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Isas Tagebuch

Begonnen von Isabell80, 14 April 2026, 10:23:35

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#165
Zitat von: Loser65 am 08 Juli 2026, 06:58:05Wenn zum Ausgleich die potenziellen Opfer mit ähnlichem Aufwand rechtzeitig davor gewarnt würden, könnten die Halunken alle einpacken .

( Vorweg : Natürlich verstehe ich diese Kritik am System !)


Ich glaube mich hätte selbst ein riesiges , leuchtendes Warnschild mit blinkenden Buchstaben
Achtung Isa - dieses Spiel wird dich süchtig machen ! nicht gerettet .
Ich war mein Leben lang komplett überzeugt , dass ich kein "Typ" bin , der süchtig werden kann.

Ich kann mich an viele Gespräche erinnern ,in denen ich mit Freunden oder Familie über den neusten Dorftratsch gequatscht habe "Hast du schon gehört , Anneliese hat ihren Mann rausgeschmissen, der soll wohl Alkoholiker sein ?"," Weißt du schon das Neuste ? Das Haus von dem alten Schreiner wird zwangsversteigert. Der soll wohl Haus und Hof verspielt haben " usw usw ...
Nie, nie, nie hätte ich mir vorstellen können , dass mir soetwas passiert.
Und das hab ich auch immer so kommuniziert.
Es war für mich unvorstellbar, wie man da reinrutschen kann und warum man da nicht rechtzeitig die Notbremse zieht .
Für mich war völlig klar , das kann mir nicht passieren .
Daher hätte ich auch die blinkende Warnung einfach beiseite geschoben .
Das mag ja für andere gelten , aber ganz sicher nicht für mich .

Es war nicht so , dass ich schlecht über die Betroffenen gedacht habe.
Sie taten mir leid , aber ehrliches Verständnis hatte ich nicht .

In meinem Kopf war klar : Wenn du weißt , dass es schlecht für dich ist , dann lass es halt sein !

Fast schon lustig , wie naiv und unwissend dieser Gedanke war.

Die Sucht hat mich da tatsächlich geerdet.
Ich lerne durch sie Dinge über mich , die ich sonst vermutlich nie gelernt hätte .

Ganz am Anfang hier schrieb Olli mir :

Kannst du versuchen , dir selbst zu verzeihen ?

Das ist jetzt 11 oder 12 Wochen her .

In meinem Kopf schrie alles :

NEIN, DAS KANN ICH MIR NIEMALS VERZEIHEN !!


Heute , nach gar nicht so langer Zeit, bin ich da schon viel versöhnlicher mit mir.

Ich bin nicht die schlechteste Entscheidung, die ich jemals getroffen habe. Ich bin ein Mensch, der jeden Tag neu entscheiden darf, wer er sein möchte.Und inwzischen treffe ich da häufig gute Entscheidungen.


Wer immer tut, was er schon kann ,
 bleibt immer das, was er schon ist .

Ich habe beim Lesen ne Gänsehaut bekommen ... :)
Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Isa,
das greift m. E. doch etwas zu kurz. Ne ordentliche Aufklärungskampagne würde rechtzeitig offenlegen, was Sucht ist und wie sie sich manifestiert. Wer das erst begreifen darf, wenn er davon befallen ist, hat schon verloren.
Du hättest bei brauchbarer Bildung sicherlich hinterfragt, was dem Ruin des Schreiners vorausging. Weil aber immens Viele von Sucht peinlich berührt sind, ist Sucht ein Tabu und wird erst durch ihre Folgen sichtbar.

In Anbetracht der weiten Verbreitung von Abhängigkeiten und Suchterkrankungen ist mir völlig unverständlich, warum Sucht insgesamt derart im Hintergrund bleibt, dass ein Süchtiger sich ihrer schämen muss. Das Thema sollte wesentlich offensiver und ehrlicher angegangen werden, um zum einen effektiv Vorbeugen und zum anderen die Nutznießer bloßstellen zu können.

