es nicht) nicht mehr an den Weihnachtsmann geglaubt aber als Erwachsener immer an den großen Gewinn, der mein leben verbessern würde. Als 18 jähriger hatte ich noch keine zahlen und genauen Vorstellungen von der Welt, von Finanzen, von Wahrscheinlichkeiten, von Psychologie usw....

Heute müsste mir das Glücksspiel eine Millionen Euro auszahlen, oder besser 2. Nicht pro woche einen anteil so wie es die Anbieter machen, sondern sofort alles aufeinmal. Nicht wegen den Verlusten, sondern weil das der betrag wäre wo ich dann aufhören würde. Ok, würde ich dann aufhören? Ich rechne. Ein Haus kostet ca. 500000-1mio. + 1mio als Sicherheit. Ja 2 Mio müsste mir das Glücksspiel auszahlen. Und ich will natrülich auch kein hohes Risiko eingehen. Also eigentlich will ich nur ein Bruchteil einsetzen.

In der praxis war das ende von diesen und ähnlichen Vorstellungen dann immer der Totalverlust. Und beim nächsten Gehaltseingang wieder das gleiche. Von vorn. Das was ich mir vorgenommen hatte wusste der Anbieter schon längst und hat nur auf mich gewartet...








Guten Morgen!

ZitatWieso wurde dir das Geld nicht gewechselt? Damit du dich reicher fühlst mit so "vielen Münzen"?

Zur damaligen Zeit nahmen und gaben die Automaten keine Scheine. Dadurch, dass ich also Münzen behielt, war der Einwurf in den nächsten Automaten schon garantiert. Mir war es recht schnell bewusst, dass "Gewinne" immer nur dazu da waren, das nächste Spiel zu finanzieren. Von daher hatte ich auch nie das Automatenspiel mit "reich werden" verknüpft. Ich wollte Zeit vor dem Automaten verbringen, mehr nicht. Der Automat, der stellte keine Anforderungen an mich. Er war immer da, wenn ich ihn aufsuchte. Er gab mir Ruhe, Stress zum gedachten Stressabbau. Der Automat war beständig. Er änderte nie seine Meinung. Er ließ sich wunderbar personifizieren. Er löste bei mir Emotionen aus, wie ich immer sage: nur spezielle, doch dafür umso heftiger.
Ich konnte die Automaten lesen. Je nachdem, wie der Ton sich zu den Lichtsignalen der Risikoleiter verhielt, wurde die Leiter beim Drücken erklommen oder es erfolgte der Absturz. Es war ein Tanz auf dem Drahtseil. Manchmal änderte der Automat kurzfristig seine Meinung und zerstörte meine Vorhersagen. Doch die wenigen Male, die ich Recht behielt, schürten nur meinen Glauben an die "Lesbarkeit" der Geräte. Und so tanzte ich oft genug einen verlorenen Tanz - und es war mir egal. Es war nicht wichtig. Die Zweisamkeit war alles, was zählte.

Heute kann in den Hallen ein Vielfaches von dem gewonnen werden, was damals möglich gewesen ist. Es suggeriert das Erlangen eines schnellen Reichtums. Doch wer geht eigentlich in die Hallen? Wer spielt in der Kneipe an Automaten? Es sind immer die gleichen Gesichter. Ich habe nie erlebt, dass ein Passant, der in der Stadt einkaufen ist, mal eben in eine Halle geht, um sich die Zeit zu vertreiben. Auch heute noch spielt der Großteil der Bevölkerung gar nicht! Auch heute noch haben Spielhallen einen schlechten Ruf. Sie haben etwas Verbotenes an sich, sind verrufen. Es gab einmal eine Zeit, da konnte man dort Darts spielen oder Billard. Da gingen die Geräte mit Gewinnmöglichkeit geballt in einer Ecke. Doch diese Zeit ist vorbei. Jetzt geht es nur noch um den schnöden Mammon.

