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Spielsucht blieb lange unerkannt

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Offline Olli

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Re: Spielsucht blieb lange unerkannt
« Antwort #75 am: 12 Januar 2026, 18:17:19 »
Zitat
sind ja erstmal 19 Tage,

Hi Mutze!

Ach ja. der Selbstwert und die Diskussion mit der Sucht ...

"Es sind ja erstmal nur 19 Tage. Dabei gibt es doch so viele, die etliche Jahre auf dem Buckel haben. Also eigentlich stehe ich komplett am Anfang! Und da dem so ist, kann ich ja schnell noch mal spielen, bevor es so richtig los geht mit der Abstinenz ... Morgen ist ein guter Tag, um damit anzufangen. Passt mal auf, mein Mann wird mich nicht loben dafür ...!"

Es gibt doch immer wieder einmal Meilensteine, die es zu meistern gilt. Da ist das Anfangen mit dem Aufhören! Manchmal steckt da ein Zwang hinter, weil nichts mehr anderes geht. Doch die tief sitzende Entscheidung ist dann immer noch nicht selbstverständlich. Andere finden in sich Motivation, weil sie es einfach leid sind, sich z.B. selbst zu verletzen. Dann kommt die Offenbarung. Scham, Schuld, Verzweiflung und Angst mit katastrophisierenden Gedanken. Ein nächster Meilenstein kann dann auch ein Rückfall sein. Ein Rückfall, wenn Du einmal mit der Genesung angefangen hast, lässt sich nicht wegwischen wie eine lästige Fliege. Da kommen Fragen auf, die beantwortet werden wollen. Dabei entstehen Erkenntnisse, die wieder neue Fragen aufwerfen. Du gehst auch zu einer Therapeutin und besprichst alles mit ihr, gehst in eine SHG und kommst auch in diese Gruppe.
In 19 Tagen ist sooooo viel passiert! Nicht weil es einfach so passiert ist, sondern weil Du es hast passieren lassen. Du warst der Auslöser, der Fragesteller und der Antwortende. Der Denkende, der Fühlende ... Wieso solltest Du nicht auf jeden einzelnen dieser Tage stolz sein? Wozu brauchst Du eine Bestätigung von Deinem Mann?

Ich erzähle Dir hier noch einmal von einer kleinen Geschichte, die ich selbst erlebt habe. Daran erkennst Du, wie vermeindlich Gesunde reagieren können. Es gab Streit zw. meinem Vater und mir. Ich schrieb einen bösen Brief, von dem ich nichts bereue. Da kam meine Schwester zu mir und versuchte mir einzureden, wie falsch ich doch lag. Es kam auch meine Spielfreiheit auf. 5 Jahre war ich es schon und ich war stolz darauf. Sie verdrehte aber nur die Augen und antwortete enttäuscht: Ich dachte, es wäre schon länger ...

Meine Eitelkeit wurde dadurch verletzt, doch meinen Stolz dagegen kein bisschen. Ich bin auch heute noch stolz spielfrei zu sein und brauche niemanden, der es mir bestätigen muss. ICH weiss doch, wie es sich anfühlt ... die Selbstvorwürfe, die Ängste ... alles ist weg ... Ich darf mein Leben heute genießen, weil es nun ausgewogen ist. Es gibt herrliche Momente und auch schreckliche. Doch das ist nun mal das Leben. Der Wortstamm von Sucht ist nicht etwa suchen, sondern siechen. Wenn Du Dir die Bedeutung ergoogelst, dann wird es beschrieben als immer schwächer werdend, als dahinsiechend. Es wird bei Seuchen benutzt. Wer an einer Seuche leidet, wird isoliert, damit er den Rest der Gruppe nicht infiziert. Menschen, die an einer Seuche leideten wurden zu Aussätzigen ...

Sei stolz auf jeden einzelnen Tag und wenn Du nach Bestätigung suchst, dann suche sie ausschließlich in Dir! :)
Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
Ich gebe hier lediglich unverbindlich meine Meinung und Erfahrungen wieder.)
Hier geht es zum Samstagsmeeting_ https://us02web.zoom.us/j/87305340826?pwd=UnFyMlB6bkwyTHU3NGVISWFGNSs2

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Offline mutze

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Re: Spielsucht blieb lange unerkannt
« Antwort #76 am: 12 Januar 2026, 21:00:57 »
Hallo Olli

Danke. Ja ich sollte stolz auch auf die 19 Tage sein. Es sind immerhin 19 Tage wo ich spielfrei bin, aber das wird wohl eher passieren wenn es soviel wie bei Dir sind. Ich bin stolz auf meine 997 Tage rauchfrei, weil ich für mich selbst entschieden habe aufzuhören.

An meinem Selbstwert muss ich wohl noch arbeiten.

Es fiel mir sehr schwer meinem Mann zu gestehen das ich Geld verzockt habe. Aber um so leichter ging es mir dann wie es raus war. Das war die größte Scham die ich bis dahin hatte. Außer natürlich in meiner Vergangenheit.