Naja, beim Dorftratsch geht es halt selten darum, besonders gebildet rüberzukommen.🫣

Im Übrigen ging es in meinem Beitrag gar nicht um den Stand der Suchtaufklärung, sondern darum, dass ich trotz der Geschichten über Alkoholismus oder Spielsucht felsenfest überzeugt war, selbst nicht gefährdet zu sein. Das war keine Bildungslücke, sondern eine Fehleinschätzung, die ich erst durch eigene Erfahrung erkannt habe.

Grundsätzlich bin ich aber bei dir , eine vernünftige Aufklärung in diesem Bereich und ein deutlich besserer Schutz wäre definitiv angebracht .

Am Ende hat mich aber niemand gezwungen zu spielen , Geld einzuzahlen , zu lügen  usw .
Dafür muss ich selbst die Verantwortung übernehmen !
Da hilft es niemandem , sich mit fehlender Aufklärung rauszureden .

Wer immer tut, was er schon kann ,
 bleibt immer das, was er schon ist .

Hallo Isabell

Du hast Recht mit dem was Du schreibst, denn auch ich hätte früher nicht daran gedacht das ich spielsüchtig werde.

Mir hat auch niemand gesagt du musst das kaufen und du muss die Spiele spielen. Nein ich habe mir das selbst ausgesucht. Und weil es am Anfang auch Spaß gemacht hatte, konnte ich nicht rechtzeitig aufhören.

Ich habe auch nie darüber nachgedacht, denn das Geld war ja da. Am Anfang war alles ok, hatte es im Griff, dachte ich, aber dann wurde es immer schlimmer. Ich habe Schulden gemacht stehe dadurch in der Schufa, auch wenn mein Mann mich zweimal da raus geholt hat, aber Ratenzahlungen stehen leider 3 Jahre drin.

Heute höre ich meiner Nachbarin zu die von ihrem Ex erzählt der durch Zocken schulden gemacht hat. Was geht mir da durch den Kopf ? Boh die arme Frau oder meine Güte du bist genauso ? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur das ich ihr nicht erzählen kann das ich spielsüchtig bin. Wieso nicht ? Weil ich mich dafür Schäme.


Bleib weiter am Ball und nimm jede Hilfe von aussen an die Du bekommen kannst. Du schaffst es.  :)

Lg Mutze



Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren

Isa,
ohne dich triggern zu wollen: Wenn dich jemand ins Wasser stößt und du ertrinkst, weil du nie Schwimmen gelernt hast, bist du dann verantwortlich? Wie ist es dann, wenn dich jemand zum Spielen verleitet, obwohl du dazu nicht nein sagen kannst, weil du schon als Kind immer gern gespielt und gewonnen hast?
Und warum soll eine Fehleinschätzung nicht aus Bildungslücken resultieren? Wenn du dir eingebildet hast, gegen Sucht gefeit zu sein, dann bestimmt auch, weil du über Sucht nicht genug bescheid wusstest. Wie soll jemand für sich Verantwortung tragen, wenn er es nie gelernt hat, weil er zum Ja-Sager und Mitläufer erzogen wurde.

#171
Hm , in deinem aufgestellten Vergleich wäre es dann ja eher so , dass jemand sagt :
Hey , spring ins Wasser , das wird toll ! Probier es einfach mal aus !

Wenn ich dann springe , ohne Schwimmflügel , obwohl ich nicht schwimmen kann , bin ich immer noch selbst verantwortlich .
Auch wenn das ziemlich mies wäre , von dem , der mich verleitet hat .

Wenn mich jemand zum Spielen verleitet , ist das ebenfalls mies , die Entscheidung zu Spielen hab ich dann aber dennoch am Ende selbst getroffen.

Wie man es auch dreht und wendet - ich hab es selbst in der Hand !


Ja - Aufklärung ist da absolut wichtig !!
Das läuft in Deutschland falsch .
Keine Frage.




Wer immer tut, was er schon kann ,
 bleibt immer das, was er schon ist .

#172
Wenn du springst, hast du ihm vertraut, und wenn du spielst, hast du dir vertraut.