Sportwetter glauben an ihre Kompetenzen. Sie haben oft selbst Sport ausgeübt. Überall und jederzeit ist Fußball in den Medien präsent. Angebliche Talk-Shows vermitteln angebliches Hintergrundwissen. Doch sie vergessen, dass es immer anders kommt als man denkt. "Oh, knapp, nur ein Tor daneben ... da muss ich wohl was falsch interpretiert haben. " Nein, es war nie knapp ... es ist das System, welches Dich das denken lässt. Es ist danach ausgerichtet, Dich zu binden. Scheinbar knappe Ergebnisse suggerieren, dass es beim nächsten Mal klappen wird.

So mancher hat auch schon hohe Wetten gewonnen. Ein Freund jubelte während des Darttrainings auf, weil er aus 500 € 3.500 € gemacht hatte. Warnungen schlug er in den Wind, er hätte schon des Öfteren gewonnen und liege weit im Plus.
Der Gute ist Pflegekraft im Krankenhaus. Seine Freundin hat sich von ihm getrennt, da er nur noch wettete und gesoffen hatte. Eigentlich sollte doch bald die Hochzeit gefeiert werden. Nun kam raus, dass er die gemeinsame Wohnung auf Pump eingerichtet hatte. Da frage ich mich schon, wo die ganzen Gewinne hin waren.
Er muss sich nun eine kleine Wohnung suchen und die unbezahlten Möbel wird er nicht mitnehmen können. Die Ex will mit den Schulden nix zu tun haben. Sie wird schon wissen, wieso ...

Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Guten Morgen Olli und Danke für die Antworten.

Ja die psychologischen "Tricks" der "Glücksspielindustrie" sind überall ähnlich, manchmal identisch und manchmal bisschen anders.

Ich wollte nie am Bildschirm (Manchmal Tagelang ohne was zu essen) Ergebnisse, Statistiken und Spiele verfolgen um meine Kompetenz einzusetzen.

Der Grundgedanke bei mir war immer VOR dem Spiel Geld zu machen. Ich bin aufgestanden und das erste an was ich denken musste war, wie komme ich an Geld, an viel geld. 30 Jahre für einen gewissen Wohlstand zu arbeiten war mich als Junger Mensch keine Option. Das alles spielte sich immer in meinem Kopf ab.

Die Mechanismen und dass das "Spiel" dich im Spiel halten will, mit den ganzen Tricks wie Auszahlungslimits, Bonis, Quoten welche auf höchster Mathematik und menschlicher Psyche basieren (Zum Nachteil des Spielers) etc oder auch 2 Euro Münzen ausspucken wie in deinem Fall waren für mich jahrelang teil des Spiels und halt normal, ich habe das unterdrückt und ausgeblendet. Ich war doch auf dem Schlachtfeld und mein Gegner war mir doch maximal auf Augenhöhe...

Heute weiß ich das besser und wenn ich heute, nach all dem Wissen das immer noch machen würde könnte ich mir das nicht mehr verzeihen.

Es macht eben ein Unterschied ob man die Details kennt oder nur das grobe, vermutliche.

Als 18 oder 25 Jähriger war ich nicht offen für all das. All das zu erkennen. Zu erkennen wollen dass das "Spiel" gar nicht auf Augenhöhe stattfindet sondern man regelrecht abgeschlachtet wird. Ich wollte diese Niederlage nicht wegstecken und deswegen bin ich dann auch den Verlusten hinterhergerannt...

Ich bin 10 Jahre lang in die Abschlachthäuser gerannt und dachte ich schlage die quoten und das Casino. Heute weiß ich dass diese genannten Spielbanken, Wettbüros, Casinos und wie sie alle heißen im Prinzip alle Schlachtbanken sind, Schlachthäuser. Der "Spieler" als Nahrungsmittel welches dann aufgegessen wird. Da ist nix mit Spiel. Ich habe das immer schon gewusst dass dass kein Spiel ist und das "die karten schlecht" stehen aber nie so richtig darüber nachgedacht. Aus mathematischer Sicht, aus der psychologischen Sicht. Ich war doch der junge Wolf der es allen zeigt wer hier im Revier das sagen hat....


Wir danken dem AOK Bundesverband für die Finanzierung des technischen Updates dieses Forums