Das mit Deiner Schwester hatte ich gelesen und ich wäre wahrscheinlich im Boden versunken. Auch wenn ich stolz zu diesem Zeitpunkt gewesen wäre, hätte ich mich dann geschämt. Geschämt dafür das ich überhaupt gespielt habe. Das ich Geld dafür ausgegeben hatte.
Es ist passiert und ich kann es nicht mehr ausradieren.

Schönen Abend

Lg Mutze



Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren

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Offline Olli

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Re: Spielsucht blieb lange unerkannt
« Antwort #77 am: 13 Januar 2026, 05:59:46 »
Guten Morgen Mutze!

Zitat
Auch wenn ich stolz zu diesem Zeitpunkt gewesen wäre, hätte ich mich dann geschämt. Geschämt dafür das ich überhaupt gespielt habe.

Wieso sollte ich das tun? Ich war doch spielfrei? Die Glücksspielsucht ist eine Krankheit. Ich bin nicht mit offenen Augen der Sucht verfallen, wollte niemals bewusst süchtig werden.

In meinem zwanghaften Bestreben nach Anerkennung in der Familie habe ich mich vergessen. Ich wurde perfektionistisch. So habe ich dann auch meine Sucht betrieben. Ich erlaubte mir keine Fehler.

Dort an diesem Tag mit meiner Schwester war ich stolz auf mich, denn ich war es satt einem Rollenbild zu entsprechen, welches mich erniedrigte. Ich habe Fehler gemacht und das war es. Darfst Du Fehler machen? Ich bin da für mich eingestanden und die Einzigen, die nicht verstanden, waren die, die das machten, was sie immer schon gemacht hatten.

Natürlich bedaure ich so eiinige Dinge zutiefst, die ich zur Aufrechterhaltung der Sucht in der aktiven Zeit gemacht habe. Ich weiß, dass sie falsch waren, gegen Normen und Werte verstießen. Das Bedauern muss aber auch reichen. Wenn ich mich auf die Schuld konzentriere, dann lebe ich in der Vergangenheit. Zeige ich aber Verantwortung, dann ist dies zukunftsorientiert.

Die darauf folgenden Zukunft hat gezeigt, dass mein Verhalten richtig gewesen ist. Leider musste ich da einige Repressalien hinnehmen. Zumindest meine Geschwister haben ihre Rollen später so weit verlassen, dass ich damit leben kann.

Mein Vater hat dies nie geschafft. Der Satz 2021 hier bei mir auf der Couch: "Ich sehe Glücksspielsucht als eine Charakterschwäche an ..." sagt mehr über ihn aus, als über mich.
Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
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Offline mutze

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Re: Spielsucht blieb lange unerkannt
« Antwort #78 am: 13 Januar 2026, 13:23:38 »
Hallo Olli

Das mit dem Schämen war keinerlei auf Dich bezogen, sondern eher auf mich. Sorry wenn das so rüberkam.

Das wollte ich nicht.

Lg Mutze
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Offline Olli

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Re: Spielsucht blieb lange unerkannt
« Antwort #79 am: 13 Januar 2026, 13:37:15 »
Hi Mutze!

Ich habe das schon richtig verstanden, habe es dann aber auf mich gemünzt, um Dir zu zeigen, wie ich damit in dieser Situation umgegangen bin.  Es ist noch alles recht frisch bei Dir. Trotzdem darfst Du aufhören Dich permanent zu entschuldigen. Lebe im Jetzt!

20 Tage! - Juchuuuuuu!

Gute 24 h
Olaf


(Da ich kein Jurist bin, darf ich auch keine Rechtsberatung machen oder Handlungsanweisungen geben.
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Offline mutze

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Re: Spielsucht blieb lange unerkannt
« Antwort #80 am: 14 Januar 2026, 16:50:48 »
Hallo Olli

Jaaaaa daaaaaanke  für die 20 Tage spielfrei.

Heute sind es ja schon 21. Aber irgendwie geht es noch nicht so richtig in meinen Kopf rein, weil ich ja schon mal über 5 Monate hatte. Ich glaube das ich jetzt kleine Brötchen backen muss.
Es fällt mir sehr schwer stolz auf mich zu sein und brauche halt eine Bestätigung von außen. Das habe ich mir leider all die Jahre so angeeignet.

Gestern hatte ich SHG und mir hat nach der Stunde echt der Kopf geraucht. Es war soviel gesprochen worden über einen Teilnehmer, so das ich nachher nicht mehr wusste was ich in der Schlussrunde sagen sollte. Ich war ein bisschen abgedriftet.

Wenn es heute trocken bleibt fahren wir später endlich mal wieder zum TT spielen. Ich freue mich ein bisschen darüber, weil wir lange nicht da waren.

Schönen Tag

Lg Mutze

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Offline mutze

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Re: Spielsucht blieb lange unerkannt
« Antwort #81 am: 15 Januar 2026, 13:41:21 »
Heute ist Donnerstag und meine Muskeln geben mir bescheid das ich gestern fleißig war   ;D

Nach so langer Zeit wo ich nichts getan habe, war ich gestern Abend echte Müde vom Sport. Wir sind schnell mit dem Fahrrad und dem Rollstuhl nach Hause gefahren und ich habe ganz schnell geduscht.
Da wir beide Hunger hatten haben wir schnell den Tisch gedeckt und Abendbrot gegessen.