Ein beiden Fällen ganz schön naiv ...
Wer immer tut, was er schon kann ,
 bleibt immer das, was er schon ist .

Ergo: (Selbst-)Vertrauen ist naiv

#175
Na, da braucht es ja ganz schön viel Naivität, um auch wieder aus der Sucht auszusteigen!

Man kann es an verschiedensten Stellen ansetzen: Das Verhalten und das Verhältnis! Das Verhalten zielt auf eben das eigene Verhalten ab und das Verhältnis ist alles drum herum. Das sind Gesetze, Normen und Regeln, Psychologie bei der Erstellung von Glücksspielprogrammen und und und ...

Ja, auch schulische Aufklärung gehört dazu. So hätte ich nie und nimmer Drogen genommen, denn mit "Christiane F" wurden wir gefeit gemacht gegen diese Seuche.

Das Glücksspiel wurde jedoch gar nicht thematisiert und vielleicht hätte ich darüber geschmunzelt. Mein Vater spielte doch selbst hier und da. Er hatte Familie, erschuf ein Eigenheim. Was sollte daran also schlecht sein?
Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)

Zitat von: Loser65 am 08 Juli 2026, 23:10:36Ergo: (Selbst-)Vertrauen ist naiv

Man kann Vertrauen vielleicht so unterscheiden:

Naives Vertrauen bedeutet: "Es wird schon nichts passieren." Warnsignale werden ausgeblendet oder ignoriert.

Gesundes Vertrauen bedeutet: "Ich weiß, dass Enttäuschungen möglich sind, aber ich entscheide mich trotzdem, Vertrauen zu schenken."



Naives Selbstvertrauen klingt eher nach: "Mir kann nichts passieren. Ich habe alles im Griff."

Echtes Selbstvertrauen heißt dagegen: "Ich weiß, dass ich Fehler machen kann. Aber ich vertraue darauf, dass ich mit ihnen umgehen kann."


Vertauen grundsätzlich als naiv anzusehen und sich daher  für ein Leben ohne Vertauen zu entscheiden , stell ich mir ziemlich traurig und einsam vor .
Wer immer tut, was er schon kann ,
 bleibt immer das, was er schon ist .

#177
Moin Olli!
Es braucht viel Bewusstsein um Naivität. Genau genommen wird Kindern Vertrauen anerzogen, nicht Verantwortung. Schließlich sollen sie sich fügen.
Verhalten resultiert daher aus den Verhältnissen, innerhalb derer jeder seinen Spielraum hat. Wer vor Drogen zurückschreckt stolpert fast automatisch übers Glücksspiel als "gesündere" Alternative für Gelangwillis mit reichlich Taschengeld.
Verschwörungstheoretiker sehen Bahnhof Zoo daher möglicherweise als Marketing für Glücksspiel. Schließlich ist es um vieles sozialverträglicher. Wieso sollte man also davor warnen? Im Gegenteil, man macht noch bunte Lämpchen dran, lässt schon die Jüngsten Plüschtiere zocken und druckt Börsenbriefe.
Kinder kriegen gar keine Chance, den Rattenfängern zu entkommen. Bestenfalls werden sie selber welche. Im sozialen Netz darf niemand frei sein, sonst betreibt er vielleicht noch Aufklärung.

Moin Isa!
Echtes Vertrauen klingt schon fast nach Verantwortung, Die Kunst besteht also darin, falsch von echt trennen zu können. Die Zeit sollte man sich nehmen, vor allem der Nachahmer und der Triebtäter.

Hallo zusammen,
spannend, was ihr hier diskutiert. Aber: ist Isas Tagebuch der richtige Ort dafür? Wie wäre es mit einem separaten Thread?
LG Ilona
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Bluesky@gluecksspielsucht.bsky.social

Hallo Isa,

ich gebe Ilona hier völlig Recht. Eigentlich wollte ich gerade meine Gedanken Dir hier mitteilein,
aber nun geht es an meinen heutigen Tag... :)
Demut ist die anhaltende Ruhe im Herzen

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