Dann war erstmal Verschnaufpause. Um viertel vor Zehn sind wir die letzte Runde Gassi gewesen.

Heute morgen wollten wir beide wieder raus und haben entdeckt das mein Mann im Rollstuhl einen Platten bekommen hat. Uiiiii das geht ja mal gar nicht. Schnell das Sanitätshaus angerufen und bescheid gegeben. Nun warten wir auf einen Rückruf vom Techniker.

Ich muss sagen das hier wo ich wohne in letzter Zeit auch ziemlich viel Glas überall rumliegt. Egal wo man läuft. Entweder sind es Bierflaschen oder diese Kleinen Wodkaflaschen, Wein bzw Sektflaschen.

Vor allem müssen wir dann auch noch wegen dem Hund ziemlich gut aufpassen.

Egal kann man halt nichts machen. Positives ist das ich keinerlei Gedanken ans spielen verschwende.  :D

Schönen Tag

Lg Mutze
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Offline mutze

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Re: Spielsucht blieb lange unerkannt
« Antwort #82 am: 21 Januar 2026, 21:19:41 »
Morgen ist schon wieder eine Woche rum

Was hab ich gemacht in der Woche ? Montag hatte ich einen Termin bei der neuen Therapeutin und wir haben uns dazu entschieden das ich bei ihr eine Langzeittherapie mache. Nun hatte ich ja das Glück das sie im gleichen Büro angefangen hat von meiner vorherigen Therapeutin. So konnte ich mich dann in Ruhe für die restlichen zwei Stunden mit ihr zusammen setzen und sie kennenlernen.

Aber ich muss jetzt zum Hausarzt da ich eine Bescheinigung brauche das ich aus Gesundheitlichen Aspekten eine Langzeittherapie machen kann. Und sie muss die ganzen Anträge ausfüllen die ich brauche und dann hoffe ich das die KK das zustimmt.

In der letzten Stunde also am Montag hatten wir darüber gesprochen welche Probleme und Themen wir gemeinsam angehen wollen. Und da ist so einiges aufgekommen. Wir werden auch instinktiv das Thema Spielsucht angehen.

Dienstag hatte ich dann wieder SHG und diese Stunde hat einiges auf den Tisch gebracht auch über mein Verhalten nach der Spielzeit. Denn ich bin von der Spielsucht in die Kaufsucht gerutscht. Das habe ich wahrscheinlich gemacht um mich jedes mal für irgendetwas zu belohnen das ich nicht gespielt habe. Diese Bestimmte Seite habe ich dann natürlich wieder gelöscht. Danach kamen dann die Social Media Seiten dran, das hat sich jetzt zum Glück auch erledigt. Nun bin ich aus allem wieder raus, so das ich Befreit aufatmen kann. 

Heute Abend wollte ich eigentlich TT spielen und was habe ich gemacht ? Nur geschlafen.  ???  Ich bin manchmal echt so ausgelaugt das ich keine Lust zu irgendwas habe.

Montag muss ich erstmal zum Hausarzt, vielleicht hab ich auch einfach nur ein Vitaminmangel.

Und nächste Woche habe ich dann die Generalprobe ob ich Zuhause alleine sein kann. Toi Toi Toi

Bis demnächst schönen Abend noch

Lg Mutze
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Offline mutze

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Re: Spielsucht blieb lange unerkannt
« Antwort #83 am: 24 Januar 2026, 20:03:52 »
Es ist heute Samstag

Es geht mir heute gut und ich denke immer weniger ans Spielen.

Ich werde nicht behaupten das ich aus dem Groben raus bin, denn das haben wir ja gesehen was dann passiert. Nein ich habe eben gelesen, das es nun schon 1 Monat her ist wo ich das letzte mal gespielt habe, und das ist ein guter Anfang.  ;)

Ich verstehe mich mit meinem Mann wieder besser und wir zoffen auch nicht mehr soviel bzw. im Moment gar nicht. Schön ruhig ist es.

Wir reden wieder über alles und unterhalten uns auch mal zwischendurch über meine Spielsucht. Ich bin froh das er mir wieder ein bisschen vertraut.
Ich brauche keine Monatlichen Raten mehr bezahlen über die ich Nachts nachdenken und Rechnen muss wieviel mir dann am Ende des Monats übrig bleibt. Sogar seine und meine Kontokarten sind weiterhin in meinem Besitz und dieses Vertrauen werde ich keines falls aufs Spiel setzen.

Auch psychisch bin ich nun erstmal stabil genug das ich mich auf ein zwei Tage ohne meinen Mann einstellen kann.

Und bevor ich Abends alleine hier rum hänge werde ich wohl nach meiner Nachbarin runter gehen.


Schönen Abend

LG Mutze
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